Kanutipp Berlin: Treptower Spree-Landwehrkanal

Michael Hennemann
Circa 25 Kilometer, 1 Tag: Auf dem blauen Band der Hauptstadt steht mal nicht die Naturidylle im Vordergrund, sondern das Entdecken der Metropole vom Wasser aus.

Berlin, Berlin, ich paddle nach Berlin« kommt es mir in den Sinn, als ich mein Kajak am Steg der Köpenicker Kanute­n im Ortsteil Oberschöne­weide zu Wasser lasse. Hinter der Abzweigung des Britzer Verbindungskanals werden die Ufer grüner und vor den Gartenlauben und Wochenendhäusern dümpeln in der Sonne weiß leuchtende Motorboote. Am linken Ufer zieht der Plänterwald vorüber, ein 89 Hektar großes Waldareal mitten in der Stadt.

Nachdem das Heizkraftwerk Klingenberg sowie das Zementwerk Berlin mit seinen grauen Schloten und Türmen hinter mir liegen, biege ich vor dem Rummelsburger See nach links ab. Die Insel, die voraus die Spree teilt, ist in vielen Karten und Stadtplänen noch als Insel der Jugend bezeichnet, heißt seit 2010 aber offiziell Insel Berlin. Vorbei am Segelschiffrestaurant Klipper, von dessen Wasserterrasse man den grandiosen Blick auf die Abteibrücke genießen kann, paddle ich unter dieser hindurch.

Linker Hand erstreckt sich nun mit dem Treptower Park ein beliebtes Naherholungsgebiet, und da das Ufer flach ist, bereitet der Landgang keine Probleme.

Kanuliebe, Berlin

Ab der vor mir liegenden Oberbaumbrücke, einem eindrucks­vollen Beispiel für den märkischen Backsteinstil, ist die Spree tabu und ich biege hinter dem nächsten Restaurantschiff, der »MS Hoppetosse«, und dem Badeschiff, einem schwimmenden Pool samt Sandstrand und Open-Air-Bar, ganz in der Tradition der Flussschwimmbäder der Jahrhundertwende, nach links ab und erreiche über die Oberschleuse den Landwehrkanal.

Etwa einen Kilometer hinter der Schleuse zweigt nach links der Neuköllner Kanal ab. Zur Linken wird der Landwehrkanal nun vom Maybachufer begleitet, das jeden Dienstag und Freitag zur Bühne für den zweitgrößten Berliner Wochenmarkt wird.

Am rechten Ufer begleitet mich bald die durch das gleichnamige Musical bekannt gewordene U-Bahn-Linie 1, einst von Siemens als erste Hochbahn Berlins gebaut, bis zum Deutschen Technikmuseum, über dem ein Rosinenbomber vom Typ Douglas C-47 B schwebt.

Das Ufer wird nun wieder etwas flacher und rechter Hand erreichen die südlichen Ausläufer des Potsdamer Platzes den Kanal. Er verkörpert wie kaum ein anderer Ort in Berlin den Quantensprung von der geteilten Stadt zur Metropole mit Weltruf.

Nun ist Berlin-Tiergarten erreicht, seit 2001 ein Ortsteil im Bezirk Mitte, und das Ziel der Tagestour nicht mehr weit. Entlang des grünen Salz- und Einsteinufers gelange ich zur Wasserkreuzung von Landwehrkanal, Spree und Charlottenburger Verbindungskanal. Hier halte ich mich rechts und paddle spreeaufwärts vorbei an modernen Bürogebäuden, Hochhäusern sowie einladenden Cafés, Gaststätten und Restaurantschiffen, deren Besuch ich mangels Anlegemöglichkeiten für nach der Tour aufhebe. Zum flachen Ufer hinter dem Wullenwebersteg geht es zurück, wo wenige Meter entfernt schon mein Auto wartet, das ich hier vor Tourbeginn geparkt habe.


Info: Paddeln in der Hauptstadt

Charakter:  Diese Tagesfahrt bietet ein Kanuerlebnis der besonderen Art, denn es steht einmal nicht die Naturidylle im Vordergrund, sondern das Entdecken der Metropole Berlin vom Wasser aus – eine Perspektive, die kein Stadtrundgang bieten kann und die man so schnell sicher nicht wieder vergessen wird.

Beste Zeit:  Ganzjährig.

Sehenswürdigkeiten:  Industriearchitektur in Oberschöneweide, Sowjetisches Ehrenmahl und Archenhold-Sternwarte im Treptower Park, Oberbaumbrücke im märkischen Backsteinstil, Deutsches Technikmuseum, Neue Nationalgalerie, Potsdamer Platz, Zoologischer Garten, Regierungsviertel. 

Befahrungsregeln:  Das Paddeln auf der Spree ist im Bereich von historischer Innenstadt und Regierungsviertel untersagt (Flusskilometer 20,7 bis 14,1, d. h.: Oberbaumbrücke – Kanzleramtssteg).

Anreise: Stadtautobahn A100 bis Ausfahrt 26 Grenzallee, dann stadteinwärts über Grenzallee, Dammweg, Köpenicker Landstraße (B96a), Karlshorster Straße, Wilhelminenhofstraße und Ostendstraße auf die Weiskopffstraße.

Einstieg:  Auf dem Gelände des Köpenicker Kanusportclubs, Weiskopffstr. 15, Stadtteil Oberschöneweide.

Ausstieg: Wullenwebersteg (Zufahrt über Gutenbergstraße) in Berlin-Tiergarten.

Zurück zum Pkw:  Mit S-Bahn und Straßenbahn (Tram) in knapp einer Stunde. S5 oder S7 ab Tiergarten zum Ostkreuz, dort S8 oder S9 zum S-Bahnhof Schöneweide, von dort mit der Straßenbahn 63 oder 67 zur Haltestelle Parkstraße.

Kanuverleih:  www.kanuliebe.de


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Text: Globetrotter
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