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        Das Haus im Schnee

        Protokoll Philip Baues

        Fünf Monate Frost und jede Menge Niederschlag: Der Harz ist das ideale Revier für eine Nacht im Iglu.

        Wenn die Winterwanderung in die Verlängerung geht, schlagen nicht nur Kinderherzen höher. Die Nachspielzeit beginnt, wenn sich Fuchs und Hase schon gute Nacht gesagt haben und alle anderen Ausflügler längst auf dem Heimweg sind.Wobei das nicht die volle Wahrheit ist: Denn der eigentliche Iglubau beginnt nicht erst mit der Dämmerung – das Spielfeld, um im Fußballbild zu bleiben, muss schon weit vorher beackert werden, damit das Haus im Schnee rechtzeitig fertig wird.  

        Ein Iglu ist also nichts für eine spontane Nacht im Winterwald, der Bau ist zeitaufwendig und schweißtreibend, und wer nicht richtig plant, bekommt garantiert ein Platzproblem. Da stellt sich die Frage: Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt? Auf jeden Fall! Vor allem ist eine Nacht im Iglu ein großes Abenteuer. Sich selbst ein Refugium in der Natur zu schaffen, erfüllt nicht nur kleine Abenteurer mit Stolz. Obendrein überzeugt ein Iglu auch Performance-orientierte Häusle­bauer: Selbst wenn draußen bei minus 20 Grad die Welt untergeht – drinnen bekommt man bei »kuscheligen« null Grad davon garantiert nichts mit, überragenden Schallschutz- und Dämmungseigenschaften sei Dank. 
        Aber trotzdem: All die Arbeit für nur eine Nacht? Wer das richtige Wetterfenster erwischt (möglichst lange Dauerfrost), einen geschützten Standort wählt (wenig Wind und Sonneneinstrahlung) und zwischendurch ­etwas nachbessert, der kann sein Iglu als Wochenendhaus auch länger nutzen. 

        Die Vorbereitung

        Die wichtigste Zutat für ein Iglu ist natürlich Schnee. Im Harzer Winter stehen die Chancen auf genügend Baumaterial gar nicht schlecht, vor allem auf der Luvseite des Brockens gibt es regelmäßige und ergiebige Niederschläge (bis zu 1600 mm im Jahr). Wie es im Rest der Republik aussieht, zeigt die Karte am Ende der Seite. Ist ein geeigneter Standort gefunden (Privatgrundstücke und Nationalparkgrenzen respektieren!), braucht es nur noch eine Schneesäge, viel Ausdauer und heiße Getränke. Die Schneedicke beträgt idealerweise mindestens einen halben Meter. Nördlich des Weißwurst-äquators scheitern hieran wohl schon die meisten Iglubaumeister, doch es gibt Abhilfe. Mit einem großen quadratischen Gefäß lassen sich auch ohne ausreichende Schneedecke Quader formen und festigen. 
        Der Standplatz sollte eben sein. Der Grundriss eines Iglus ist rund. Mittels eines Skistocks und eines Bandes lässt sich ein Kreis schlagen und im Schnee markieren. Probe liegen ist zu diesem Zeitpunkt angesagt, denn anbauen ist später nicht möglich. Ein Durchmesser von etwa zwei Metern hat sich für Hobby-Iglus bewährt. Der Schnee auf dem Standplatz wird platt getrampelt, damit später die Mauern nicht einsinken, sondern ein solides Fundament entsteht.

        Schritt für Schritt

        Die Blöcke sollten etwa 60 mal 45 mal 20 Zentimeter breit sein. Achtung: Ein Quader wiegt jetzt um die 20 Kilo! Jetzt wird die erste Reihe Blöcke auf der Grundlinie aufgestellt. Entscheidend ist, dass man schon die erste Reihe mit einer Innen-neigung (ca. 15 °) anlegt – nur so stützen sich die Blöcke gegenseitig und können später das Gewicht der Kuppel tragen. Viele Iglus scheitern daran, dass sie viel zu steil in die Höhe gebaut werden! Mit einem leichten Klaps werden die Blöcke verbunden und mit Schnee verkittet. Liegt nicht genug Schnee für einen vorher angelegten Eingangstunnel (siehe Grafik), wird der Erbauer im Iglu eingemauert. Das Iglu soll sich wie ein Schneckenhaus spiralförmig nach oben ziehen, dafür werden die ersten vier Blöcke der ersten Reihe schräg angeschnitten, sodass eine Rampe entsteht.Wenn nur noch ein kleiner Ausguck frei ist, wird der Dachstein gefertigt: Er wird einfach ein gutes Stück größer als das Loch gesägt und von außen aufgelegt. Der Eingeschlossene fräst den Block dann so lange ab, bis er passt und sich in das Loch senkt. 

        Nachdem alle Blöcke von innen und außen gut verputzt sind und nicht mehr verrutschen, kann man den »Gefangenen« befreien. Hierzu wird der Eingang möglichst weit unten in den »gewachsenen« Iglu-Schnee gegraben und mit einem Windgang geschützt. Und jetzt? Aller Voraussicht nach sind die Kräfte dahin. Aber auch Fußballer steigen nach dem Spiel zur Regeneration in die Eistonne ... also dann, gute Nacht!

        Ice ice baby – das sind die wichtigsten Infos rund ums Iglubauen.

        Schneehöhen

        Naturgemäß bekommt der flache Norden Deutschlands weniger Schnee ab, doch selbst von den Filialstädten Hamburg und Berlin erreicht man in ca. drei Stunden das nächste Schneeloch.

         Naturschutz 

        In den 14 deutschen Nationalparks ist die touristische Nutzung stark eingeschränkt, i. d. R. dürfen Wege nicht verlassen werden.
        In anderen Schutz­gebieten ist oft mehr erlaubt. Eine gute Übersicht bietet das Bundesamt für Naturschutz: www.bfn.de/karten

        Kommerzielle Anbieter 

        Wer nicht selbst schwitzen oder professionelle Anleitung will, findet bei der Websuche einige Anbieter. Anlaufstelle für Survivalkurse im Harz:
        www.adrenalintours.de

        Hilfsmittel

        Um ein Iglu zu bauen, braucht es meist mehr Leute, als später in die Schneehöhle passen. Einfacher geht es mit Bauhilfen wie Q-Iglu oder dem Icebox Igloo Tool. Ansonsten findet man von der Schneesäge über die passende Bekleidung bis zur Isolierflasche für den heißen Tee alles Nötige zum Iglubau auf www.globetrotter.deoder in einer der 13 Filialen.

        >> Als PDF-Download

        deutsch: Iglubau
        english: The snow house
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