Der beste Kaffee auf Tour

Alle Methoden, Geräte, Tipps und Tricks

Ohne Kaffee geht nix. Wie du ihn machst, ist eine Frage von persönlichem Geschmack und gewünschtem Aufwand. Bist du Koffeinkick-Minimalist oder Outdoor-Barista? Hier findest du es heraus.

Wir zeigen dir alle Verfahren, Geräte und Ergebnisse: kurz und knackig hier im Text, ausführlich in den Videos mit Tobi Woggon, seines Zeichens Biker, Koch und Kaffee-Connaisseur. 

Kurz vorweg: Kaffee machen ist – außer bei Instantkaffee 😉 – niemals plug & play. Egal welche Zubereitungsmethode du bevorzugst, nimm dir etwas Zeit, um mit Kaffeesorten und Mahlgraden zu experimentieren. Globetrotter hat einige hochwertige Kaffees im Angebot. Wenn du unsicher bist, lass dich in einer lokalen Kaffeerösterei beraten, diese können den Kaffee auch präzise nach Wunsch mahlen und bieten oft praktische  Probierpakete an.

Kaffee machen ist auch ein bisschen wie Zelt aufbauen: Beim ersten Mal dauert es ewig und wirkt trotzdem etwas windschief. Aber nach dem fünften Mal hat man den Bogen raus. Bring also auch beim Kaffee etwas Geduld mit, die ersten Versuche sind selten perfekt und etwas Experimentieren gehört dazu.

Und: Wir möchten hier möglichst viele Methoden und Geräte abdecken. Gerade die »Exoten« können bei Globetrotter aber auch mal ausverkauft sein. Nachschub ist meist unterwegs – bis dahin gilt: Abwarten und Kaffee trinken.

Die Kriterien

  • Geschmack

    Eine persönliche Sache, aber auch von der Methode abhängig: Filterkaffee ist eher leicht, French Press aromatisch, die Schraubkanne macht tollen Hallo-Wach-Mokka. Und sogar echter Espresso mit Crema ist outdoors möglich. Du hast die Wahl.

  • Aufwand

    Von wenigen Sekunden bis zu einer Viertelstunde Arbeit. Wie viel Aufwand ist dir welcher Kaffee wert?

  • Menge

    Brauchst du nur einen Start-Shot am Morgen oder musst du ein ganzes Ferienlager versorgen?

  • Transport

    Wer auf Rucksacktour geht, schätzt geringes Gewicht und Packmaß. Im Basislager  spielt das natürlich weniger eine Rolle.

  • Kosten

    1000 g Kaffee reichen für ca. 75 Tassen à 200 ml, also den Kilopreis durch 75 teilen (z.B. 15 Euro/Kilo = 20 Cent/Tasse). Guter Espresso ist teurer, 1000 g reichen aber für 120 Shots (z.B. 25 Euro/Kilo = 20 Cent/Shot). Das sind grobe Richtwerte, grundsätzlich ist Kaffee ein günstiges Vergnügen – es lohnt sich nicht, auf Tour am Lieblingskaffee zu sparen. Dazu kommen die Kosten für das notwendige Gerät.

French Press

In einer Kanne wird das Kaffeepulver mit kochendem Wasser übergossen. Nach einigen Minuten Ziehzeit drückt man das aufgeweichte Pulver per Stempelfilter nach unten, in der Kanne bleibt der fertige Kaffee zurück. French-Press-Kaffee ist mit etwas Übung sehr aromatisch und kann leicht an persönliche Vorlieben angepasst werden. Für größere Mengen sind Kanne und Filter schnell ausgespült und wieder einsatzbereit.

  • Geschmack: 8/10

    mit etwas Routine tolle Ergebnisse, allerdings kein Espresso-Feeling

  • Aufwand: 7/10

    einfacher geht es nicht

  • Menge: 8/10

    abhängig von Kannengröße, zweite Ladung geht aber schnell

  • Transport: 4/10

    Je nach Größe nicht rucksacktauglich (Tipp: Stempel für Primus-Kocher)

  • Kosten: 8/10

    Gerät ab 44,95 Euro

Filterkaffee

Kaffeepulver wird in einen Filter gegeben, der auf einer Kanne oder Tasse sitzt. Nach und nach gießt man kochendes Wasser in den Filter, unten tropft der fertige Kaffee heraus. Papierfiltertüten sind dabei nicht notwendig, die Outdoorfilter werden hinterher einfach ausgespült. Das Ergebnis entspricht dem einer klassischen Filterkaffeemaschine, mit guten Bohnen und etwas Geschick (Gießtechnik) erhält man relativ leichten Kaffee in beliebiger Menge.

  • Geschmack: 7/10

    klassischer Filterkaffee, weniger körperreich als andere Methoden

  • Aufwand: 8/10

    wenig Aufwand, leichte Reinigung

  • Menge: 8/10

    abhängig von Filtergröße (siehe Video)

  • Transport: 9/10

    leicht und kompakt

  • Kosten: 9/10

    Gerät ab 39,90 Euro

Perkulator

Auch als Cowboy-Kaffeemaschine bekannt: Das Kaffeepulver wird in einen Filter gegeben, dieser in die wassergefüllte Kanne gesetzt. Sobald der Cowboy-Kaffee kocht, blubbert es im durchsichtigen Deckelknauf – und je länger er kocht, desto stärker wird er. Die Methode ist ideal für große Kaffeemengen im Camp. 

  • Geschmack: 7/10

    gut steuerbar von mild bis wild

  • Aufwand: 8/10

    Kochen. Ausspülen. Repeat. 

