Kaufberatung Falt- und Schlauchboote

Und plötzlich hat Wasser doch Balken. Mit einem leicht zu transportierenden und daheim gut zu verstauenden Luft- oder Faltboot erschließt du dir eine der reizvollsten Reiseformen: das Wasserwandern auf natürlichen Wegen fern der Zivilisation – und das selbst mitten in Deutschland. Leinen los!

Inhalt:

Platz- und Lagerprobleme sind für viele Möchtegern-Bootsbesitzer ein Grund sich kein eigenes Kajak oder eigenen Kanadier zuzulegen. Enge Kellerabteile und kleine Mietwohnungen sind selten kompatibel mit einem Festrumpfboot. Eine erfreuliche Ausnahme bilden hier klein verpackbare Reiseboote.

Die Bootsrubrik der Reiseboote umfasst klassische Faltboote genauso wie hochwertige Schlauchboote und neuartige Packrafts und Origami-Faltkajaks. Klein zerlegt, passen sie in einen großen Rucksack, in jeden Kofferraum und sogar daheim unters Bett. Platzprobleme kennt ein Reisebootbesitzer nicht.

In unserer Kaufberatung erfährst du alles über die verschiedenen Reiseboot-Typen und ihren bevorzugten Einsatzzweck. Zuvor werden wir auf die wichtigsten Fragen eingehen, die du dir grundsätzlich vor jedem Bootskauf stellen solltest.

Auch im leichten Wildwasser – hier auf dem Tiroler Lech – lässt sich mit leicht transportierbaren Luftbooten viel Spaß haben.

Welcher Bootstyp für welches Gewässer?

Das ist womöglich die wichtigste Frage, die du dir stellen solltest, bevor du dir ein eigenes Reiseboot zulegst. Möchtest du am liebsten auf einem gemütlichen See paddeln oder auf dem weiten Meer? Willst du auf einem breiten Strom dahintreiben oder einen kleinen, lebendigen Fluss entdecken? Welche Gewässer sind in der Nähe deines Wohnortes? Wo möchtest du in Zukunft gerne Urlaub machen? Von der Art des Gewässers und der Tourenlänge (Tagestour oder Mehrtagestour mit Gepäck) hängen Form, Bauweise, Länge und Breite deines künftigen Tourenbegleiters ab. 

Auf einem See ist ein komfortabler, kippstabiler, großräumiger und zuladungsstarker Kanadier oft die beste Wahl. Er ermöglicht es, unterwegs die Sitzposition zu variieren (mal kniend, mal sitzend, selbst ein Kopfstand ist möglich), auch kann man mitten auf dem Wasser die Position im Boot wechseln. Allein bei viel Wind hat er durch seine flächigen Seitenwände und seinen geringen Tiefgang gegenüber eines Kajaks das Nachsehen.

Wer am liebsten auf den für Deutschland so typischen Kleinflüssen paddelt, wählt ein Kajak. Da sie oft gewunden und stellenweise recht flach daher kommen, erweist sich ein kurzes, wendiges Boot mit wenig Tiefgang als vorteilhaft, so dass Grundberührungen die Ausnahme bleiben. Auf Großflüssen wie Rhein, Elbe oder Donau, die sich zudem für Mehrtagestouren anbieten, darf es aber auch gern ein Kanadier sein.

Auf dem Meer brauchst du ein schnelles, wenig seitenwindanfälliges Seekajak mit geschlossenem Oberdeck, das Wind und Wellen trotzt – so wie es einst die Eskimos zur Robbenjagd nutzten. Ein Steuer ist hier zudem obligatorisch, um eine eventuelle Abdrift durch Seitenwind ausgleichen zu können. Andernfalls muss man auf einer Seite überproportional viel paddeln, was einen schnell ermüden lässt.

Aufmerksamkeit verlangt auch die Zuladung. Jedes Kanu braucht eine gewisse Beladung, damit die Unterbodenform ihre Performance voll ausspielen kann. Andererseits darf es nicht überladen werden, sonst wird es träge oder geht gar unter. Wer künftig viel mit Gepäck unterwegs sein will, sollte daher auf eine Extraportion Auftrieb und großzügig vorhandenen Stauraum achten.

Tipps zur Beladung: Mit dem Gewicht des Gepäcks lässt sich dein Boot, insbesondere, wenn es sich um einen Kanadier handelt, trimmen. So verringert Gewicht im Bug die Windanfälligkeit bei Solotouren. Mit dem Gepäck lässt sich außerdem ein Gewichtsunterschied der Paddler ausgleichen.

