Kaufberatung Licht

Im Herbst fallen Feierabendaktivitäten draußen meist der Dunkelheit zum Opfer. Und auch für die Pendelei mit dem Bike in die Arbeit schaut es düster aus. Maik Linsner weiß, wie man Licht ins Dunkel bringt.

Im Herbst fallen Feierabendaktivitäten draußen meist der Dunkelheit zum Opfer. Und auch für die Pendelei mit dem Bike in die Arbeit schaut es düster aus. Maik Linsner aus der Globetrotter Filiale Köln weiß, wie man Licht ins Dunkel bringt. Die Globetrotter Kaufberatung Licht.

Wer braucht alles eine Outdoorlampe?
Alle, die im Dunkeln etwas sehen oder gesehen werden wollen – besonders im Straßenverkehr. Gerade jetzt, wo Herbst und Winter vor der Tür stehen, ist das Thema Licht besonders aktuell: sei es für die Pendler­ strecke auf dem Fahrrad, das Grundlagen­ausdauertraining auf dem Trail oder die erste winterliche Feierabendskitour.

Welche Lampenarten hat Globetrotter im Sortiment?
Nun, mal schauen. Da haben wir Stabtaschen­lampen, Stirnlampen, Gas­, Benzin­, Petrole­um­, Elektro­, Solar­ oder Kerzenlaternen bis hin zum Knicklicht für die Rave­Night. Dazu kommt dann noch Fahrradbeleuchtung vom Mini­-Rücklicht bis zum Frontflutlicht.

LED war neulich »the next big thing« im Lampenbau, jetzt ist es bereits Standard. Wo liegen die Vorteile?
Bei einer herkömmlichen Glühlampe gehen circa 95 Prozent der Energie als Wärme verloren, eine Mittelklasse-­LED der 100-­Lu­men­ Leistungsklasse hingegen wird in der Regel nicht mehr als handwarm und hat somit einen deutlich besseren Wirkungs­grad. Infolgedessen ist eine LED deutlich sparsamer im Verbrauch, wobei man berück­sichtigen muss, dass bei einigen Hochleis­tungs­-LEDs der Verbrauch aufgrund der hohen Leuchtkraft wieder steigt. Außerdem haben fachgerecht eingesetzte LEDs eine enorme Lebensdauer von über zehn Jahren Dauerbetrieb und sind sehr robust gegenüber Erschütterungen. Die kriegt man eigentlich nur mit dem Hammer kaputt.

Wirklich?
Okay, auch große Betriebshitze mögen sie nicht sonderlich. Eine Bikelampe mit Power­ LED etwa sollte daher auch nur bei voller Fahrt auf voller Leistung leuchten, sonst fehlt der kühlende Fahrtwind und es besteht die Gefahr der Überhitzung.

Welche Lampen gibt es bei Globetrotter?

Michael Neumann Verkaufsberater Maik Linsner (53) ist in Ostberlin aufgewachsen, gelernter Vermessungstechniker und seit Eröffnung der Münchener Globetrotter Filiale 2011 in der Kleinteile-Abteilung mit an Bord. Als leidenschaftlicher Geocacher entlockt er jedem GPS-Gerät die entscheidende Richtung – gern auch nachts im Schein einer guten Stirnlampe.


Gibt es die gute alte Glühbirne noch?
Die ist in der letzten Zeit im Sportbereich komplett vom Markt verschwunden. Nein, Edisons Glühbirne weint keiner mehr eine Träne nach.

Stablampe oder Stirnlampe?
Das ist vom Einsatzzweck abhängig. Bei den meisten Aktivitäten bevorzuge ich eine Stirnlampe. Der Hauptvorteil ist ganz klar, dass man immer die Hände frei hat. Eine Stablampe braucht, wer möglichst weit leuchten will. Apropos Hände frei: Wir haben auch Lampen im Sortiment, deren Fuß magnetisch ist. So kann man sie etwa bei Reparaturen am Auto am Blech befestigen und den Arbeitsraum ausleuchten.

