Fernwanderwege in Kärnten

In Kärnten erlebt man großartige Panoramen auf schier endlosen Wander­­wegen. Schritt für Schritt geht es auf vier spektakulären Routen der typisch südlichen Gelassenheit entgegen.

#1 Karnischer Höhenweg

Geschichte auf 2000 Metern

Wer in die Berge geht, will Natur, Gipfel-panoramen und zwischendurch eine zünftige Brotzeit. Wer aber Geschichte will, geht ins Museum oder in die Großstadt. Von wegen! Am Karnischen Höhenweg, zwischen 1500 und 2000 Meter Höhe, treffen nicht nur Österreich und Italien aufeinander, sondern auch Natur und Geschichte. Die Karnischen Alpen gelten als geologisch herausragende Region. Hier zeigt sich anhand von Fossilien rund 500 Millionen Jahre alte Erdgeschichte.

Doch nicht nur deshalb ist diese Region eine Besonderheit. Wer den 150 Kilometer langen Weitwanderweg entlanggeht, entdeckt verfallene Stellungen und alte Bunker. Zeugen einer traurigen Zeit, als sich hier im Ersten Weltkrieg Tausende österreichisch-ungarische und italienische Soldaten einen erbitterten Stellungskrieg lieferten. Die Strecke, heute versöhnlich »Friedensweg« genannt, verläuft von Sillian in Osttirol über den Plöckenpass und das Nassfeld bis nach Thörl-Maglern in Kärnten. Der erste Teil erfordert ein wenig mehr Geschick, führt durch hochalpines Gelände. Urige Hütten bieten nachts ein gemütliches Bettchen, um die Beine auszustrecken und das Gesehene zu verarbeiten. Der zweite Teil des Weitwanderwegs ist gemächlicher. So geht es Schritt für Schritt – mit einem Fuß in Italien, einem in Österreich – vorbei an erdgeschichtlich bedeutenden Orten und Mahnmalen der jüngeren Geschichte.

// Länge: 150 Kilometer, acht bis elf Tagesetappen mit einer Gehzeit von sechs bis neun Stunden
// Schwierigkeit: mäßig bis anspruchsvoll

Daniel Gollner


#2 Alpe-Adria-Trail

Vom Gletscher ans Meer

Ehrfürchtig wandert der Blick hinauf. Stoppt hoch oben, am Gipfel des Großglockners. Österreichs höchster Berg kitzelt die Wolken in einer sagenhaften Höhe von 3798 Meter ü. A., sprich über Adria. Kaum zu glauben: Genau dorthin soll es von hier aus gehen. Vom Fuße des Großglockners an die Adria. Dazwischen liegen glitzerndes Gletschereis, raue Felswände, tosende Wasse-fälle, kristallblaue Bergseen, grüne Almwiesen, steile Weinberge und schließlich das rauschende Meer. Kurz: 750 Kilometer abwechslungsreicher Wanderweg. Der Alpe-Adria-Trail führt durch Österreich nach Slowenien und von dort an die italienische Mittelmeerküste. Die Etappen selbst sind mal genussvoll-gemütliche Spaziergänge, mal sportlich-schweißtreibende Aufstiege. Doch jeder, wie er mag. Man kann sich auch einfach nur paar der über 40 Etappen aussuchen. Ganz, wie es Lust, Zeit und Kondition zulassen.

// Länge: 750 Kilometer, 43 Etappen mit einer Gehzeit von rund sechs Stunden
// Schwierigkeit: mäßig

Franz Gerdl


#3 Tauern Höhenweg

Schwindelfreiheit erforderlich

Ein Fuß vor den anderen, kurz verschnaufen, innehalten, das unfassbare Panorama genießen, bevor man wieder den nächsten Schritt wagt. Der zweite Teil des Tauernhöhenwegs ist gleich die »Königsetappe«. Wie gut, dass man auf den Wirt im Glocknerhaus gehört hat und früh aufgebrochen ist. Der Steig rauf zum Hocharn ist zum Teil drahtseilgesichert. Es ist ein hochalpiner Grat. Höchste Konzentration erforderlich. Oben angekommen auf dem höchsten Punkt des Wegs, offenbart sich schlagartig, wa-rum jeder Schritt – rund 1800 Höhenmeter waren es – diese Mühe wert war: Raue Felswände und abwechslungsreiche Panoramen breiten sich vor einem aus.

Das ist eine Aussicht, die denen vorbehalten ist, die sich im hochalpinen Gelände sicher fühlen. Der Tauernhöhenweg ist nämlich kein Erlebnis für Einsteiger: schwindelerregende Passagen, ein vergletscherter Abschnitt, ständig führt der Weg nahe, manchmal sogar direkt am Tauernhauptkamm entlang. Wer hier kraxeln mag, muss absolut trittsicher und schwindelfrei sein. Bei diesen Herausforderungen wird man mit herausragenden Wegen und der Tatsache, dass der Alltag weit unten im Tal zurückbleibt belohnt.

// Länge: 60 Kilometer, sechs Tagesetappen mit einer Gehzeit von sechs bis zehn Stunden
 // Schwierigkeit: mäßig bis anspruchsvoll

Franz Gerdl


#4 Nockberge-Trail

Sanfte Hügel, unendliche Weiten

Stolz ragen sie gen Himmel, die sanften Gipfel der Nockberge. 60 Millionen Jahre haben sie auf ihren runden Buckeln. Die Zeit hat die Gipfel weich gezeichnet. Verschlungene Pfade führen vorbei an sanfthügeligen Almhängen, der Geruch von – ja wovon? Von Wind und Weite, von Blumen und Bergen steigt in die Nase. Genuss pur! Das sind die Gründe, warum sich am Nockberge-Trail Wandern und Genuss vereinen. Der gediegene Geher spart sich vielleicht ein paar Höhenmeter dank der Bergbahnen. Spaziert dann über die Blutige Alm, deren Blütenpracht im Sommer voll zur Geltung kommt.

Der geübte Wanderer macht sich auf ins Herz des UNESCO-Biosphärenparks Nockberge und kann dort zum Beispiel mit Rangerin und Natur-Aktiv-Guide Sandra den schönsten Panoramablick der Region entdecken. Vom Stileck streift der Blick von den Hohen Tauern bis zu den Karnischen und Julischen Alpen, von den Karawanken bis zu den Niederen und den Radstädter Tauern. Mit der zünftigen Jause – selbstredend mit Glundner Käse und Speck – in der Hand verlieren sich die Gedanken in den Weiten der Berge, der Kopf genießt Freiheit.

// Länge: 75 Kilometer, fünf Tagesetappen mit einer Gehzeit von drei bis sieben Stunden
 // Schwierigkeit: mäßig

Franz Gerdl

Text: Friederike Stark
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