Wie unterscheidet sich ein Kanu von einem Kajak?

Kanu, Kajak oder Kanadier – da kann man leicht durcheinanderkommen. Dabei gibt es eigentlich keinen Unterschied zwischen einem Kajak und einem Kanu. Kanu ist der Überbegriff der Bootstypen Kajak und Kanadier. In beiden Bootsgattungen sitzt man (im Gegensatz zu Ruderbooten!) mit dem Gesicht in Fahrtrichtung und benutzt ein Paddel (kein Riemen wie beim Rudern) zur Fortbewegung.

Kanadier

Der Kanadier ist ein zumeist offenes und breites Kanu, das sitzend oder kniend mit einem Stechpaddel (eine Paddelfläche) angetrieben wird. Kanadier wurden ursprünglich von Nordamerikanischen Indianern zur Fortbewegung benutzt und bestanden aus einem Holzgerüst und Birkenrinde. Kanadier gelten als die gemütlichen Familien-Vans unter den Kanus. Vom hinteren Sitzplatz wird die Richtung bestimmt – hier sitzt der Steuermann.

Kajak

Im Gegensatz zum Kanadier verwendet man beim Kajak ein Doppelpaddel (zwei Paddelflächen). Kajaks sind in der Regel schmaler, haben meist ein geschlossenes Deck mit Einstiegsluke und sind die sportlich-vielseitigen SUV’s unter den Kanus. Kajaks stammen aus dem Nordpolarmeer. Die schnittigen Jagdgefährte der Inuits bauten selbige aus einem Gerüst aus Holz und Knochen und bespannten sie mit Tierfellen. Die grönländischen »Qajaqs« sind damit die direkten Vorfahren heutiger Faltboote. Die Regel sind Einer- und Zweier Kajaks. Für spezielle Anforderungen und im Wettkampfsport gibt es Kajaks mit bis zu vier Sitzplätzen. Während man allein im Einer die Grundschläge des Paddelns sicher beherrschen sollte, bestimmt bei mehreren Personen an Bord der Hinterste die Richtung.

Der Kanadier wird mit dem Stechpaddel vorangetrieben.
Das Kajak wird mit einem Doppelpaddel angetrieben.

Wieviele Personen sollen Platz haben?

Wenn du alleine paddeln möchtest, ist ein Einerkajak genau das Richtige für dich. Bei einem Einer ist die Gewichtsverteilung genau auf eine Person optimiert. Das bedeutet, du bekommst keine Probleme mit der Trimmung (optimale, ausgewogene Beladung) und musst keine Abstriche bei den Laufeigenschaften deines Bootes machen. Gewicht und Packmaß beschränken sich beim Einer auf das Mindeste, das erspart dir unnötige Kilos an Land und auf dem Wasser. Paddelst du lieber in Gesellschaft, dann kannst du dich auch für ein Zweier-Kajak oder einen Kanadier entscheiden. In diesen Tandem-Kanus finden dein Mittpaddler, Kind oder Hund genügend Platz für ein gemeinsames Abenteuer.

Ein Zweier ist ideal bei ungleichen Kräfteverhältnissen oder wenn dein Mitpaddler wenig Paddelerfahrung hat. (Ansonsten würden sich natürlich auch zwei Einerkajaks anbieten.) Alternativ kannst du einen Zweier auch mit viel Gepäck (=Gewicht) auf dem Vordersitz alleine paddeln. Bei einigen Faltbooten lässt sich der hintere Sitz auch so weit nach vorne Platzieren, dass das Boot als Einer genutzt werden kann.

Noch mehr Platz und Vielseitigkeit bieten 3er-Kanus. Hier packst du deine (Klein)Familie ein, kannst das Boot aber auch vom Mittelsitz aus alleine steuern. Es gibt sowohl Kajaks als auch Kanadier in dieser XL-Version. Ein 3er-Kanu hat genug Tragkraft für 3 Erwachsene oder 2 Erwachsene plus 2 kleinere Kinder (Zuladung beachten!), fällt aber auch dementsprechend größer und schwerer aus. Ausnahme sind Schlauchboote, sie sind auch in XL-Version noch gut handhabbar.

Tagesausflüge oder Mehrtagestouren?

Falt- und Schlauchboote sind extrem vielseitige Freizeitsportgeräte. Du kannst dein Boot für eine kurze, knackige Fitnesseinheit nutzen, gemütlich ein paar Stunden durch die Binsen bummeln oder ganze Urlaube darin verbringen. Die Möglichkeiten sind fast grenzenlos. Dazu solltest du aber auch das passende Boot zu Wasser lassen. 