Wer braucht beispielsweise Leuchtweiten von bis zu 250 Metern?
Alle, die nachts schnell bergab fahren mit dem Bike. Downhill-Mountainbiker etwa, die das ganze Jahr über trainieren, und Teil­nehmer von 24­-Stunden-­Rennen. Nicht zu vergessen natürlich Sicherheitsdienste, Feuerwehr oder Rettungskräfte, die jeman­den im Dunkeln finden müssen. Und natür­lich alle, die aus Prinzip die hellste Lampe haben wollen.

Was zeichnet eine gute Taschenlampe noch aus?
Sie sollte verschiedene Leuchtstufen haben, um Augen und Batterien zu schonen. Verschiedene Blinkmodi sind auch nicht schlecht. Es gibt einige, die in einer Einstellung permanent SOS blinken. Und solche, die mit einer Stroboskop­-Funktion ihren Teil zur Verteidigung beitragen und Tiere in die Flucht schlagen sollen.

Rotes Zusatzlicht bei vielen Taschenlampen, wozu?

Wozu dient das rote Zusatzlicht bei vielen Taschenlampen?
Dabei geht es um die Nachtsichtfähigkeit, wenn etwa nur für einen kurzen Moment etwas Licht benötigt wird, verhindert das rote Licht, dass die Augen zu sehr geblendet werden. Die Augen brauchen dann nicht erst wieder ein paar Minuten, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen – das ist gut beim Angeln, Kartenlesen oder Sternegucken. Ich nenne dieses Rotlicht daher auch gern »leises Licht«.

Und die Wasserdichtigkeit?
Einen kleinen Regenschauer überstehen eigentlich alle. Wer mehr will, sollte auf die IP­Schutzklasse achten. IP bedeutet Internati­onal Protection. Gebräuchlich sind Schutzklasse IPX 4 (Spritzwasser) und IPX 7 (Duschen okay, keine längeren Tauchgänge).

Was ist in Sachen Stirnlampe derzeit denn das Nonplusultra in eurem Sortiment?
Die Nitecore HC33 mit ihren 1800 Lumen ist schon ein starkes Stück. Das Gehäuse selbst ist gerade einmal 51 g leicht und besteht aus hart anodisiertem Flugzeugaluminium. Das macht sie staub­- sowie wasserdicht. Scotty, beam me up!

Lichtleistung wird mal in Lumen, mal in Lux und mal in Watt angegeben – wie vergleicht man diese Werte?
Lumen beschreibt die Gesamtlichtmenge, die eine Lampe in alle Richtungen abstrahlt. Lux ist die Beleuchtungsstärke, die eine Fläche aus einer bestimmten Entfernung empfängt, und Watt ist die Leistungsauf­nahme einer Lampe. Diese Angaben können nicht so einfach verglichen werden. Die meisten Hersteller machen ihre Angaben mittlerweile aber einheitlich in Lumen.

Kaufberatung Licht: Batterie oder Akku?

Batterien oder Akkus?
Wer Batterien nimmt, sollte auf alle Fälle solche aus Lithium wählen. Diese sind rund ein Drittel leichter und bis zu dreimal (bei Kälte sogar bis zu sechsmal) ergiebiger als Alkali­-Mangan, besitzen praktisch keine Selbstentladung und lassen sich etwa zehn Jahre lagern. Sie haben das beste Preis­-Leistungs-­Verhältnis unter den Einwegbatterien. Der Nachteil? Wenn Lithium­Batterien zur Neige gehen, dann recht plötzlich. Akkus sind grundsätzlich wirtschaftlicher. In der Stromabgabe nehmen sie sich nicht viel im Vergleich zu Batterien. Beachten sollte man die Selbstentladung während der Lagerung. Im Idealfall Akkus auf Tour immer leerlaufen lassen und erst direkt vor der Tour wieder aufladen.
Mehr und mehr Lampen nehmen einem diese Entscheidung künftig ohnehin ab, denn sie verfügen über einen eingebauten Akku und werden per Mikro­-USB geladen.

