Feuer machen im Winter

Feuer machen bei schwierigen Bedingungen? Schnee und Feuchtigkeit können dir mit unseren Tipps nichts mehr anhaben! Wenn du sie beherzigst, wirst du mit etwas Übung schon bald ein Profi an der Feuerschale!

Ein knisterndes Feuer. Entfacht mit möglichst wenig Hilfsmitteln. Wie groß ist die Freude, wenn aus ein paar Funken zunächst eine kleine Flamme wird und dann ein tanzendes Feuer. Zumal im Winter, wenn man die klammen Finger an der wohligen Wärme der brennenden Holzscheite wärmen kann. Mit unseren Tipps gelingt dein Winterfeuer garantiert – auch bei widriger Witterung!

Die Vorbereitung – was nehme ich mit?

Ein Feuer will entzündet werden: Am meisten Spaß macht es mit einem Feuerstahl. Mit diesem kannst du Funken schlagen, die über 1000 °C heiß sein können. Treffen sie auf ein leicht entzündliches Material (deinen Zunder – dazu kommen wir gleich), entfachst du eine erste kleine Flamme. Ein Feuerstahl funktioniert auch im nassen Zustand und bei Wind, deswegen ist er das Mittel der Wahl bei schwierigen Wetterverhältnissen. Ein Sturmfeuerzeug tut es natürlich auch, aber das wäre zu einfach. Wir wollen uns schließlich nicht um das Glücksgefühl bringen, wenn aus dem winzigen Funkenschlag ein loderndes Feuer entsteht!

Der »Geheimtipp« aller Survivaltrainer ist es, als Zunder einen Tampon dabei zu haben. Durch die Zellophanfolie ist dieser wasserdicht verpackt. Außerdem ist er leicht und klein. Auseinandergezupft ist er ein wunderbarer Zunder aus Zellstoff und Baumwolle. Perfekt geeignet, um die Funken des Feuerstahls aufzufangen.

Statt Watte (oder zusätzlich) kannst du auch etwas Kienspan als Brandbeschleuniger dabei haben. Kienspan ist das sogenannte »Gold des Waldes«. Ein sehr harziges Holz, das meistens an Nadelbäumen zu finden ist.
Theoretisch kannst du Kienspan selbst ernten. Am schnellsten wirst du an den Stümpfen umgefallener Kiefern fündig werden. Suche an den Astaustritten, unten an abgestorbenen Baumstümpfe oder an den Wurzeln. Du wirst das Holz sofort erkennen, wenn du es siehst: Kienholz wirkt speckig, duftet herrlich nach Harz und hat eine kräftigere Farbe – meist orange bis dunkelrot –, außerdem fühlt es sich ölig an. Die Suche nach dem Kienspan sollte aber nicht am Tag des Feuermachens geschehen (es kann ja sein, dass du nicht fündig wirst). Halte einfach immer die Augen offen, wenn du im Wald unterwegs bist. Bis du selbst Kienspan gefunden hast, kannst du dich bei Globetrotter Ausrüstung damit versorgen.

Hat sich der Zunder entflammt, muss das Feuer genährt werden. Hierfür brauchen wir etwas trockenes Holz, das wir im Wald finden. Um es zu präparieren, nehmen wir ein Messer und eine Säge oder eine kleine Axt mit.

Da wir möglichst wenige Spuren in der Natur hinterlassen wollen, ist eine Feuerschale oder ein Grill für uns ein Muss!

Um sicherzugehen, haben wir Wasser dabei. So können wir im Notfall löschen – und etwas zu trinken will man ohnehin immer.

Die geeignete Feuerstelle

Ist es aktuell trocken und auch die Umgebung trocken, halte Abstand zu Bäumen und Sträuchern. Hat es geregnet (die Umgebung ist also feucht) und ist es wahrscheinlich, dass es wieder regnen wird, suche eine geschützte Stelle unter einem Baum oder spanne ein Tarp auf.

Zumindest bis das erste Feuer brennt, sollte die Feuerstelle einigermaßen trocken sein. Wenn das Feuer erst einmal flackert, wird es auch bei leichtem Regen nicht ausgehen.

Ohne Holz kein Feuer

Wir brauchen Holz! Trockenes, dünnes Reisig und fingerdicke Ästchen, um das Feuer zu starten und etwa armdicke Äste, um es am Brennen zu halten.

In der kälteren Jahreszeit ist der Boden oft noch Tage nach einem Regenschauer nass. Für die Suche nach Brennholz darfst du deinen Blick heben und nach Totholz Ausschau halten, das sprichwörtlich in der Luft hängt. Das Bodenholz ist meistens komplett durchnässt. Äste, die beim Herunterfallen irgendwo hängen geblieben sind, werden mit Sicherheit trockener sein. Auch Bäume, die sich beim Umfallen verhakt haben, also keinen Bodenkontakt haben und von Luft umgeben sind, trocknen viel besser durch, als alles, was auf der Erde liegt.

Nadelgehölze haben fast immer einen Ring aus vertrockneten, kleinen Ästen am unteren Teil des Stamms. Geschützt von der Baumkrone darüber sind sie auch bei Regen häufig trocken. Brichst du diese fingerdicken Ästchen ab, hörst du ein helles Knacken. In diesem Holz ist kaum noch Wasser!

Entferne von deinem Brennholz gegebenenfalls die Rinde. Mit einer Outdoorsäge zerteilst du deine Fundstücke. Fühlt sich das Holz feucht an, spalte es. Ist es im Inneren auch nass, musst du weitersuchen!