Ein Reiseboot schluckt mindestens soviel Gepäck wie ein großer Trekkingrucksack – manchmal auch deutlich mehr.

Wenn du nur kurze Tagesausflüge planst, wählst du besser ein leichtes, kompaktes Boot aus. Beachte bei der Auswahl auch Gewicht und Packmaß und bedenke, wie oft du dein Paddelboot tragen musst – aus dem Haus, in die Bahn, vom Auto zum Fluss oder beim Umtragen von Hindernissen auf dem Fluss. Trotz Bootswagen können hier die Arme sonst lang werden.

Bei einem Boot für Tagesausflüge kommt es im Wesentlichen auf eine gute Kombination von geringem Gewicht, Komfort und guten Laufeigenschaften an. Im Kajak sind kleine Gepäckstaufächer für Wertsachen, trockene Kleidung und Brotzeit hilfreich. Im Kanadier nutzt man für den sicheren, trockenen Transport Packsäcke oder Tonnen.

Möchtest du mit deinem Boot Touren über mehrere Tage oder sogar Wochen erleben, dann brauchst du ein größeres Boot (420-550 cm) mit viel Zuladung (über den Daumen 50 kg Extrazuladung pro Personengewicht) und großem Stauraum. 

Als Reiseboot für viele Kilometer am Tag, wähle ein langes und schnittiges Modell. Am besten ein Kanu mit mehr als 450 cm und wenig Kielsprung (beschreibt die Aufbiegung der Spitzen, die dann nicht mehr im Wasser liegen), denn Länge läuft! Willst du es dabei zudem gemütlich angehen oder hast viel zu transportieren (Familie, Gepäck), dann wähle ein Boot mit möglichst breitem, kippstabilem Rumpf (> 70 cm).

Faltboot oder Luftboot, was ist besser?

Falt- und Luftboote sind die gängigsten Vertreter in der Gattung der Reiseboote. Im Gegensatz zu den starren Festrumpfbooten (meist aus Polyethylen oder faserverstärkten Kunststoffen) sind die klein verpackbaren Reiseboote echte Verwandlungskünstler. Klein zerlegt, passt ein Reiseboot in einen großen Rucksack, in jeden Kofferraum und sogar daheim unters Bett. Die mobilen und flexiblen Boote lassen sich problemlos per Bahn oder Flugzeug transportieren. Zudem braucht ein zusammengelegtes Reiseboot kaum Lagerplatz. Du kannst es im Keller, auf dem Dachboden oder in der Garage lagern. Platzprobleme kennt ein Reiseboot nicht. 

Aber was ist nun besser, Falt- oder Luftboot? So einfach ist die Frage nicht zu beantworten, beide Bootsbaukonzepte haben ihre Pros und Contras.

Faltboote

Ein klassisches Faltboot: 18 kg schwer und ein Packmaß von 115 cm x 50 cm und 25 cm.

Faltboote bestehen aus einem zerlegbaren Innengerüst über das eine flexible, wasserdichte und robuste Bootshaut gezogen wird. Mit diesem Konstruktionsprinzip kommen Faltboote recht nah an Form und Fahrverhalten von Festrumpfbooten heran. Moderne Faltboote haben nicht mehr viel mit ihren weichen und relativ schweren Urahnen aus Holzgerüst und Haut aus Baumwolle und Naturkautschuk gemeinsam, sondern sind leichte und vielseitige Hochleistungskanus für unabhängige Paddler. Faltboote sind ideal für längere Touren, wenn Stauraum und Laufeigenschaften eine große Rolle spielen, dann fällt auch die längere Aufbauzeit kaum ins Gewicht. Faltboote gibt es als Kajak oder als Kanadier.

PRO

  • Leichter Transport
  • Einfache Lagerung
  • Sehr gute Laufeigenschaften
  • Relativ formstabil (Paddelenergie führt zu Vortrieb)
  • weniger windanfällig als vergleichbare Luftboote
  • Klassisch-schöne Form
  • mehr Stauraum als Luftboote

CONTRA

  • Relativ lange Auf- und Abbauzeit
  • Im Vergleich zu wertigen Luftbooten weniger robust bei Kontakt mit Hindernissen

Luftboote

Hat nichts mit einem Schlauchboot aus dem Baumarkt zu tun und eignet sich sogar für Wildwasser: der Grabner Adventure.

