Unendliche Eindrücke – die Infinite Trails 2022

Globetrotter-Mitarbeiter Thomas Franek aus Augsburg ist leidenschaftlicher Outdoorsportler und hat sich auf das Abenteuer »Infinite Trail Run« begeben. Eine Aufgabe, die nicht nur den Körper, sondern auch den Geist vor eine echte Herausforderung stellt. Wir haben mit ihm über sein Erlebnis gesprochen.

Interview: Tom Jutzler; Fotos: Jens Klatt, Petter Engdahl, adidas, Thomas Franek

adidas INFINITE TRAILS 2022, Bad Gastein, Österreich

Thomas, du bist Deputy Store Manager in der Filiale Augsburg und dieses Jahr bei den Infinite Trails von adidas mitgelaufen. Bevor wir über dein Erlebnis dort sprechen, wollen wir zuerst klären: Was sind die Infinite Trails überhaupt?

Das ist ein ziemlich großes Event in Bad Hofgastein, im Salzburgerland, bei dem es mehrere Strecken gibt, aus denen man wählen kann. Veranstaltet von adidas. Es ist im Grunde ein langer Lauf in den Bergen. Natürlich mit entsprechender Ausrüstung. Die kurze Strecke ist 15 km lang, mit ungefähr 800 bis 900 Höhenmetern. Dann gibt es die mittlere Strecke mit 45 km und 3000 Höhenmetern. Und es gibt die ganz lange Ultra-Distanz mit 65 km. Da reden wir dann schon über 5000 Höhenmeter. Ich selbst bin die 45 km gelaufen. Ist ja auch nicht so ganz wenig.

Eine ziemliche Herausforderung! Wie hast du dich vorbereitet?

Ich laufe seit vielen Jahren sehr viel. Mache regelmäßig Ausdauersport. Fahre viel Rad. Vom Rennrad übers Gravelbike bis zum Mountainbike. Die Grundlage ist also da. Diesen Sommer war es dann so, dass ich vier- bis fünfmal die Woche laufen war, mit Distanzen zwischen acht und 15 km. Viel mehr war es gar nicht. Es war ein Lauf in Richtung Halbmarathon dabei. Um mal zu schauen, wie funktioniert der Körper, wenn es mal über 1,5 Stunden geht.

Einen Berglauf habe ich dann auch gemacht, einfach um zu sehen, wie vertrage ich das. Sobald man in die Lauflänge über zwei Stunden geht, kombiniert mit der Intensität den Berg hochlaufen zu müssen, wird es schwer, das abzuschätzen. Wie reagiert der Körper, wenn man sonst in der Ebene trainiert. Auch die Frage: Was macht der Kopf? Was machen die Muskeln? Wie gehe ich mental mit der Situation um? – Damit wollte ich mich im Vorhinein konfrontieren. Deswegen bin ich vier Wochen vorher in den Allgäuer Alpen auf der Nagelfluhkette einmal vor- und einmal zurückgelaufen. Das sind ungefähr 40 km mit 3000 Höhenmetern. Da habe ich gemerkt: Es funktioniert. Ich kann das ab.

Wie war die Wettervorhersage? Welches Equipment hattest du dabei?

Der Veranstalter gibt bei einem Trailrun sehr viel vor! Das hat etwas mit Sorgfaltspflicht zu tun. Es gab vor Jahren mal einen Lauf auf die Zugspitze, wo es bei einem Wetterumsturz zu schweren Unfällen gekommen ist. Seitdem sind die Veranstalter sehr streng. Pflichtausrüstung ist zum Beispiel: Ein Handy mit Notfallnummer des Veranstalters. Die muss man auch vorzeigen. Außerdem wärmende Kleidung, wie lange Hose und wärmende Jacke. Diese Dinge musst du nicht tragen, aber du musst sie im Rucksack dabei haben. Bei uns waren jetzt – aufgrund der Wettervorhersage – auch Regenhose und -jacke sowie Mütze und Handschuhe verpflichtend. Es wird wirklich bei jedem in den Rucksack geschaut, ob die Sachen dabei sind. Sonst darf man nicht starten. Egal wie erfahren man ist. Und was immer dabei sein muss, ist ein kleines Erste-Hilfe-Kit. Wenn das alles in einem kompakten Rucksack verstaut ist, der eng am Körper anliegt, ist das kein Problem. Da läuft man trotzdem gut!

