Kaufberatung Kletterseile

Egal ob in der Kletterhalle, beim Felsklettern oder beim Eisklettern – Kletterseile gehören zur Sicherheitsausrüstung für vertikale Abenteuer. Hier beantworten wir dir alle Fragen rund um das Thema Kletterseil.

Inhalt:

Die Auswahl bei Kletterseilen ist groß. Deshalb erklären wir dir hier, wie du das richtige Seil für den richtigen Einsatz findest. Du lernst die Unterschiede kennen, auf welche Normen und Eigenschaften du achten solltest – aber auch wie du dein Kletterseil richtig pflegst, lagerst und wann du es ersetzen solltest.

Was gibt es für Unterschiede bei Kletterseilen?

Wer zum ersten Mal ein Kletterseil kaufen möchte, steht vor einer großen Auswahl. Die verschiedenen Seile haben unterschiedliche Eigenschaften, Längen, Durchmesser, Veredelung und Imprägnierungen. Wir erklären dir, wie du das richtige Seil für den richtigen Einsatz findest.

Grundsätzlich unterscheidet man Kletterseile in drei unterschiedliche Kategorien:

Einfachseil

Grafik: Edelrid

Wer zum ersten mal ein Kletterseil kauft, ist zu 99 Prozent mit einem Einfachseil richtig bedient. Das Einfachseil ist die am meisten verwendete Art von Kletterseil. Damit geht man in der Halle und am Fels zum Sportklettern, aber auch auf Hochtour und zum klassischen Bergsteigen.

Ein Einfachseil wird als Einzelstrang verwendet, das heißt: vom Sichernden führt nur ein Seil zum Kletternden. Dadurch ist das Handling sehr einfach und umkompliziert – man muss nur ein Seil im Blick haben.

Einfachseile haben im Vergleich zu Halb- und Zwillingsseilen einen etwas dickeren Durchmesser. Dadurch liegen sie gut in der Hand und bieten gute Sicherheitsreserven. Anfänger sind mit einem Seildurchmesser zwischen 9,5 und 10,0 Millimeter gut beraten, je nachdem, welches Sicherungsgerät sie verwenden.

Halbseil

Grafik: Edelrid

Halbseile sind eher für etwas erfahrene Kletterer geeignet. Sie haben in der Regel einen dünneren Durchmesser als Einfachseile und man nutzt sie vor allem für Mehrseillängen, alpine Fels-, Eis- oder Mixedkletterrouten. Man benötigt immer zwei Halbseile mit gleichem Durchmesser und gleicher Länge, allerdings in unterschiedlicher Farbe. Diese werden gemeinsam im Doppelstrang verwendet. Dafür müssen sich die Kletterer mit der Doppelseiltechnik auskennen und Sicherungsgeräte verwenden, die für zwei Seile ausgelegt ist.

Wenn man die Technik beherscht, haben Halbseile mehrere Vorteile:

  1. Bei Steinschlag oder Stürzen über scharfe Felskanten ist es unwahrscheinlicher, dass beide Seile zerstört werden.
  2. Um die Seilreibung an Felsen und Zwischensicherungen zu reduzieren, darf man abwechselnd nur das linke oder das rechte Seil einhängen und bekommt so einen schön geraden Seilverlauf.
  3. Beim Abseilen ist man schneller, weil man beide Halbseile einfach zusammenknotet und so die ganze Seillänge wieder hinunter kommt.
  4. In einer 3er-Seilschaft, dürfen beide Nachsteiger an je einem Strang folgen. So kann jeder Nachsteiger in seinem persönlichen Tempo klettern und ist trotzdem optimal gesichert.


Halbseile eignen sich auch als leichte Alternative für Hochtouren. Bei Gehpassagen am Gletscher darf es als Einzelstrang gegen Spaltenstürze benutzt werden. Müssen unterwegs kurze Passagen im Fels oder im steilen Eis gesichert werden, kann man das Seil einfach doppelt nehmen.

Hier findest du Kletterseile mit Halbseil-Norm bei Globetrotter im Sortiment.

Zwillingsseil

Grafik: Edelrid

Zwillingsseile sind vor allem etwas für Experten, weil das Handling nicht ganz einfach ist. Die Seile haben meist einen sehr dünnen Durchmesser, sich sehr leicht und dürfen nur im Doppelstrang benutzt werden – also immer nur zwei Seile parallel. Im Unterschied zu Halbseilen müssen bei Zwillingsseilen immer beide Stränge in alle Zwischensicherungen gehängt werden. Auch Nachsteiger müssen an beiden Enden eingebunden sein. Zwillingsseile werden vor allem beim schweren alpinen Felsklettern, Eisklettern und in Mixedrouten verwendet.