Luftboote punkten mit ihrer simplen Art. Luftpumpe anschließen, aufpumpen, fertig! Luftboote bestehen aus Bodenluftkammer und Seitenkammern. Komplett mit Luft befüllt, erhalten die Schlauchkanus durch die Anordnung der Luftkammern ihre Form und Steifigkeit.

Luftboote sind dank des gewaltigen Auftriebs in intaktem Zustand praktisch unsinkbar, haben einen sehr geringen Tiefgang und sind äußerst leicht. Formbedingt (flacher, breiter Boden) sind sie sehr kippsicher, allerdings auch relativ langsam und anfällig für Wind – egal ob von vorne, seitlich oder hinten. Auch der Stauraum fällt aufgrund der wulstigen Luftkammern kleiner aus. Luftboote gibt es ebenfalls als Kajak oder als Kanadier. Sie sind ideal für unkomplizierte Familientouren, kleine Flüsse und ruhige Seen und Buchten mit geringer Wassertiefe.

Die meisten Luftboote im Globetrotter-Sortiment haben nur wenig gemein mit den preisgünstigen PVC-Schlauchbooten aus dem Supermarkt. Selbige verfügen oft nur über eine Luftkammer – und geht der die Luft aus, sinkt das Boot mit Mann und Maus. Trotzdem haben auch diese Boote ihre Liebhaber: Gelegenheitsnutzer, die damit auf ruhigen Gewässern in Ufernähe die Seele baumeln lassen wollen.

PRO

  • Leichter Transport
  • Einfache Lagerung
  • Sehr schneller Auf- und Abbau
  • geringes Gewicht
  • Hohe Zuladung
  • enormer Auftrieb
  • kentersicher
  • gutmütige Fahreigenschaften

CONTRA

  • wenig formstabil, verhindert präzise Fahrweise
  • windanfällig
  • langsam
  • kleiner Innenraum
  • weniger Stauraum als vergleichbare Faltboote

Gibt es weitere Bootstypen, die man auf dem Zettel haben sollte?

Unbedingt. Denn im Globetrotter Sortiment finden sich weitere pfiffige und interessante Lösungen …

Hybridkanus

Hybridkanus – allen voran die Scubi-Serie von Nortik – vereinen die Vorteile von Falt- und Luftbooten. Die Hybrid-Technik kombiniert ein minimales Gestänge, das dem Unterboden Form und Stabilität verleiht, mit seitlichen Luftkammern. Die großen Vorteile sind ihr geringes Gewicht und Packmaß, sowie die im Vergleich zum Luftboot optimierten Laufeigenschaften. Zudem erweiteren ein optionales Verdeck mit eingearbeitetem Süllrand, eine Spritzdecke und ein nachrüstbares Steuer den Einsatzbereich in Richtung wilder oder weiter. Hybridboote punkten mit ihrer Flexibilität und Vielseitigkeit und erfreuen sich daher immer größerer Beliebtheit.

PRO

  • Schnell einsatzbereit
  • Bessere Laufeigenschaften als ein Luftboot
  • Leicht
  • Günstiger Preis
  • Bester Kompromiss aus guten Laufeigenschaften und leichtem Gewicht
  • Kleines Packmaß

CONTRA

  • Kleiner Innenraum im Vergleich zum Faltboot, aber größer als bei einem Schlauchboot
Luftboot meets auf ein Mindestmaß reduziertes Gestänge – fertig ist das Hybridkanu.

Pack-Rafts

Pack-Rafts sind kleine, ultraleichte (Es gibt Modelle mit weniger als 3 kg Gewicht.) Hochleistungsschlauchboote, die extrem kompakt am oder im Rucksack verstaut werden können. Du kannst flussaufwärts wandern und mit dem Pack-Raft gemütlich zurück paddeln. Für den Aufbau brauchst du keine Pumpe, es reichen ein federleichter Befüllsack oder die eigene Puste. Das eröffnet dir ganz neue Tourenmöglichkeiten.

PRO

  • Ultraleicht (ab 2,8 kg)
  • minimales Packmaß
  • Extrem schnell einsatzbereit
  • Sehr robust
  • Hohe Kippstabilität

CONTRA

  • durch kurze Wasserlinie eher schlechte Laufeigenschaften
  • nur eine Luftkammer, keine Reserven bei Defekt

Origami-Faltkajaks

Origami-Faltkajaks sind innovativen Reisekajaks, die aus einer einzigen, vorgefalteten Platte gefertigt sind. Sie lassen sich in Windeseile aufbauen – wie ein Papierschiffchen. Die ungewöhnlichen Faltkajaks haben ein flaches Packmaß und sind mit etwas Übung in 5 Minuten aufgebaut. Die recht formstabilen Boote punkten im Vergleich zu Schlauchboot mit ordentlichen Fahreigenschaften und sind ideal für gelegentliche Kanutouren auf ruhigen Gewässern.