Was hatten die Veranstalter für die Tage als Programm vorgesehen?

Man kommt an und der Ort ist schon geschmückt mit Fähnchen vom Event. Absperrungen stehen bereit. Wegweiser für den Trailrun sind aufgestellt. Kurz: Die Nervosität kriecht so langsam in den Körper. Die Vorfreude steigt. Am Vortag gab es einen kleinen Lauf zum Auflockern. Eine halbe Stunde. Bei diesem Lauf war Laura Dahlmeier dabei. Das war natürlich cool, sie kennenzulernen und sich ein wenig auszutauschen. Als sie vom Veranstalter gefragt wurde, was sie denn für Tipps für die Teilnehmer hat, meinte sie nur trocken: »Überholts mi. Dann seids ihr vor mir!« – Sie ist wirklich eine sehr witzige Person. Dieser Abend mit ihr hat Spaß gemacht.

» Jeder macht noch schnell ein paar Fotos.

Es herrscht eine familiäre Atmosphäre.

Das gemeinsame Erlebnis steht im Vordergrund.«

Der Tag des Wettkampfes steht an. Beschreibe einmal deine Gefühlswelt vor dem Start.

Ich bin sehr früh aufgestanden. Gegen fünf Uhr. Die Nacht war also kurz. Ich habe mich gut gefühlt. Nervös. Aber ich habe gedacht: super! Jetzt geht es endlich los! Man versucht etwas zu frühstücken. Das ist schwierig, weil, man ist ja nervös. Man denkt die ganze Zeit: Hoffentlich habe ich nichts vergessen. Man gibt seine Sachen zur Kontrolle (zum Glück an alles gedacht!) und dann ist um 06:30 Uhr der Start.

Was sehr schön war, war, dass es ein kleines Teilnehmerfeld war. Frauen und Männer zusammen knapp über 80 Läufer. Man macht etwas Smalltalk. Jeder macht noch schnell ein paar Fotos. Aber im Vergleich zu großen Veranstaltungen wie dem Berlin-Marathon zum Beispiel, herrscht eine eher familiäre Atmosphäre. Das gemeinsame Erlebnis steht im Vordergrund. Nicht so sehr das Gewinnen.

Wie war der Streckenverlauf? 

Die Strecke selbst war super beschildert. Genau so viel wie nötig aber nicht zu viel. Ein großes Thema: die Nachhaltigkeit. Die Streckenschildchen werden jedes Jahr wiederverwendet und die Bändchen, die hin und wieder als Markierung genutzt wurden, waren zumeist aus Stoff, sodass sie – sollten sie sich lösen und vom Wind verweht werden – mit der Zeit verrotten. Natürlich wird aber immer versucht, alles wieder einzusammeln!

Die Strecke war super gewählt. Am Anfang geht es schattig los. Nach dem Start im Ort läuft man in den Wald. Technisch noch nicht so anspruchsvoll. Ein guter Start um warm zu werden. Dann lichtet es sich langsam und du blickst schon auf das Panorama, wo du zum Schluss läufst. Du siehst, was auf dich zukommt. Landschaftlich ist es irre schön und man schaut auch hin und wieder in die Gegend. Allerdings ist man doch sehr auf den Lauf fokussiert. Trittsicherheit ist schließlich wichtig. Man will sich nicht gleich nach dem Start schon vertreten und dann ist der Spaß schon zu Ende. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich. Kleine Pfade, Schotterwege, Waldwege. Die Abstiege sind eher einfacher, was das Risiko von Verletzungen klein hält.

Höchster Punkt ist der Tischkogel mit etwa 2409 Metern. Etwa nach der Hälfte der Strecke kommt ein kleiner Ort, wo man Rasten kann. Man sieht dann den Anstieg zum Gipfel des Tischkogels schon vor sich, während man gerade Pause macht und weiß, das liegt jetzt vor mir: Der eigentliche Anstieg. Ich stärke mich zwar gerade, fühle mich so richtig wohl, aber nach der Pause loslaufen braucht doch eine gewisse mentale Stärke … .

Ich bin dann tatsächlich das steile Stück eher schnell gegangen als gelaufen. Vorher meint man, am höchsten Punkt, würde man kurz innehalten. Den Etappensieg feiern. Das sprichwörtliche Hochgefühl genießen. In Wahrheit bin ich einfach am Gipfelkreuz vorbeimarschiert und sofort weiter. Man ist dann so im Tunnel, dass die Beine automatisch weiterlaufen.