Änlich wie bei Halbseilen hat man in der Praxis durch zwei Seile doppelte Sicherheit bei Steinschlag und an scharfen Felskanten und kann schnell ganze Seillängen abseilen. Auf der anderen Seite sind die Seile sehr dünn und der Umgang will gut geübt sein. Sicherungsgeräte müssen für die dünnen Seildurchmesser geeignet sein.

So erkennst du Einfach-, Halb- und Zwillingsseile:

Ob du ein Einfach-, Halb- oder Zwillingsseil vor dir hast, erkennst du an folgenden Symbolen. Manche Seile sind auch für mehrere Kategorien zugelassen.

Auf der Banderole am Seilende findest du in der Regel Angaben zu Norm, Länge und zum Seiltyp.

Alle dynamische Kletterseile (unabhängig ob Einfach-, Halb- oder Zwillingsseil) sind außerdem durch die Norm EN 892 gekennzeichnet. Du findest die Angaben alle auf der Verkaufsverpackung der Seile, sowie auf den Banderolen am Seilende.

Braucht man für die Kletterhalle ein extra Kletterseil?

Mammut

Nicht unbedingt. Wie beim Sportklettern am Fels, wird auch in der Halle mit Einfachseilen geklettert. Du kannst also in der Kletterhalle theoretisch dein Seil verwenden, das du auch draußen beim Sportklettern benutzt. Wer sehr viel oder sogar ausschließlich in der Halle klettert, sollte aber über ein spezielles Kletterseil für die Halle nachdenken.

Spezielle Hallenseile haben einen höheren Mantelanteil, um häufiges Ablassen und Toprope-Klettern besser zu verkraften. Außerdem brauchen diese Seile keine Imprägnierung und sind deshalb etwas griffiger. In der Halle reicht in der Regel ein 50-Meter-Seil oder sogar kürzer, weil die Routen nicht so lang sind. Alle Kletterhallen schreiben erforderliche Mindestlängen vor, wenn du dir nicht sicher bist, erkundige dich beim Betreiber deiner Kletterhalle.

Der ideale Seildurchmesser für die Halle liegt zwischen 9,5 und 10 Millimetern. Wichtig ist, dass der Seildurchmesser auf dein Sicherungsgerät abgestimmt ist.

Preisvergleich: Ein nicht-imprägniertes Kletterseil von 40 bis 50 Metern für den Einsatz in der Kletterhalle kostet nur die Hälfte von einem schmutz- und wasserabweisend ausgerüstetem 70-Meter-Seil für alpine Einsätze!

Wie lang muss mein Kletterseil sein?

Das hängt vom Einsatzbereich ab. Du solltest immer bedenken: du willst nicht nur hinauf, sondern auch hinunter.

Beim klassischen Sportklettern klettert man eine Route bis zum Umlenker und wird dann meist vom Sichernden direkt wieder abgelassen. Sprich: das Einfachseil muss mindestens (!) doppelt so lang sein wie die Route.

In der Kletterhalle reichen oft 50 Meter (je nach Halle auch kürzer, erkundige dich beim Betreiber der Kletterhalle).

In den meisten Klettergebieten ist man mit einer Länge von 70 Meter gut aufgestellt. Allerdings werden neuerdings zunehmend auch Routen mit 40 Meter Länge eingebohrt – dafür braucht man mindestens ein 80-Meter-Seil. Wie lang das Seil für ein Klettergebiet oder eine bestimmte Kletterroute sein muss, kann man im Regelfall dem Topo oder Kletterführer entnehmen.

Auch die Angaben im Kletterführer können irren: Vergiss niemals, vor dem Abseilen oder Ablassen zur Sicherheit einen Knoten ins Seilende zu machen!

Auf (alpinen) Mehrseillängen-Klettertouren ist man in der Regel mit einem Halb- oder Zwillingsseil unterwegs. Hier kommt man meist mit 2 x 60 Meter aus. Weil man zwei Seile hat, kann man so auch 60 Meter wieder abseilen. Wer etwas mehr Reserve haben will nimmt 2 x 70 Meter.

Du brauchst ein Seil in individueller Länge? Kein Problem bei Globetrotter verlaufen wir auch Seile von der Rolle. Da sind individuelle Längen bis 200 Meter möglich.