PRO

  • Einfacher Aufbau, so sehr schnell einsatzbereit
  • Geringes Gewicht
  • Flaches Packmaß
  • Ordentliche Fahreigenschaften im Vergleich zum Schlauchboot.

CONTRA

  • Eingeschränkte Formgebung, so sind momentan nur Einer-Kajaks auf dem Markt
  • Windanfällig

Papierschiff in XXL – das Faltkajak

Pakayak

Eine absolute Neuheit im Globetrotter Sortiment ist das Pakayak. Es kombiniert die Vorteile eines Festrumpfbootes (maximale Robustheit, präzise Fahreigenschaften, guter Gradeauslauf, bester Bootskontakt) mit denen eines Reisebootes. Allein für einen längeren Transport im ÖPNV ist es mit 28 Kilogram eine Spur zu schwer.

PRO

  • Präzise Fahreigenschaften
  • Unkomplizierter, schneller Aufbau
  • Braucht viel weniger Lagerfläche als ein Festrumpfboot
  • Sehr robust

CONTRA

  • hohes Gewicht im Vergleich zu klassischem Falt- und Luftboot
  • Formgebung durch Stapelbarkeit eingeschränkt
Hier sagt ein Bild wirklich mal mehr als tausend Worte: das Pakayak.

Aus welchen Materialien bestehen Falt- und Luftboote?

Die wichtigsten Konstruktionselemente bei einem Faltboot sind Gerüst und Bootshülle. Gängige Materialien für ein Faltbootgerüst sind Holz oder eloxiertes Aluminium. Ein Holzgerüst besteht meist aus zähem, aber elastischem Eschen- und/oder Birkenholz. Das lackierte Holz gibt dem Gerüst eine gute Formsteifigkeit, ist ökologisch neutral und verleiht einem Faltkanu eine klassisch schöne Optik und Haptik.

Die Nachteile von Holz sind das etwas höhere Gewicht, Empfindlichkeit gegen Nässe (bei Lackschäden) und die aufwändigere Verarbeitung. Ein Alu-Gerüst hingegen ist leicht, steif, kleiner stückelbar und günstig im Preis. Rund 90 % aller Faltboote sind heute mit einem Alu-Gerüst ausgestattet (im Globetrotter Sortiment 100%). Die Faltboothaut besteht aus einem robusten, wasserdicht beschichteten Gewebe, das sich vor allem durch geringe Dehnung, sowie Reiß- und Durchstichfestigkeit auszeichnet. Je nach Marke kann das eine extrem robuste PVC- und PU-Mischung oder bei traditionellen Herstellern ein Mix aus Kautschuk und Hypalon sein.

Luftboote werden meist aus reißfestem und strapazierfähigem Polyestergewebe gefertigt, das beidseitig mit einer Gummierung beschichtet ist. Diese Bootshäute punkten mit Elastizität, Langlebigkeit, Witterungsbeständigkeit, Robustheit und höchster Luftdichtheit. In letzter Zeit wird zudem die Verwendung von Drop-Stitch-Luftkammern immer populärer. Bei dieser sind die Innenwände der Kammern gegenläufig mit vielen tausenden Fäden verbunden, woraus eine höhere Steifigkeit resultiert.

Hybridboote werden aus einem Aluminum-Gestänge und einer Außenhaut aus reißfestem PVC gefertigt. Die Luftkammern

Pack-Rafts bestehen aus ultraleichtem und sehr abriebfestem TPU (thermoplastisches Polyurethan).

Wie robust sind Reiseboote?

Falt- und Luftboote sind keine empfindlichen Liebhaber-Boote für Traditionalisten, sondern moderne Sportgeräte für den Alltagseinsatz. Paddelpioniere haben in Faltkajaks den Atlantik überquert, die Meere der Antarktis durchkreuzt und viele Wildwasser in allen Gebirgen unserer Erde erkundet. 

Die gummierten und reißfesten Bootshäute sind weniger empfindlich als man vermuten könnte. Sie vertragen gelegentlichen Stein- und Felskontakt meist ohne größeren Schaden, vor allem da die flexible Bauart der Reiseboote bei einem Zusammenprall mit Felsen leichter nachgibt und Stöße auffangen kann. Diesen Vorteil haben vor allem Luftboote, die dank ihres Auftriebs, ihrer Unsinkbarkeit und des geringen Tiefgangs gut geeignet für leichtes Wildwasser sind. Einen Felsaufprall steckt ein hochwertiges Luftboot sogar besser weg als manches eigens dafür konstruierte Wildwasserkajak mit festem Rumpf. 