Michael Neumann Anfassen, aufsetzen, in der Dunkelkammer ausprobieren – Erlebniseinkauf à la Globetrotter.


Wie ist es um Alternativen bei der Stromversorgung bestellt?
Zuvor aufgeladene Powerbanks sind die mobile Steckdose für unterwegs. An ihnen kann man je nach Akkugröße Lampen, Smart­phones, Tablets und sogar Laptops mehrfach aufladen. Ihr Nachteil: Mit der Leistung steigt auch das Gewicht, 400 Gramm und mehr sind schnell erreicht.

Und wenn der Stromtank leer ist?
Dann kann er an der nächsten Steckdose oder – in der Wildnis wahrscheinlicher – per Solarmodul aufgeladen werden. Hier führen wir diverse Modelle. Diese laden eine dazu passende Powerbank je nach Größe und Sonneneinstrahlung in ein bis zwei Tagen wieder auf – sofern man im Basislager sitzt und die Ausrichtung des Panels zur Sonne im Tages­verlauf hin und wieder optimiert. Geräte direkt am Solarpanel zu laden, empfiehlt sich aufgrund der schwankenden Stromabgabe meist nicht.
Aktuell noch Spielerei, aber bald vielleicht Standard sind tragbare Windräder oder Wasserturbinen, die man in den beständig rauschenden Wildbach neben dem Zelt hängen kann, um Dauerstrom zu erzeugen. Und Reisemobilfahrer schwören längst auf kompakte Brennstoffzellen unter der Sitz­bank für autarke Abenteuer.

Laternen: Licht fürs Lager

Wer noch Platz im Rucksack (Auto, Kanu) hat, kann zusätzlich eine Laterne mitnehmen. Doch welche? 
Zunächst gilt es, sich für das passende Betriebsmittel zu entscheiden. Gas, Benzin, Petroleum, Kerze oder Batterie? Für die Reise mit dem Rucksack eignen sich am bes­ten batterie­ oder akkubetriebene Laternen. Die lassen sich meist noch mal teleskopieren und bieten so ein minimales Packmaß. Etwas heller sind Gaslaternen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es verschiedene Gaskartuschentypen gibt, die unterschied­lich gut verfügbar sind. Wer viel Platz hat, etwa in besagtem Kanu, für den kommt auch eine Benzin­ oder Petroleumlampe in Betracht. Der Vorteil: Sie sind in der Regel noch mal heller, und den Brennstoff gibt’s an der nächsten Tankstelle.

Lars Schneider
Leistungsstarke Stirnlampen verlängern die Bikesaison abseits befestigter Straßen bis weit in den Herbst.


Diese Brennstofflampen geben auch viel Wärme ab, oder?
Ja, das stimmt. Also immer Abstand halten und auf gute Belüftung achten, da bei der Verbrennung von Benzin und Gas nicht nur Wärme, sondern auch giftiges Kohlenmono­xid entsteht. Zelt zu und Benzinlaterne an ist definitiv keine gute Idee.

Gaslaternen leuchten mit einem sogenannten Glühstrumpf. Gibt es den im Wäscheladen nebenan?
Nein, eher nicht. Aber bei Globetrotter. Und immer mehr als einen einpacken, denn ab der ersten Inbetriebnahme reagiert ein Glühstrumpf empfindlich auf Stöße oder Erschütterungen und kann schon mal beim Transport kaputtgehen. Vor Gebrauch muss der Glühstrumpf »abgebrannt« werden. Dabei wird er erst schwarz, dann weiß und er schrumpelt zusammen. Am Ende hat man eine Art Aschegerüst, in dessen Inneren das Gas abbrennt und dabei das Gerüst zum Glühen bringt.

Fahrradbeleuchtung bei Globetrotter

Stichwort Fahrradbeleuchtung. Reicht nicht auch die Stirnlampe?
Nein, zumindest nicht im Sinne der Straßen­verkehrsordnung. Doch fern öffentlicher Straßen kann eine starke Stirnlampe gute Dienste leisten, da sie eben exakt das ausleuchtet, was die Augen fixieren.