Welchen Durchmesser muss mein Kletterseil haben?

Der Seildurchmesser muss auch immer zum verwendeten Sicherungsgerät passen.

Grundsätzlich kann man sagen: Je größer der Durchmesser, desto robuster und schwerer ist ein Kletterseil. Gerade Einsteiger sollten nicht mit zu dünnen Seilen klettern, weil man damit sehr aufmerksam und feinfühlig sichern muss. Die Durchmesser bei Einfachseilen liegen zwischen 8,5 und 11 Millimeter. Gut beraten ist man mit Dicken zwischen 9,5 und 10,0 Millimeter Durchmesser.

Halbseile gibt es in Durchmessern zwischen 7,5 und 9,2 Millimeter. Auch da gilt: je dünner, desto mehr Erfahrung sollte der Kletterer mitbringen. Zwillingsseile gibt es sogar noch dünner, die sind in dem Fall aber ohnehin nur etwas für Profis

Unbedingt klären: Passt mein Sicherungsgerät zum Seil? Viele Sicherungsgeräte sind nur für einen bestimmten Bereich von Seildurchmesser geeignet. Benutzt man sie mit zu dünnen Seilen, ist nicht genug Bremswirkung garantiert. Ist das Seil zu dick, läuft es läuft schlecht oder gar nicht durch das Sicherungsgerät.

Tipp für Kletter-Einsteiger: Für die heutzutage gebräuchlichsten Sicherungsgeräte empfehlen unsere Ausrüstungsexperten Einfachseile mit folgenden Seildurchmessern: Mammut Smart: 9,6 bis 10 Millimeter, Petzl GriGri 9,6 bis 10 Millimeter und Edelrid Jul 9,6 bis 10 Millimeter. Einige der Hersteller geben zwar an, dass auch Seile größeren Durchmessers verwendet werden können, jedoch zeigt unsere Erfahrung, dass dickere Seile, insbesondere wenn sie nach einiger Zeit rau werden, nicht gut durch diese Sicherungsgeräte laufen.

Wie sind Kletterseile aufgebaut?

Bei Kletterseilen handelt es sich um Kernmantelseile aus Polyamid. Wie der Name schon sagt: Ein geflochtener Seilmantel schützt einen Kern aus vielen dünnen weißen Polyamidfasern.

Kletterseile sind dynamische Seile und durch die Norm EN 892 gekennzeichnet. Sie nehmen durch Dehnung einen Teil der Sturzenergie auf und sorgen dafür, dass du bei einem Sturz nicht so hart abgebremst wirst. Damit das funktioniert, werden die Fasern im Seilkern miteinander verdreht und verzwirnt. Man kann sich ein dynamisches Seil grob wie eine Spiralfeder vorstellen, die sich unter Belastung auseinander zieht.

Optische Mittenmarkierung bei einem Petzl-Seil.

Die Hauptlast bei einem Sturz wird von den vielen Fasern im Kern gehalten. Der Mantel ist um den Kern geflochten. Er dient zum Schutz: gegen mechanische Beanspruchung durch Fels und Kanten – aber auch zum Beispiel gegen UV-Strahlung.

Je nach Hersteller sind Kerne und Mantel leicht unterschiedlich aufgebaut. Besonders viel Wert wird darauf gelegt, dass sich Mantel und Kern mit der Zeit möglichst wenig gegeneinander verschieben, weil sonst unerwünschte Verdickungen entstehen können. Die meisten Hersteller kennzeichnen auch die Seilmitte – z. B. durch eine Farbmarkierung oder ein anderes Muster im Mantel).

Weil der Mantel der sichtbare Teil eines Kletterseils ist, sollte man ihn regelmäßig überprüfen. Hat er ein Loch oder Riss und der weiße Kern ist zu sehen, muss das Seil vorsorglich ausgetauscht werden.

Tipp für Felsprofis: Seit Frühjahr 2020 bietet der Hersteller Edelrid erstmals ein sehr schlankes Kletterseil mit schnittfesten Aramidfasern im Mantel an, für noch besseren Schutz an scharfen Felskanten.

In den höheren Preisklassen bekommen viele Seile während der Produktion auch noch eine Veredelung und Imprägnierung. Dadurch bleiben die Seile geschmeidiger, nehmen weniger Dreck auf und saugen sich nicht mit Wasser voll.

Was ist ein Normsturz?