  • Menge: 10/10

    Große Mengen in kurzer Zeit und beliebiger Stärke 

  • Transport: 5/10

    Rucksacktauglich evtl.  bei größerer Gruppen (2 l Volumen, 820 g) 

  • Kosten: 7/10

    Gerät 79,95 Euro

Schraubkanne

Eine Kanne, viele Namen: Espressokocher, Mokka-Maker, Bialetti … Genau genommen macht die  Schraubkanne keinen Espresso – dafür wir mehr Druck benötigt – , sondern Mokka. Die wohl beliebteste Outdoor-Kaffeemaschine gibt es in allen Größen, der produzierte Kaffee ist sehr aromatisch und stark – zarte Gemüter strecken ihn mit heißem Wasser (»Verlängerter« sagt man in Österreich) oder heißer, vielleicht sogar schick  geschäumter Milch. Unseren Milchkaffee servieren wir natürlich je nach Urlaubsland als Schale (CH), Melange (A), Café au lait (F) oder Caffè latte (I)   😉

  • Geschmack: 9/10

    Stark, aromatisch, kräftig – nach Belieben streckbar mit Wasser oder Milch 

  • Aufwand: 7/10

    Dauert einige Minuten, für eine zweite Runde schnell gespült und nachgefüllt

  • Menge: 5/10

    Immer zu wenig 😉 Die Kannengröße gibt die Menge vor, mit kleinen oder mittleren Kannen  ist man in Gruppen etwas limitiert. 

  • Transport: 9/10

    Für jede Tour gibt es die passende Kanne mit passablem Gewichts – sogar für Solo-Wanderer: mit nur 160 g ist das schwarze Gold stets verfügbar. 

  • Kosten: 9/10

    Alukocher von Solo bis 9 Tassen unter 20 Euro, Edelstahlversion (6 Tassen) 43,95 Euro

Echter Espresso

Echter Espresso geht outdoors nicht! – sagt der Indoor-Barista. Denn erst ein Druck von 8 bis 15 Bar löst die Aromen und lässt die typische Crema entstehen. Und so viel Druck schafft eben nur eine stationäre Espresso-Maschine. Wir sagen: doch, das geht. Im Video zeiget euch Tobi zwei raffinierte Geräte, die auch am Ende der Welt echten Espresso ermöglichen. Bei der Wacaco Nanopresso mit heißem Wasser und Handpumpe, bei der Outin Nano sogar vollautomatisch mit Akku – man braucht nicht mal einen Kocher fürs Wasser! Offenbarung oder Hipster-Gadget? Das entscheidest du 🙂 

  • Geschmack: 10/10

    Echter Espresso, satte Crema, bestes Aroma

  • Aufwand: 4/10

    Etwas fummelig, hält aber Espresso-Aficionados nicht ab.    

  • Menge: 1/10

    Ein Shot. Dann wieder säubern, laden, pumpen. Bei der Inout reicht der Akku nur für wenige Shots.

  • Transport: 5/10

    Für Liebhaber tragbar: die Nanopress wiegt 336 g. Die Outin zwar 700 g, sie erfordert aber als einziges Gerät keinen zusätzlichen Kocher + Topf für heißes Wasser!  

  • Kosten: 3/10

    Nanopress 74,95 Euro. Outin 139,95 Euro. 

Instantkaffee

Bei industriell gefertigten Instantkaffee wird ein starker Kaffeesirup erzeugt und diesem dann die Feuchtigkeit entzogen. Auf das entstandene Granulat muss man nur heißes Wasser gießen, fertig ist der Kaffee. Jahrelang als Plörre verschriehen, gibt es inzwischen trinkbare Instantkaffees. Besonders der Blaek Coffee überzeugt. Letztendlich Geschmachsache.

  • Geschmack: 5/10

    stark abhängig von Güteklasse und persönlichem Geschmack

  • Aufwand: 10/10

    einfacher geht es nicht

  • Menge: 10/10

    beliebig

  • Transport: 10/10

    leichter geht es nicht

  • Kosten: 5/10

    Eine Portion ist relativ teuer (Blaek ca. 50 Cent), dafür kein Gerät notwendig

Kaffeemühlen

Die Kaffee-Connaisseure nicken mit wichtiger Miene: JEDER Kaffee wird besser, wenn die Bohnen frisch gemahlen sind. Ob du diesen Aufwand treiben willst, ist mal wieder Geschmackssache. Wenn ja, kommt erst die Findungsphase: Mit deinem Lieblingskaffee und deiner bevorzugten Zubereitungsmethode so lange verschiedene Malgrade testen, bis das Ergebnis perfekt ist. Da kann etwas dauern. Aber dann bleibt der Malgrad eingestellt und mit ein paar mal Kurbeln produzierst du stets den bestmöglichen Kaffee. Tobi stellt im Video zwei Mühlen-Modelle vor. 

  • Geschmack:10/10

    Jeder Kaffee wird verbessert

  • Aufwand: 5/10

    Experimentierphase einplanen, aber danach geht das Mahlen einigermaßen schnell

  • Menge: 5/10

    Ein Espressoshot ist in Sekunden gemahlen, eine Perkulator- oder French-Press-Ladung kann richtig dauern (am besten Mit-Kurbler rekrutieren) 😉  

  • Transport: 5/10

    Plus an Geschmack = Plus an Gewicht: Javagrind 227 g; Exagrind 464 g  

  • Kosten: 03/10

    Einmalige Anschaffung (Javagrind 47,95 Euro; Exagrind 149,95 Euro), lange werthaltig.   


TEXT: Stephan Glocker

FOTOS & VIDEO: Michael Neumann

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