Die zehn schönsten Rodelbahnen Deutschlands

Ein Schlitten, zwei Kufen und ganz viel Spaß: Beim Rodeln kommen Alt und Jung auf ihre Kosten. Wir stellen zehn Strecken vor, von einfach und familientauglich bis sportlich für Könner.

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Viel braucht es nicht für ein Rodelabenteuer im Winterwunderland: Ein Schlitten, warme und wetterfeste Kleidung, stabile Schuhe mit rutschfester Sohle, Helm und Skibrille. Rodeln ist nicht nur was für Kinder, sondern längst ein echter Trendsport mit entsprechender Infrastruktur in den Skigebieten. Naturgemäß ist das Angebot an Rodelbahnen im Süden der Republik am größten, dort wo die imposanten Alpen ein spektakuläres Panorama bieten und die beste Schneesicherheit versprechen. Doch auch in den Mittelgebirgen geht es bei passenden Wetterbedingungen rasant zu Tale.


Stefan Herbke

1. Berchtesgadener Alpen: Ramsau/Hirscheckblitz

Länge: 2,3 km
Höhenunterschied: 360 m
Anforderung: schwer
Aufstieg: Sesselbahn
Infos: www.hochschwarzeck.info

Mit der gemütlichen Doppelsesselbahn erst bergauf, oben die Aussicht auf die Berchtesgadener Alpen mit dem König Watzmann bewundern und dann rasant bergab. In dieser Reihenfolge starten Rodler einen kurzweiligen Schlittentag auf einem der schönsten Aussichtsberge Berchtesgadens. Bei der Trassenführung der knapp zweieinhalb Kilometer langen Rodelbahn Hirscheckblitz hat Rodellegende Georg Hackl mitgewirkt, entsprechend sportlich sind bereits die ersten Meter. Das Gefälle wechselt ständig zwischen 14 und 22 Prozent, die Kehren sind bestens abgesichert und der Auslauf gleich neben der Talstation der Hirscheck-Sesselbahn groß genug, um sicher abzubremsen.


2. Chiemgauer Alpen: Reit im Winkl/Hindenburghütte

Länge: 4 km
Höhenunterschied: 475 m
Anforderung: mittel
Aufstieg: Taxi
Infos: www.hindenburghuette.de

Das malerische Reit im Winkl ist ein sonnenverwöhntes Schneeloch, die Winklmoosalm mit ihrem Skigebiet der Hauptanziehungspunkt und die Hemmersuppenalm oberhalb des Ortsteils Blindau das malerische, ruhige Pendant. Mehrere präparierte Wanderwege und Loipen führen über das sonnige Hochplateau, das lediglich zu Fuß oder mit dem regelmäßig verkehrenden Kleinbus zur Hindenburghütte erreicht werden kann. Ein Höhepunkt ist die sportliche Rodelstrecke von der Hindenburghütte über die Gschwendalm nach Blindau, auf der früher sogar Rodelmeisterschaften stattfanden. Ohne Flachstücke saust man auf den langen Geraden talwärts, nur beim steilen Auftakt und bei der Gschwendalm bremsen scharfe Kurven den Vorwärtsdrang. Die Rodelbahn mit ihrem steilen Finale wird ab Mittag freigegeben und kann etwa stündlich befahren werden. Dazwischen wird die Straße immer wieder gesperrt, damit die Kleinbusse neue Rodelfreunde gefahrlos nach oben transportieren können.


Alles, was do sonst noch zum Rodeln brauchst, findest du hier.