Angaben zur Normsturzzahl und zum Fangstoß findest du auch immer auf dem Artikeldatenblatt der Hersteller.

Mit dem Normsturz testen die Hersteller, was ihre Kletterseile aushalten. Das standardisierte Verfahren wird von der Europäischen Norm EN 892 definiert. Die Angaben lassen sich also zwischen den Herstellern vergleichen. Der Test läuft so ab:

  1. Einfach- und Zwillingsseile werden mit einem 80 Kilo Gewicht getestet. Halbseile mit 55 Kilo Gewicht.
  2. Das Prüfgewicht fällt aus 4,8 Meter Höhe in ein 2,8 Meter langes Seil (für Experten: Das entspricht einem Sturzfaktor von 1,7 und bedeutet für das Seil eine sehr enorme Belastung).
  3. Der Test wird so lange wiederholt, bis das Seil reisst.

Damit Kletterseile die Norm EN 892 erfüllen, müssen sie folgende Zahl an Normstürzen halten

  • Halb- und Einfachseil (als Einfachstrang gestestet): 5 Normstürze
  • Zwillingsseil (im Doppelstrang getestet): 12 Normstürze

Gut zu wissen: So stark wie beim Normsturz-Test wird das Seil beim Klettern eigentlich nie belastet. In der Praxis wird der Fangstoß bei idealem Sicherungsverhalten deutlich abgemildert. Viele Ketterseile halten außerdem mehr als die geforderten Normstürze (siehe Angaben der Hersteller). Dadurch ergibt sich eine große Sicherheitsreserve.

Was ist der Fangstoß?

Der Fangstoß ist der Ruck, den der Kletterer spürt, wenn er ins Seil fällt. Dieser Ruck wird in der Praxis von einer ganze Reihe Faktoren beeinflusst – von der Länge des ausgegeben Seiles (je länger, desto mehr kann es sich dehnen), von der Seilreibung am Fels oder den Zwischensicherungen und auch davon, wie weich (dynamisch) der Sicherungspartner den Sturz hält.

Um die Norm EN 892 zu erfüllen, wird der Fangstoß eines Kletterseils aber unter Laborbedingungen gemessen, das geschieht beim Normsturz-Test. Der Fangstoß ist in dem Fall die Kraft, die während eines Normsturzes auf das Fallgewicht einwirkt. Der gemessene Fangstoß gibt also an, wie gut das Seil die Sturzenergie durch dynamische Dehnung absorbiert.

Bei Einfach- und Zwillingsseilen darf der Wert nicht über 12 kN und bei Halbseilen nicht über 8 kN liegen. Wie hoch der Fangstoß bei einem neuen Seil liegt, steht in den Herstellerangaben.

Wer braucht ein imprägniertes Kletterseil?

Wasserabweisende Imprägnierungen sind für den Einsatz in schlechtem Wetter, Eis oder Schnee (Alpinklettern, Mixedtouren, Eisklettern und Hochtouren) unerlässlich. Nasse Seile werden schwer und können einfrieren – außerdem reduziert sich bei vollgesogenen Seilen die Zahl der Normstürze um bis zu 50 Prozent. Ein komplett durchtränktes Seil trocknet nur langsam und ist unter Umständen am nächsten Morgen noch nicht wieder einsatzbereit.

Für imprägnierte Seile hat die International Climbing and Mountaineering Federation (UIAA) entsprechende Vorgaben gemacht. Dabei dürfen die Seile am Ende eines 15-minütigen-Tests nicht mehr als fünf Prozent Wasser aufgenommen haben. Die meisten Hersteller unterbieten sogar diesen Wert, so nehmen imprägnierte Seile von Edelrid (Pro Dry Ausrüstung) oder Petzl (Guide UIAA Dry Imprägnierung) nur ein bis zwei Prozent Wasser auf.

Ein weiterer Vorteil: Durch eine Imprägnierung nehmen die Seile auch weniger Schmutz auf.

Tipp zum Geld sparen: Seile ohne Imprägnierung sind ein ganzes Stück günstiger. Gerade Hallenkletterer werden ihr Seil so gut wie nicht im Regen nutzen und können hier deshalb gut Geld sparen.

Was sind Veredelungen bei Kletterseilen?

Neben Imprägnierungen erhalten Kletterseile in der Herstellung oft noch andere Ausstattungen oder Veredelungen. Dabei handelt es sich in der Regel um chemische oder thermische Behandungen. Machmal werden Kern und Mantel einzeln behandelt – manchmal auch erst das fertige Seil.