Richtig schichten

Damit das Entzünden des Feuers möglichst von Erfolg gekrönt wird, kommt es auf das richtige Schichten an. Dein Holzstapel braucht ein Herz! Damit ist ein Haufen aus dünnem Holz und Zunder gemeint.

Um das Herz schichtest du das Brennholz. Und zwar so, dass sich eine Art offene Pfeilspitze bildet. Diese zeigt in die Richtung, in die der Wind weht. Die Konstruktion ist also zum Wind hin geöffnet. Beim Funken schlagen mit dem Feuerstahl, fliegen diese in die Öffnung der Holzpyramide.

Wir haben bei unserer Fotosession ein paar getrocknete Buchenblätter auf das Reisig gelegt und auf dieses Bett unseren Kienspan geschabt.
Sollte der Kienspan als Zunder nicht ausreichen (probiere es aus!), kommt jetzt die Tamponwatte ins Spiel.

TIPP

Vielleicht hast du Glück und es liegen Birkenstämme in der Nähe. Birkenrinde brennt wegen der enthaltenen ätherischen Öle schon nach kurzem Trocknen (zum Beispiel in deiner Hosentasche) hervorragend. So schaffst du es sogar, ohne zusätzlichen Zunder, dein Feuer zu entzünden. Bitte nicht an lebenden Bäumen rumsäbeln!

Das Feuer entfachen

Jetzt wir es ernst! Wie stark weht der Wind? Kann Funkenflug irgendetwas in der Nähe deiner Feuerstelle in Brand setzen? – Ja, damit sind auch die Synthetikfasern der Jacken deiner Mitstreiter gemeint! – Dann lass das Zündeln sein. Wenn nicht, wird es nun spannend. Den Wind – falls vorhanden – hast du im Rücken? Dann los: Lass die Funken sprühen.

Sobald das Herz gut brennt, wird dickeres Holz aufgelegt. Die Flammen wollen Nahrung. Wenn die größeren Scheite Feuer gefangen haben, kann nichts mehr schiefgehen. Selbst ein leichter Regen wird nun nicht gleich alles löschen! Lege immer wieder Holz nach, ohne das Feuer jedoch zu ersticken.

Anstelle eines Feuerstahls kannst du dir auch Outdoor-Streichhölzer selbst basteln. Tauche dazu handelsübliche Zündhölzer in flüssiges Wachs. Die getrocknete Wachsschicht hält die Hölzer trocken und gleichzeitig wirkt das Wachs brandbeschleunigend!

Die Feuerstelle verlassen

Hervorragend wäre es natürlich, das Feuer hätte so perfekt gebrannt, dass außer einem kleinen Häufchen Asche nichts mehr übrig ist. Die könntest du mit etwas Wasser vermischen (sicher ist sicher) und auf dem Waldboden verstreuen. Wahrscheinlicher ist es aber, dass noch Kohlestücke oder angekokelte Stöcke übrig sind. Lösche in diesem Fall gut! Sei sicher, dass keine Glut mehr vorhanden ist! Dann vergräbst du die Kohle nach Möglichkeit im Boden. Oder du nimmst sie mit nach Hause. Wichtig ist, du verlässt die Feuerstelle so, als seist du gar nicht da gewesen. Am besten sauberer, als du sie vorgefunden hast. Eh klar.


Wo ist offenes Feuer erlaubt?

Bevor du mit deinem Winterfeuer beginnst, informiere dich über die örtlichen Bestimmungen!

In Deutschland gibt es in jedem Bundesland verschiedene Regelungen. Grundsätzlich sollte man davon ausgehen, dass es nicht erlaubt ist, ein offenes Feuer zu entfachen! Im Wald und in Naturschutzgebieten ist es prinzipiell verboten. Allerdings gibt es in der Öffentlichkeit (natürlich auch im Wald) extra für Lagerfeuer vorgesehene Plätze. Diese sind gekennzeichnet. Aber selbst hier gilt: Feuer, die mehr als einen Meter Durchmesser haben, sind genehmigungspflichtig!

Auf Privatgrund gilt: Auch wenn du die Genehmigung des Grundstückseigentümers hast, ist ein Feuer von mehr als einem Meter Durchmesser genehmigungspflichtig! Die Genehmigung erteilt die Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Verfeuert werden darf ausschließlich trockenes, unbehandeltes Holz.

Ganz wichtig: Auch im Winter kann es lange Trockenperioden geben. Das heißt, es kann selbst im Winter zu Wald- oder Buschbränden kommen. Das gilt genauso für den Boden: Ist dieser sehr trocken, kann es zu unterirdischen Schwelfeuern kommen. Trockener Torf kann monatelang brennen, so lange, bis es zu ausreichend Regen kommt. Schau dir deine Umgebung also gut an und suche eine sichere und für ein Feuer geeignete und zugelassene Stelle. Nutze immer eine Feuerschale.


Wie es euch gefällt!

Wir haben für unser Feuer im Schnee alle Siebensachen in den Bollerwagen gepackt. So war auch Platz für durchgetrocknete Holzscheite, die wir zu Hause am Kamin liegen hatten. Ist man mit Kindern unterwegs – »Hallo! Uns wird langweilig! Warum dauert das so lange?« – und hat Sorge, vor Ort nicht das richtige Holz zu finden, nimmt man einfach Kaminholz mit. Das ist eine gute Möglichkeit, das Winterfeuer-Abenteuer zu einem garantiert knisternden Erlebnis zu machen.

Ein Lagerfeuer – zumal mit genügend Grillgut! – ist bei klirrender Kälte noch besser als im Sommer. Versprochen! Ein wärmendes Feuer inmitten der glitzernden Winterlandschaft ist schlicht magisch!

Text: Globetrotter