Endlich Schluss mit der Verbrennung von nicht verkaufter Kleidung?

Die Europäische Union steht kurz vor der Verabschiedung der neuen Ökodesign-Richtlinien. Währenddessen einigten sich ihre Mitgliedstaaten am 22. Mai 2023 darauf, die Beseitigung von nicht verkaufter Kleidung zu verbieten.

Die Textilindustrie ist für ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in der Europäischen Union verantwortlich. Die Zunahme des Online-Shoppings trägt entscheidend dazu bei. Fast sechs Millionen Tonnen an Kleidung, Schuhen und Accessoires (etwa 11 Kilogramm pro Person) werden jährlich in der EU entsorgt. Die Europäische Kommission schätzt, dass nur ein Viertel dieser Menge recycelt wird. Waren, die von den Käuferinnen und Käufern an die Geschäfte zurückgegeben werden, können oft nur kompliziert und kostspielig verarbeitet werden und landen daher meist auf der Mülldeponie oder werden verbrannt.

Entsorgung als weitreichendes Umweltproblem

Die Europäische Kommission hat im März letzten Jahres einen ersten Vorschlag für modernisierte Ökodesign-Richtlinien vorgelegt. In ihrem Entwurft stellten die ExpertInnen fest, dass “die Beseitigung von nicht verkauften Konsumgütern wie Textilien und Schuhen” zu einem “weitreichenden Umweltproblem” geworden ist. Die Kommission untersagte jedoch zunächst nicht ausdrücklich die Vernichtung unverkaufter Textilien, sondern verpflichtete große Unternehmen stattdessen dazu, die Mengen an ausrangierten Textilien zu melden. Die Verbote sollten aber erst nach einem Bewertungszeitraum von bis zu drei Jahren in Kraft treten. Der jüngste Schritt der EU-Regierungen, auf den sich das EU-Parlament und der Rat im Dezember geeinigt haben, sieht nun vor, dass das Beseitigungsverbot für Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten ab sofort gelten soll. Mittleren Unternehmen wird eine Übergangsfrist von vier Jahren eingeräumt. Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten sind von den Verboten ausgenommen.

Kritik und Zuspruch

Die sofortige Umsetzung der Verbote würde die Bemühungen der EU zur Eindämmung von Abfällen und zur Verringerung ihrer Umweltauswirkungen beschleunigen. Doch einige  Branchenführende und PolitikerInnen haben ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass zu viele Umweltvorschriften die europäische Wirtschaft massiv schwächen. Die Kosten für das Recycling oder die Verarbeitung von Textilabfällen könnten in ihren Augen auch die Preise für die Verbraucher in die Höhe treiben. Eine deutsche Europaabgeordnete, Delara Burkhardt, unterstützte die Gesetzgebung jedoch mit folgenden Worten:

“Die VerbraucherInnen allein können den globalen Textilsektor nicht durch ihre Kaufgewohnheiten reformieren. Wenn wir dem Markt erlauben, sich selbst zu regulieren, öffnen wir die Türen für ein Fast-Fashion-Modell, das Menschen und die Ressourcen des Planeten ausbeutet. Die EU muss die Hersteller und großen Modefirmen gesetzlich verpflichten, nachhaltiger zu wirtschaften. Die Menschen und der Planet sind wichtiger als die Profite der Textilindustrie”.

Unverkaufte Waren – wie läuft’s bei Globetrotter?

“Bei Globetrotter werden grundsätzlich keine unverkauften Waren weggeworfen, sondern diese gehen in den Sale,  ins Outlet, ins 2nd Chance Programm und in Ausnahmefällen werden Artikel gespendet.”

Philipp Gramse, Senior Product Lifecycle Manager

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