Veredelungen sorgen zum Beispiel dafür, dass die Seile geschmeidiger werden, sie im Gebrauch nicht mehr schrumpfen, sich Mantel und Kern nicht verschieben und dass Krangelbildung vermindert wird.

Ein paar Beispiele aus dem Globetrotter Sortiment:

  • Edelrid veredelt alle Seile mit dem Thermo-Shield-Verfahren. Dabei werden durch thermische Prozesse die Kern- und Mantelgarne aufeinander abgestimmt. Dabei entspannen sich die Fasern im Seil und die Gleiteigenschaften der Garne werden harmonisiert. Das Seil wird geschmeidig, kompakt, schrumpf nicht nach und wird nicht schnell steif.
  • Petzl nutzt das Ultra-Sonic-Finish. Dabei werden Kern und Mantel an den Enden mittels Ultraschall fest miteinander verbunden, um die Haltbarkeit der Seilenden zu erhöhen. Bei der Ever-Flex-Veredelung werden die Fasern durch eine thermische Behandlung stabilisiert. So wird das Seil einheitlicher und liegt dauerhaft besser in der Hand.
  • Ocún behandelt den Seilkern mit dem Core-Thermal-Treatment. Dabei werden einzelne Stränge des Kerns chemisch und thermisch behandelt, um das Zusammenspiel des Kerns und seine dynamischen Eigenschaften zu verbessern. Das Heat-Sheath-Treatment des fertigen Seils ist eine Wärmebehandlung, die für kompakte Flexibilität und angenehme Handhabung sorgt.

Je mehr Veredelungen ein Seil erhält, desto hochwertiger, aber auch teuer wird es. Wer sein Seil viel nutzt, für den machen hochwertige Veredelungen absolut Sinn. Wer erst mit dem Klettern anfängt, oder sein Seil nur gelegentlich nutzt, sollte abwägen, ob er wirklich die Top-Ausstattung benötigt.

Wie pflege ich Kletterseile?

Benutze wenn möglich zum Sport- und Hallenklettern einen Seilsack. So liegt das Restseil beim Sichern nicht im Dreck. Beim Wechsel zur einer anderen Route direkt nebenan ziehst du es so auch nicht durch den Staub. Beim Alpinklettern ist ein Seilsack nicht üblich, aber hier liegt das Seil auch nicht so viel auf dem Boden herum.

Wie du das Seil schön aufnimmst, bekommst du hier im Video erklärt. Vor und nach jedem Einsatz solltest du das Kletterseil einmal komplett aufnehmen und mit Hand und Augen auf Beschädigungen prüfen.

Kletterseile trocknen nur langsam. Falls dein Seil beim Klettern nass geworden ist, breite es abends unbedingt zum Trocknen aus. Feuchte Seile sind nicht nur schwer, sie quellen auch etwas auf und lassen sich dann schwieriger durch das Sicherungsgerät ziehen.

Ist das Kletterseil dann nach einer Weile doch dreckig, kannst du es in der Badewanne oder sogar der Waschmaschine waschen (Schonwäsche, 30 Grad, nicht schleudern). Verwende dafür ein mildes Synthetik-Waschmittel. Anschließend das Seil ein einem dunklen und kühlen Ort (auf keinen Fall in der Sonne) zum Trocknen ausbreiten.

Wo lagere ich ein Kletterseil?

Das trockene Kletterseil lagerst du am besten an einem dunklen, kühlen und trockenen Ort. Möglichst nicht in einer Materialkiste, sondern schön luftig auf einem Regalbrett oder aufgeschossen als Seilpuppe (siehe Video) auf einem Haken. Wichtig ist, dass du das Seil vor Strahlung, großen Temperaturschwankungen und chemischen Einflüssen (Dämpfe, Batteriesäure, etc.) schützt.

Was tue ich gegen Krangel im Kletterseil?

Krangel im Seil erschweren die Handhabung.

Wenn Kletterseile sich wie Korkenzieher eindrehen, nennt man das Krangeln. Das Seil läuft dann nur noch schwer durchs Sicherungsgerät oder die Zwischensicherungen, der Sicherer kann nur schwer Seil ausgeben und so weiter. Krangel bilden sich häufig bei der Nutzung (Seilaufnehmen, Sichern, Seilführung, etc.) oder aber direkt schon durch das falsche Auspacken eines nagelneuen Kletterseils.