Und womit erfreue ich die Hüter des Gesetzes?
Der Paragraf 67 der Straßenverkehrsordnung wurde zum Glück im Juni 2017 auf einen zeitgemäßen Stand gebracht. So gibt es bei­spielsweise keine Dynamopflicht mehr. Und es dürfen auch Akkus und Batterien beliebi­ger Nennspannung verwendet werden, sofern diese zu den Leuchten passt. Auch neu: Die Beleuchtungsanlage darf grundsätzlich abnehmbar sein. Nicht erlaubt sind weiterhin, auch wenn man das oft sieht, blinkende Rückleuchten. StVZO­-konforme Beleuchtung bei uns im Sortiment erkennt man zumeist an der entsprechenden Kenn­zeichnung am Produkt.

Was macht, über die Gesetzmäßigkeit hinaus, einen guten Scheinwerfer aus?
Er muss wasserdicht sein, darf auf keinen Fall andere Verkehrsteilnehmer blenden, und im Idealfall ist er auch von der Seite sichtbar. Ansonsten ist wichtig, dass die Scheinwerfer richtig montiert sind und man den Akkustand im Auge behält. Denn nach an kommt bei Akkus schnell aus – ohne das langsame Nachlassen der Leistung wie bei einer Batterie.

Was hältst du von Zusatzbeleuchtung?
Generell gilt: Je auffälliger, desto sicherer bin ich unterwegs. Es gibt etwa kleine Leuchten mit einer Klettbefestigung, die man oben auf dem Helm platziert. Die finde ich sehr sinnvoll, da sie am höchsten Punkt montiert und dadurch sehr weit sichtbar sind. Es gibt auch Helme, die hinten an der Verstellung eine kleine Lampe fest montiert haben. Eine Stirnlampe macht nur bei Tou­ren außerhalb der Stadt Sinn, wenn ich dort Licht brauche, wo ich hingucke, und nie­manden blenden kann. Nichts davon ersetzt allerdings die gesetzlich vorgeschriebene Beleuchtung am Rad.

Sicher unterwegs, dank umschauendem Fahren

Michael Neumann Gesehen werden: für Bikependler eine Lebensversicherung.

Was kann ich zusätzlich zur Beleuchtung noch tun, um sicher im Straßenverkehr unterwegs zu sein?
Das fängt schon morgens vor dem Kleider­ schrank an. Schwarz in Schwarz oder doch lieber die gelbe Softshelljacke? Zusätzlich erhöht eine reflektierende Sicherheitsweste die Sichtbarkeit enorm. Sehr interessant ist auch die Commuter­Serie von Arc’teryx: bürotaugliche Bikebekleidung mit perfek­tem Schnitt und versteckt angebrachten Reflektoren. Und von Ortlieb gibt es sogar Fahrradtaschen mit dem Namenszusatz High Visibility, die – obwohl schwarz – von Scheinwerferlicht im Ganzen zum Leuchten gebracht werden. Kombiniert mit einer defensiven Fahrweise hat man damit wirk­lich alles richtig gemacht.

Mit einem Höchstmaß an optimaler Ausrüstung ist es aber nicht getan.
Sehr wichtig ist auch eine vorausschauende Fahrweise, besonders im Dunkeln. Man muss immer die möglichen Fehler der anderen mit einkalkulieren. Es nutzt mir nicht viel, wenn ich zwar Vorfahrt habe, aber trotzdem vom Kühler des unachtsamen Autofahrers auf die Hörner genommen werde. Das gilt noch mehr, wenn ich auf einem Pedelec oder S­Pedelec unterwegs bin, die ja immerhin bis 45 km/h schaffen. Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis auch der letzte Autofahrer die erhöhte Geschwindigkeit des anrollenden E­-Bikes »eingepreist« hat.

Nicht nur in Bayern mittlerweile Volkssport: die Skitour nach Feierabend.


Text: Michael Neumann
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