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Episode 12: PFAS – what we need to know. Was wir über PFAS wissen sollten

PFAS oder PFC’s- schon mal gehört? Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS – so lautet der Sammelbegriff für mehrere Tausend verschiedene, industriell hergestellte chemische Verbindungen, die bereits seit Jahrzehnten in zahlreichen Produkten aus unserem Alltag Anwendung finden. Sie verfügen über herausragende Eigenschaften, denn sie können Textilien und anderen Oberflächen sowohl wasser-, fett- als auch schmutzabweisende Eigenschaften verleihen, ohne die Atmungsaktivität einzuschränken.

Sie sind überall! Ob in Kochgeschirr, Verpackungen oder Textilien: PFAS wie PFC‘s sind in unserem Alltag omnipräsent und machen in letzter Zeit unter dem Synonym „Forever Chemicals“ Schlagzeilen.

Sie alle enthalten Kohlenstoff-Fluor-Bindungen, eine der stärksten bekannten chemischen Bindungen in der organischen Chemie. Diese sind verantwortlich für die vielen praktischen Eigenschaften, die PFAS mit sich bringen. Doch das heißt auch, dass sie sich nicht abbauen und nur bei Verbrennungstemperaturen von ca. über 1200° C spalten lassen. Die meisten PFAS können leicht in die Umwelt gelangen, zum Beispiel durch Abwasser in den Produktionsstätten, und von dort aus große Entfernungen von der Quelle ihrer Freisetzung zurücklegen. Somit können mittlerweile diese, natürlich nicht vorkommenden, Verbindungen selbst an den entlegensten Orten unserer Erde nachgewiesen werden.

Und auch im Regen, in unseren Lebensmitteln und in unserem Blut sind Spuren dieser Substanzen nachweisbar. Und je höher die Konzentrationen, desto wahrscheinlicher werden gesundheitliche Einschränkungen in den Organismen von Mensch und Tier. Viele PFAS-Gruppen sind deswegen bereits weltweit verboten oder in der EU eingeschränkt.

PFAS: umfassendes Verbot geplant

Doch trotz der Beschränkung werden Stand heute noch jedes Jahr ungefähr 230.000 Tonnen PFAS in Umlauf gebracht, von denen 75.000 Tonnen alleine als Emissionen aus der Produktions- und Nutzungsphase in die Umwelt gelangen. Diese Zahlen beziehen sich auf den globalen Eintrag von PFAS in die Umwelt, beispielsweise durch Löschschäume, Verpackungen, Elektronik, etc. und nicht spezifisch nur auf Textilien.

Je mehr Zeit verstreicht, desto größer wird die Gefahr, die von diesen Substanzen durch ihre unweigerliche Anreicherung ausgeht. Somit prüft die ECHA (European Chemicals Agency) zurzeit einen Vorschlag zur Beschränkung aller PFAS, der von fünf europäischen Ländern eingereicht wurde.

Dies ist das erste „Proposal“, in dem eine ganze Gruppe von Chemikalien beschränkt werden soll, was in dieser Form so noch nie dagewesen ist und somit als historisch bezeichnet werden kann.

Was man nicht vergessen darf, ist, dass PFAS eine Reihe an Eigenschaften mit sich bringen, die besonders unter extremen Bedingungen lebensrettend sein können, wie bei Feuerwehr- oder bei Katastrophenschutz-Einsätzen. Und diese werden laut dem PFAS Ban Proposal auch nicht im gleichen Maß beschränkt werden wie die Anwendung im Verbrauchermarkt, denn die Beschränkung basiert auf der Annahme, dass es Möglichkeiten gibt, diese Substanzen zu substituieren, wenn auch mit einem (leichten) Verlust in der technischen Performance.

Aber brauchen wir diese Art von Performance denn wirklich, um in die Berge zu gehen, wenn man dabei die hohen ökologischen Kosten berücksichtigt?