Bei Faltbooten ist das Gerüst der kritische Punkt. Starke Krafteinwirkung kann beim Gestänge zu irreparablen Schäden führen. Zum Vergleich: Liegt ein Schlauchkanu in voller Strömung quer vor einem Hindernis, kann es nachgeben und sich zusammenfalten. Nach der Bergung faltet sich das Schlauchboot in der Regel wieder von alleine auf. Ein Faltbootgerüst hält diesem Druck unter Umständen nicht stand und wird brechen. 

Grundsätzliche Vorsicht ist geboten bei spitzen Hindernissen: Metallteile und Glasscherben an Land und im Wasser, aber auch scharfe und spitze Felsen oder Äste mögen die Bootshäute aller Reiseboote nicht. Hier besteht die größte Gefahr einer Beschädigung. Immerhin: Kleinere Schäden an Gerüst oder Boothaut kannst du mit dem meist mitgelieferten Reparaturmaterial sogar unterwegs kleben, abdichten oder reparieren.

Wie pflege ich mein Reiseboot?

Nach der Benutzung im Salzwasser sollte man sein Reiseboot (vor allem jene mit Alugestänge) immer mit Süßwasser spülen.

Schütze dein Boot unterwegs wann immer möglich vor dauerhafter UV-Strahlung, denn sie schadet deinem Boot vermutlich mehr als jeder Stein und Fels. Feuchtigkeit und Schmutz mag dein Kanu auch nicht, daher verstaue es immer trocken und gereinigt. Lasse es dazu nach Gebrauch immer vollständig abtrocknen. Dauerhafte Feuchtigkeit und Schimmel ruinieren auch die robusteste Bootshaut. Du kannst das Boot verpackt oder aufgebaut lagern. Die Holzteile eines Holzgerüsts sollten gelegentlich neu lackiert werden. Sand und Schmutz können die Schutzschicht des Bootslacks beschädigen und somit kann Feuchtigkeit ins Holz eindringen. Wenn du dein Boot in Salzwasser verwendest, spüle es nach Gebrauch mit Süßwasser ab.

Hat dein Faltboot ein Alu-Gerüst, dann solltest du das Aluminium mit einem Korrosionsschutz-Spray vor Schäden durch Salzwasser schützen. Du kannst die gereinigte Bootshaut deines Falt- oder Luftbootes regelmäßig mit einem Pflegemittel behandeln, dann bleibt das Material langfristig elastisch, sowie geschützt vor UV-Strahlen und Salzwasser.

Die Lagerung sollte über längere Zeit nicht im aufgebauten Zustand erfolgen, da insbesondere bei Faltbooten die Haut »ausleiert« und an Spannung verliert. Nochmals: Es ist ganz wichtig, dass alle Teile des Boots komplett trocken sind und der Lagerraum eine nicht zu hohe Luftfeuchtigkeit besitzt. Die Bootshaut sollte zur Lagerung locker zusammengelegt werden. Einige Bootshersteller empfehlen bei langer Lagerung in die Knickstellen Papprollen zu legen, so dass sich keine »spitzen« Knicke ergeben.

Wie lange dauert es, ein Reiseboot aufzubauen?

Gutes Warm-up: das Aufpumpen von Schlauchbooten geht in 5 bis 10 Minuten vonstatten, erfordert aber etwas Kraft und Ausdauer.

Ein Reiseboot fahrtüchtig aufzubauen ist kein Hexenwerk, aber ein wenig Zeit und Übung musst du trotzdem vor dem Start einplanen. Je nach Konstruktion dauert der Aufbau zwischen 3 und 45 Minuten.

Besonders simpel sind Luftboote: Auspacken, Pumpe anschließen, aufpumpen, Sitzbretter befestigen, fertig! Das dauert, je nach Anzahl der Luftkammern und Größe des Boots ungefähr 5-10 Minuten, selbst wenn du nicht täglich ins Fitness-Studio gehst. Noch schneller ist dein Pack-Raft im Wasser. Aufgrund der kompakten Ausmaße und des geringeren Luftvolumens kannst du dein Ultraleicht-Schlauchboot mit einem Pumpsack in 3-5 Minuten fahrbereit aufpumpen. 