Was findest du einfacher? Jemanden vor dir zu haben, an den du dich dranhängst, oder, dass jemand von hinten schiebt?

Das Dranhängen ist auf jeden Fall einfacher. Jemand, der (oder die) zieht, schleppt einen quasi mit hoch.

Wie fertig warst du beim Zieleinlauf? Tot? Halbtot? Nicht mehr existent?

Ich glaube, halbtot trifft es ganz gut! Ich war echt froh, als wir dann im Tal waren. Nach dem langen Abstieg kommt – fast am Schluss – noch mal ein leichter Anstieg über einen Schotterweg. Da denkst du dir dann schon: Muss das jetzt noch sein? (Er lacht.) Irgendwann ist dann klar, es geht nur noch runter. Dann durch Bad Hofgastein, durch den Ort und den Kurpark durch. In der Ebene. Entlang der Strecke Einwohner des Ortes und Zaungäste, die die Teilnehmer feiern. Physisch und mental hat man es dann echt geschafft. Die letzten drei Kilometer bin ich eher gegangen. Obwohl ich mir sicher bin: Hätte ich beim Blick über die Schulter noch jemanden entdeckt, der mir dicht auf den Fersen ist, ich hätte die letzten Reserven mobilisiert und wäre noch einmal ins Laufen gekommen. Überholen lassen hätte ich mich so kurz vor Schluss nicht mehr!

War für die Zeit nach dem eigentlichen Trail Run noch etwas organisiert?

Neben dem tollen Zieleinlauf, wo fast so etwas wie Volksfeststimmung herrscht, hatten die Veranstalter für die Siegerehrung die Alpentherme in Bad Hofgastein gebucht. Und zwar komplett! Sauna, Thermalbecken, alkoholfreies Weizen – alles ist vorhanden und zu nutzen. In der Therme haben sich dann alle getroffen und jede und jeder hat seinen persönlichen Sieg gefeiert. Die eigentliche Ehrung ist dann tatsächlich am, beziehungsweise im Becken. Sehr witzig, wie alle in Badeklamotten und nass vom Wasser die Urkunden entgegennehmen. Eine perfekte Abschlussparty mit DJ und allem drum und dran!

Für alle, die nun mit dem Trailrunning anfangen wollen: Welche Tipps hast du?

Man sollte den Trail nicht zu schnell angehen. Gerade wenn man sonst in der Ebene läuft. Eher am Anfang etwas Energie sparen, um sie dann bei den Anstiegen zur Verfügung zu haben. Viele unterschätzen, was es bedeutet, einen langen Anstieg zu laufen. Natürlich ist auch das Gelände deutlich anspruchsvoller. Selbst wenn es eher einfache Wege sind, braucht man – vor allem am Ende – Trittsicherheit. Viele können natürlich nur im Flachen trainieren. Haben gar keinen Berg in der Nähe. Das bergab laufen muss man aber trainieren! Da übt man am besten, indem man Treppen läuft. Dabei variiert man, indem man zum Beispiel mit dem rechten Fuß jede Stufe nimmt und mit dem linken jede zweite. Dann umgekehrt. Dann immer im Wechsel. Dann beide Füße auf jede zweite Stufe. Das übt und trainiert die Koordination. Wenn es dann tatsächlich in die Berge geht, sollte man darauf achten, dass die Sohle des Schuhs outdoortauglich ist. Wie gesagt: Trittsicherheit ist das Wichtigste. 

Am Ende die obligatorische Frage: Würdest du es wieder tun?

Im Vorfeld dachte ich noch: Mal sehen, was noch in mir steckt und wie es wird und ob es mir taugt. Jetzt sage ich: Auf jeden Fall bin ich wieder dabei!!!


Thomas Franek ist Deputy Store Manager in Augsburg und Globetrotter mit Herz und Seele. Er ist Outdoorsportler durch und durch. Nach Stationen als Filialleiter eines Bikeshops und Kletterwand-Spezialist ist er nun im Globetrotter-Citystore in der Augsburger Innenstadt angekommen. Wenn du ihn zu seinem Trailrunning-Abenteuer befragen möchtest, schau im Store vorbei.