Hast du Krangel im Seil (und das wird jedem Kletterer irgendwann passieren), muss du versuchen, das Seil ausdrehen zu lassen. Ein 50 Meter Seil (oder länger) kann man oft nur schwer komplett frei aufhängen, deshalb muss du dir anders helfen.

Folgende Methoden helfen, das Seil krangelfrei zu halten:

  • Seil mehrfach der Länge nach durch die Hand ziehen
  • Beim Sportklettern das Seil nach einer Route immer vom Seilende des Kletterers her abziehen
  • Seil mehrfach durch einen Umlenker in einer Kletterroute durchlaufen lassen (ohne Gewicht)
  • Seil auf einer trockenen (»sauberen«) Wiese hinter dir herziehen

Wie packe ich ein nagelneues Kletterseil aus?

Auf keinen Fall die Packung und Straps aufschneiden und das Seil auf den Boden werfen und losklettern. Das gibt nur einen großen Seilsalat und viele Krangel. Um das zu vermeiden, muss du das neue Kletterseil so abwickeln, wie es beim Hersteller aufgewickelt wurde. Dafür steckst du am besten die Unterarme von links und rechts in die Seilpuppe und wickelst das Seil Umdrehung für Umdrehung ab.

Edelrid hat mit dem 3D Lapcoil ein Wickelverfahren entwickelt, dass du dein neues Seil einfach am vorhergesehen Ende aus der Packung ziehen und losklettern kannst. Alle Edelridseile werden jetzt so ausgeliefert.

Wie lange darf ich ein Kletterseil verwenden?

Das lässt schwer pauschal beantworten. Die Lebensdauer eines Kletterseils hängt davon ab, wie stark und regelmäßig es gebraucht wird und was es während der Benutzung alles aushalten muss.

Sehr oft sind es nicht offensichtliche Beschädigungen, die einen zum Austausch des Kletterseiles bewegen, sondern andere Abnutzungserscheinungen, die dazu führen, dass das Seilhandling leidet. Dazu gehören Seilverdickungen (Kern-Mantel-Verschiebungen) die durch häufiges Toprope-Klettern oder häufiges Stürzen ins Seil entstehen können ebenso wie das Aufrauen (Pelzen) der Manteloberfläche durch Kontakt an rauen Felsen oder Kletterwänden. Beides hat den Effekt, dass die Bedienung mit dem Sicherungsgerät zunehmend mühsamer wird.

Grobe Orientierung:

  • Als obere Grenze geben Hersteller an, dass Kletterseile ohne Benutzung und bei guter Lagerunng etwa zehn bis zwölf Jahre funktionsfähig bleiben.
  • Als untere Grenze geben Hersteller, dass Kletterseile bei sehr intensivem Gebrauch (mehrmals in der Woche, viele Stürze, viel Toprope) schon nach einem Jahr ausgetauscht werden sollte.

Anhand dieser groben Angaben kann man die Lebensdauer seines eigenen Seils einschätzen. Aber: wenn es ganz schlecht läuft, muss ein nagelneues Seil manchmal nach nur einer außergewöhnlichen Belastung ausgetauscht werden. Auf folgenden Anzeichen solltest du dabei achten.

Ein Kletterseil unbedingt austauschen wenn:

  • der Mantel so verletzt ist, dass der Kern zu sehen ist
  • der Mantel stark abgenutzt (pelzig) ist oder sich sehr stark verschieben lässt
  • das Seil deformiert ist (Knicke, steife oder sehr weiche Abschnitte)
  • das Seil mit Chemikalien in Kontakt kam (Säure, etc.)
  • das Seil thermisch stark belastet wurde
  • das Seil sichtbare Schmelzspuren hat (Hitze oder Reibung)
  • außergewöhnlich schwere Stürze gehalten wurde

Was sind statische Seile?

Statische Seile schauen den dynamischen Kletterseilen äußerlich recht ähnlich. Im Unterschied zu dynamischen Kletterseilen sind statische Seile aber so konstruiert, dass sie sich möglichst wenig dehnen. Diese Seile werden zum Beispiel als Fix- und Transportseile auf Expeditionen, bei Rettungsarbeiten, beim Big-Wall-Klettern, für die Höhlenforschung und für Höhenarbeiten verwendet. Statische Seile dürfen unter gar keinen Umständen als Sicherungsseil beim Klettern verwendet werden. Du erkennst statische Seile an der Norm EN 1891, die auf der Banderole am Seilende und auf dem Produktdatenblatt vermerkt ist.

Text: Julian Rohn
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