Für den Aufbau eines Faltkanus braucht es schon einen guten Plan. Je nach Modell musst du erst das Gerüst in 2 Hälften aufbauen, um es dann innerhalb der Bootshaut zusammenzufügen. Oder dein Kanu wird nach dem »Cocktailkleidprinzip« aufgebaut. Dann steckst du das Gerüst außerhalb der Bootshülle komplett zusammen, schiebst es vollständig in die Haut und verschließt auf dem Achterdeck einen Reißverschluss. Der vollständige Aufbau kann, je nach Training, Erfahrung und Modell, 20-45 Minuten dauern. Vor deiner ersten Tour solltest du auf jeden Fall zu Hause einen ganz entspannten Probeaufbau einplanen und dich dabei strikt an die Aufbauanleitung halten.

Eine Ausnahme machen die Origami-Faltkajaks. Das clevere Konstruktionsprinzip verkürzt die Aufbauzeit auf weniger als 5 Minuten. Noch schneller geht es nur mit dem Pakayak Steckboot.

Irgendwo dazwischen liegt der Aufbau eines Hybrid-Kanus, denn es kombiniert die Vorteile von Falt- und Luftboot. Dank Luftkammern und minimalem Gerüst machst du ein Hybrid-Kanu mit wenigen Handgriffen in 10-15 Minuten startklar.

Wie transportiere ich mein Reiseboot?

Selbst ein großes Reiseboot passt zusammengelegt in jeden Kofferraum, bei umgeklappter Rückbank sogar in einen Kleinwagen. Die Montage eines Dachgepäckträgers kannst du dir sparen, ebenso wie das anstrengende Hochwuchten des Kanus aufs Autodach. Du brauchst nicht einmal ein eigenes Auto zum Verreisen. Reiseboote machen dich noch unabhängiger.

Du kannst dein Reiseboot in Bus, Bahn oder Flugzeug mitnehmen. Viele Fluggesellschaften nehmen dein Kanu im Sack problemlos und kostengünstig als Sportgepäck mit, während du mit einem langen Festrumpfboot vermutlich an den strikten Gepäckbestimmungen vieler Airlines scheitern würdest. Ein Reiseboot musst du aber nicht unbedingt gleich nach jeder Kanutour wieder abbauen. Wenn du mit Boot und Auto in den Urlaub fährst, kannst du das Kanu auch eine Zeit lang aufgebaut lassen und es mit dem Auto von Ort zu Ort transportieren, sofern du einen Dachträger dabei hast.

Wo kann ich mein Wunschmodell testen?

In der Globetrotter Filiale Hamburg kannst du nach Voranmeldung dein Wunschmodell direkt auf der Alster paddeln, es steht eine große Testflotte zum Probefahren bereit. In den Erlebnisfilialen Köln, München und Dresden kannst du Reiseboote vor Ort in der Kanuabteilung im Kanu-Testbecken ausprobieren. Einfacher geht es nicht. Ab Frühjahr 2021 findet in den Städten Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln, Dresden, Stuttgart und München wieder unser Outdoor-Testival, die Freiluft statt. Dort hast du die Möglichkeit, dir selbst ein Bild zu machen und die Reiseboote direkt miteinander zu vergleichen. Für den Fall der Fälle sorgt dort dann auch die Wasserwacht für Sicherheit. Nur Wechselkleidung musst du selbst mitbringen.

Was kostet ein Reiseboot?

Die Preisspanne und das Angebot von Reisekanus ist groß. Du bekommst schon für 399 € ein kleines Einer-Schlauchkajak wie das Gumotex Twist 1 für kurze Touren auf Seen und ruhigen Flüssen. Du kannst aber auch 3000 € und mehr investieren und bekommst ein expeditionstaugliches Hochleistungs-Sportgerät wie den Nortik Navigator (2.999 €), ein schlankes Expeditionsfaltkajak für Gepäcktouren auf Großgewässern oder den schnittigen Luftboot-Zweier Grabner Escape 2 (3.300 €) für ausgedehnte Mehrtagestouren. Ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis findest du bei Hybrid-Kanus, wie zum Beispiel aus der Scubi-Serie. Den Nortik Scubi 1 bekommst du als günstiges Komplett-Sett mit Pack(ruck)sack, Spritzschürze, Deckbeleinung, D-Ringe, Luftpumpe und Reparaturset für 649,00 €. Und nicht verpassen: die praxistauglich ausgestatteten Globetrotter Jubelpakete sind für Kanu-Einsteiger ein richtig guter Deal!

Wo kann ich paddeln?