Um so wichtiger also, dass Hersteller von Textil-Laminaten und Oberstoffen, wie wir sie in Outdoor-Bekleidung häufig finden und benötigen, auf andere Werkstoffe umstellen.

In diesem Podcast erfahrt ihr, wie PFAS traditionell in Outdoor-Bekleidung eingesetzt werden, und wo hier die kritischen Aspekte sind.

Ihr erfahrt auch, was entlang des gesamten Produktlebenszyklus mit den PFAS passiert: zum einen in Form einer Membrane und zum anderen in Form der wasserabweisenden Ausrüstung auf dem textilen Oberstoff.

Dazu sprechen wir mit Stefan Posner, führender unabhängiger Forscher und Polymer-Chemiker mit einem umfangreichen und tiefgründigen Hintergrundwissen zu PFAS.

Über Stefan Posner

Eine große Anzahl an Verbraucherprodukten beinhalten PFAS. Die negativen Eigenschaften von PFAS sind, dass sie sich in der Umwelt nicht abbauen und dass sie einen schwerwiegenden Einfluss auf unserer Gesundheit haben. Die spezifischen praktischen Eigenschaften, wie z.B. ihre große Resistenz auf alle möglichen Umwelteinflüsse, die dazu geführt haben, dass sie so zahlreich in den vielfältigen Produkten Anwendung finden, sind auch das größte Problem bei PFAS, wenn sie in die Umwelt gelangen.“

Stefan Posner, PFAS-Experte

Stefan wird als Experte von verschiedenen UN- und EU-Gremien konsultiert und verfügt somit über sehr gute Kenntnisse der kommenden Chemikalienverordnungen. Zum Beispiel das Stockholmer Übereinkommen, das die Verwendung von Chemikalien regelt, bei denen es sich um persistente organische Schadstoffe, sogenannte POP, handelt, oder die EU-Chemikalienverordnung REACH. Stefan Posner ist ebenfalls Co-Autor des Vorschlags zum schon erwähnten PFAS-Ban der schwedischen Delegation.

Es gibt viele Experten für chemische Belange, aber nur wenige Menschen, die solch fundiertes Wissen über die Auswirkungen von Chemikalien auf Mensch und Umwelt vereinen wie Stefan. Außerdem hat er solide Kenntnis darüber, wie Chemikalien konkret in verschiedenen Herstellungsprozessen verwendet werden.

Stefan Posner wird oft von anderen Forschern aus einer großen Reihe von Veröffentlichungen zitiert. Was aber vielleicht noch wichtiger ist: Seine Werke werden von einer breiten Gruppe von Forschern und Anwendern von Chemikalien in der Industrie gelesen. Seine Stimme ist somit sehr einflussreich.

Was nun?

Was kann jeder Einzelne tun, um sich und die Umwelt zu schützen?

  • In der Gemeinde anfragen, ob das Trinkwasser auf PFAS getestet wird und vermeiden, mit PFAS kontaminiertes Wasser zu trinken.
  • Take-Away Verpackungen vermeiden.
  • PTFE beschichtete Pfannen und Küchenutensilien vermeiden, und auf rostfreien Stahl oder Gusseisen umsteigen.
  • Regenbekleidung ohne PFAS wählen.
  • Mit PFAS beschichtete Regenbekleidung nur so oft wie unbedingt nötig waschen, um die Funktion zu erhalten, da Fasern und ungebundene Reste dieser Chemikalie durch das Waschen ins Abwasser gelangen können.
  • Produkte wählen, die nicht mit PFAS behandelt wurden und bei der Option für eine Behandlung z.B. gegen Schmutz bei neuen Möbeln und Teppichen darauf verzichten.
  • Bei Händlern und Herstellern nach Information über die Produkte und ihre Zusammensetzung fragen.

Weitere Infos zum Thema:

Du möchtest mehr über PFAS erfahren? In unserem aktuellen Blog-Beitrag haben wir alles Wissenswerte für dich zusammengestellt.