Kanutipp Hamburg: Alster

Michael Neumann
13 Kilometer, 1 Tag: Flotte Flusstour durch ungeahnt schöne Natur – auf dem spritzigen Wiesenbach in die Stadt hinein.

Die Quelle der Alster liegt in Schleswig-Holstei­n. Von dort aus sind es nur 25 Kilometer Luftlinie bis zu ihrer Mündung in die Elbe an der Schaartorschleuse. In Wirklichkeit schlängelt sich der Fluss aber über 60 Kilometer durch die Landschaft. Oberhalb von Naherfurth, das direkt an der B432 liegt, ist ein Befahre­n des Flusses aus Naturschutzgründen verboten, so dass etwas mehr als 40 schöne Paddelkilometer übrig bleiben. Bei guten Wasserständen kann man auch direkt ab Naherfurth starten.

Wir entscheiden uns aber trotz guter Wasserstände für eine etwas kürzere Strecke und setzen erst direkt hinter der Wulksfelder Schleuse ein. Schnell zieht uns die Alster in eine verträumte Waldlandschaft hinein. Jetzt im Frühjahr ist hier noch nichts los und die Reh­e am Ufer gucken verwundert, als sie die bunten Boote im Fluss vorbeitreiben sehen. Bedingt durch die frühe Jahreszeit taucht der ein oder andere Baumverhau auf, den wir meist mit etwas Schwung und dank des hohen Wasserstands überpaddeln können. Später im Jahr sind diese Hindernisse in der Regel verschwunden. Mittlerweile haben wir die Landesgrenz­e nach Hamburg passiert.

Landschaftlich bleibt die Alster aber zunächst sehr naturnah. Bei Hamburg-Duvenstedt kommen wir an die Wohldorfer Schleuse. Hier halten wir uns auf der rechte Flussseite. Dort finden wir eine Rollbahn, auf der sich die Boote eine Etage tiefer befördern lassen. Von hier aus ist die Alster ganzjährig auch bei niedrigeren Wasserständen befahrbar. Die etwas breiter gewordene Alster mäandert jetzt durch alte Mo­ränenwäll­e, die die Gletscher bei der letzten Eiszeit zurückließen. Hier im Rodenbeker Quellental kann man sogar die Überreste eines glazialen Eisstausees entdecken. Wesentlich offensichtlicher aber sind die schönen Buchenwaldbestände an den Ufern.

Für die Entwicklung von Hamburg spielte die Alster eine wichtige Rolle. Um Rohstoffe wie Holz und Kalk zu befördern, wurde der Fluss mit zahlreichen Schleusen ausgebaut. Die Mellingburger Schleuse, die nun direkt vor uns liegt, ist ein Überbleibsel aus jener Zeit. Hier wurden mit einer Schleusung Dutzende Lastkähne auf die nächste Ebene entlassen. Im schlimmsten Fall mussten die Schiffer drei Tage warten, um weiterzukommen, denn so lange soll es gedauert haben, bis das riesige Becken vollgelaufen war.

Wir haben es heutzutage einfacher und können am linken Ufer anlegen und die Boote leicht auf die andere Seite bugsieren. Eine Weile bewundern wir aber noch die wasserfallartige Wehrkrone, ehe wir wieder am Paddel ziehen. In einer großen Schleife windet sich die Alster erneut durch hügeliges Geländ­e, ehe sie in einen kleinen Stausee übergeht. Wir habe­n das Glück, Eisvögel zu beobachten, die hier aller­dings wesentlich früher davonfliegen als jene, die wir in der Innenstadt angetroffen haben. Rechts an der Poppenbüttler Schleuse beenden wir unsere heutige Reise, denn hier können wir ohne Mühe aussetzen. Die nächste S-Bahn ist fußläufig in fünf Minute­n zu erreichen und die Autorückholung in Kombination mit einer Busfahrt ein Kinderspiel.

Wer mag, kann weiter auf der Alster bis mitten in den Stadtkern hinein paddeln. Bis zur Fuhlsbüttler Schleuse bleibt der Flusslauf auch noch relativ natür­lich. Erst in ihrem weiteren Verlauf ergibt sich die Alste­r dem Drängen der Großstadt und führt als Kana­l bis in die Außenalster.


Info: Tagestour auf der Alster

Charakter: Flotte Flusstour durch ungeahnt schöne Natur. Der Oberlauf der Alster ist das absolute Gegenteil zur Elbe: ein kurviger Kleinfluss, umrahmt von einem grünen Vegetationstunnel.

Beste Zeit: Von Anfang April bis in den Oktober.

Einstieg: Wulksfelder Schleuse. (Auto dort stehen lassen).

Ausstieg: Poppenbüttler Schleuse

Umsetzen: Mit S-Bahn und Bus zurück.

Gefahren: Obere Alster: Hier sind vor allem im Frühjahr noch Hindernisse in Form von quer liegenden Bäumen zu erwarten. Gesunde Vorsicht vor den Wehren ist anzuraten.

Besonderheiten: Der Alsterlauf hat etwas Strömung. Zu beobachten sind jede Menge Wasservögel (Enten, Schwäne, Gänse, Haubentaucher, Kormorane bis hin zum Eisvogel).
Verleih/geführte Touren: www.bootsvermietung-dornheim.de


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Text: Globetrotter
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