Deutschland einig Kanuland – die Führer aus dem Thomas-Kettler-Verlag decken nahezu die komplette Republik ab.

Deutschland ist ein wahres Paddel-Paradies. Über die gesamte Republik verteilt gibt es für Kanufahrer über 20.000 Kilometer befahrbare Gewässer. Seen, Flüsse und einige geeignete Küstenabschnitte warten darauf, erkundet zu werden.

Viele Kanutouren liegen mitten in den schönsten Gegenden Deutschlands und auch entlang der Ufer wartet viel Sehenswertes auf den Kanuwanderer. Anregungen und gute Tipps zur Tourenplanung findest du ganz analog und handfest in den Buchabteilungen unserer Filialen oder in unserem Onlineshop. Es gibt Wassersportkarten (z.B. vom Jübermann Verlag) und Kanu-Führer (etwa aus dem Thomas-Kettler-Verlag) von nahezu allen wichtigen Paddelrevieren Deutschlands. Auf der Homepage des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV), dem weltweit größten Kanusport-Verband, findest du wichtige Informationen zu Tourenplanung, Sicherheits-Tipps und Gewässerinfos, ebenso Adressen von Kanu-Vereinen in deiner Nähe, falls du lieber in erfahrener Gesellschaft paddeln möchtest. Weitere hilfreiche Tipps und zahlreiche Gewässerinfos findest du unter faltboot.org

Welche Ausrüstung brauche ich noch zum Paddeln?

So wichtig wie die richtige Wahl des Kanus ist die Wahl des Paddels. Das Paddel – egal ob Stech- oder Doppelpaddel – garantiert deinen kraftsparenden Vortrieb. Sparst du beim Paddel, wird auch dein Fahrspaß schnell schwinden. Und merke: je leichter ein Paddel, desto besser, denn dieses hebst und senkst du auf Paddeltour viele tausend mal. Für Kajaks sind teilbare Paddel sehr empfehlenswert, sie lassen sich besser verstauen. 

Ohne Schwimmweste solltest du nicht in ein Kanu steigen, selbst wenn du glaubst, ein guter Schwimmer zu sein. Es kann jederzeit etwas Unvorhergesehenes passieren. Bei starker Strömung, bei Wellen, Gezeiten und Kälte ist eine Schwimmweste ein »Muss«! Eine Schwimmweste sorgt für Auftrieb und Sicherheit bei einer Kenterung. Und sie verschafft dir Reserven und Handlungsfreiheit, wenn du nach einer Kenterung anderen helfen musst.

Viele Reiseboote haben ein offenes Oberdeck. So kann man leicht einsteigen, einfach Gepäck verstauen und bekommt beim Paddeln auch braune Beine. Wenn es jedoch etwas rauer wird, sei es durch Wind, Wellen oder Wildwasser, läuft das Boot schnell voll. Dagegen helfen geschlossene Decks, die man nachträglich auf dem Boot befestigen kann. Die verbleibende Sitzluke, durch die man ein- und aussteigt, schließt man wiederum mit einer Spritzdecke. Diese trägt der Paddler wie eine Art Rock und sobald man im Boot sitzt, stülpt man das eingelassene Rundgummi über das im Verdeck eingelassene Süllrandprofil.

Eine große, aber oft vernächlässigte Paddlerweisheit lautet »Dress for water, not for air«. Denn dein Kreislauf interessiert es nicht, wenn du im 8 Grad kalten Fluss um dein Leben schwimmst, dass die Luft 25 Grad warm ist. Trage daher immer einen passenden Kälteschutz, wenn du nicht gerade im Hochsommer bei Badewasser-Temperaturen paddelst. 

Auch vor zu großer Sonneneinstrahlung solltest du dich im Kanu schützen. Auf offenen Wasserflächen bist du der Sonne schutzlos ausgeliefert. Trage Sonnenschutz (Hut & Shirt), creme freiliegende Hautpartien ein und versorge dich mit ausreichend Trinkwasser.

Es gibt viel weiteres Wassersportzubehör, das den Kanualltag leichter macht: Bootswagen erleichtern Portagen, leistungsfähige Pumpen das Aufblasen von Luftbooten, wasserdichte Packsäcke schützen dein Gepäck und deine Wertsachen, Sitzkissen sorgen für Komfort, Spritzschürzen schützen dich vor Spritzwasser und mit einer Lenzpumpe kannst du Wasser aus deinem Kanu pumpen. In unserem Online-Shop und den Wassersport-Abteilung findest du noch viel mehr praktische Helferlein. 

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