Impfung gegen Gürtelrose

Herpes Zoster, umgangssprachlich meist Gürtelrose genannt, ist keine klassische Reisekrankheit. Aber es ist eine Erkrankung, die auch Reisende treffen kann. Neuerdings gibt es eine Impfung, die besonders aktiven Menschen über 50 Jahren empfohlen ist. 

Die sogenannte Gürtelrose ist eine Viruserkrankung, die hauptsächlich durch einen schmerzhaften, streifenförmigen Hautausschlag mit Blasen auf einer Körperseite in Erscheinung tritt. Dieser entsteht dadurch, dass die Entzündung von einem Nerv auf das umliegende Hautgebiet übergreift. Die Krankheit wird durch das Varizellazoster-Virus ausgelöst und tritt meist bei älteren Menschen oder solchen mit geschwächtem Immunsystem auf.

Halbseitiger Ausschlag

Wiebke Mörig

Die Erstinfektion mit dem Virus erfolgt meist im Kindesalter und äußert sich als stark juckende Windpocken. Da diese Viren sehr ansteckend sind, ist auch die Verbreitung sehr hoch: Nach dem 11. Lebensjahr haben mehr als 90 Prozent der Bevölkerung diese Infektion durchgemacht. Die Windpockenviren verschwinden nach überstandener Erkrankung jedoch nicht vollständig aus dem Körper. Einige verbleiben (»schlafend« und vom Immunsystem in Schach gehalten) lebenslang in den Ganglienzellen der Nervenbahnen. Unter bestimmten Bedingungen können die Viren wieder aktiviert werden und zum unangenehmen und gefährlichen Herpes Zoster führen. Je nachdem welche Nervenbahnen betroffen sind, zieht sich die Zosterinfektion halbseitig von der Wirbelsäule um den Körper, daher auch der Name Gürtelrose.

Die Reaktivierung der Viren wird begünstigt durch ein Herabsetzen des Immunstatus zum Beispiel bei zunehmendem Alter oder bei Stress (z. B. Reisen). Das Virus kann dann entlang der Nervenbahnen in die Haut zurückwandern. Dort macht sich die Infektion zunächst als brennende, juckende oder stechende Schmerzen bemerkbar. Später bildet sich ein Hautausschlag mit roten Flecken und kleinen Bläschen, die eine infektiöse Flüssigkeit enthalten. Die Bläschen brechen dann auf und bilden allmählich Krusten, die nach zwei bis drei Wochen abfallen.

Meist tritt Zoster im Bereich des Brustkorbes auf. Gelegentlich können auch Rücken, Arme oder Beine betroffen sein. Bei gefährlichen Varianten sind Gesicht und Augen betroffen, es kann dann durch Hornhautvernarbung eine teilweise oder vollständige Erblindung die Folge sein. Bei Befall der Gesichtsnerven kann es zu vorübergehenden Lähmungserscheinungen, Verlust des Geschmackssinns oder einem Befall des Gehörgangs kommen.

Gefürchtet sind vor allem die nach der Gürtelrose anhaltenden chronischen Schmerzen, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Der Schmerz wird von den Patienten als brennend, pochend und stechend beschrieben und kann Monate bis Jahre anhalten. Patienten empfinden es schon als schmerzhaft, wenn nur ein Kleidungsstück den Körper berührt. Das Risiko, als Folge des Zosters starke Schmerzen zu entwickeln, nimmt mit dem Alter deutlich zu.

Erstmals Impfung

Seit 2018 ist in Europa ein Totimpfstoff zum Schutz vor Herpes Zoster für Personen  über 50 Jahren zugelassen, der zweimalig im Mindestabstand von acht Wochen in den Oberarmmuskel appliziert wird. In einer groß angelegten Studie, an der mehr als 16.000 Personen teilnahmen, konnte gezeigt werden, dass durch die Impfung die Häufigkeit der Gürtelrose um 94 bis 98 Prozent reduziert wird (je nach Altersgruppe). Nach der Impfung können für einige Tage Lokalreaktionen auftreten (Schmerzen an der Impfstelle), ansonsten wird der Impfstoff generell sehr gut vertragen. Damit steht jetzt erstmals ein Schutz gegen diese häufige und gefährliche Erkrankung zur Verfügung.

Text: Prof. Dr. Tomas Jelinek
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