3. Bayerische Voralpen: Oberaudorf/Brünnsteinhaus

Länge: 3,5 km
Höhenunterschied: 720 m
Anforderung: schwer
Aufstieg: 2:30 h
Infos: www.bruennsteinhaus.de

Der Brünnstein mit seinem felsigen Gipfelaufbau ist ein markantes bayerisches Gipfelziel und hat eigentlich ganzjährig Saison. Zumindest auf der Route bis zum Brünnsteinhaus, denn die Straße von Mühlau hinauf zur Alpenvereinshütte wird im Winter präpariert und verwandelt sich dann in eine äußerst steile Rodelbahn, die sicherlich zu den anspruchsvollsten Strecken Bayerns zählt. Der gut zweistündige Anstieg ist anfangs eher eintönig, doch sobald man kurz unterhalb der Hütte den Wald verlässt, wird man durch den grandiosen Ausblick mehr als entschädigt. Wer seinen Schlitten nicht raufziehen mag, der kann sich am Brünnsteinhaus gegen eine Gebühr von fünf Euro einen ausleihen. Und dann geht es überaus rasant zurück ins Tal, wobei natürlich aufgrund der Fußgänger auf der Strecke und der Steilheit entsprechend vorsichtig gefahren werden muss.

Tipp: Mittwochs gibt es einen Rodelabend mit Kaiserschmarrn (16–21 Uhr). Am besten rechtzeitig reservierten und keinesfalls die Stirnlampe vergessen.

Michael Neumann

Rodeln, aber sicher!

Schlittenfahren ist im Prinzip eine einfache Sportart. Dennoch gilt es einige Regeln zu beachten, damit man gesund unten ankommt.

  1. Ausrüstung: Wasserdichte, warme Winterbekleidung (hier geht’s zur Kaufberatung Lagenprinzip) und Handschuhe schützen vor Kälte und Nässe, auf den Kopf gehört ein Helm mit Skibrille. Mit stabilen, rutschfesten Winterstiefeln bremst es sich besser. Der Schlitten sollte stabil sein. Breite Kufen sinken im weichen Schnee nicht so schnell ein, allerdings ist man mit ihnen auch schneller unterwegs.
  2. Rücksichtnahme: Jeder sollte sich so verhalten, dass kein anderer gefährdet wird. Die entsprechenden Verhaltensregeln auf der Rodelbahn gilt es zu beachten.
  3. Aufstieg: Sofern es keinen Lift gibt, sollte man stets am inneren Rand der Rodelbahn aufsteigen und darauf achten, dass der Rodel nicht in die Bahn rutscht. Positiv: Bereits beim Anstieg kann man sich knifflige oder gefährliche Stellen einprägen.
  4. Abfahrt: Passe dein Tempo den Bahn-, Schnee- und Sichtverhältnissen sowie deinem Fahrvermögen an. Rechne immer mit Hindernissen (gestürzte Rodler, kreuzende Wanderer oder Skifahrer). Unbedingt sitzend rodeln, keinesfalls auf dem Bauch liegend, da so der Schlitten nicht zu kontrollieren ist.
  5. Anhalten: Bleibe nie an engen oder unübersichtlichen Stellen stehen. Im Falle eines Sturzes muss eine solche Stelle so schnell wie möglich verlassen werden.
  6. Anfahren: Vergewissere dich nach oben und unten, ob die Bahn frei ist.
  7. Skipisten: Sind tabu. Ausnahme: In wenigen Fällen gibt es eine Doppelnutzung auf kurzen Distanzen, die allerdings beschrieben ist und entsprechende Rücksichtnahme erfordert.
  8. Hilfeleistung: Bei Unfällen ist jeder zur Hilfeleistung verpflichtet.
  9. Hunde: Tiere haben auf der Rodelbahn nichts verloren. Hunde sind bei Aufstieg und Abfahrt schwierig zu führen, es besteht große Kollisionsgefahr.
  10. Alkohol: Wer Rodeln geht, muss sich warm anziehen. Alkohol taugt dazu aber nicht und verringert zusätzlich die Reaktionsfähigkeit.

4. Bayerische Voralpen: Rottach-Egern/Wallberg

Länge: 6,5 km
Höhenunterschied: 830 m
Anforderung:
schwer
Aufstieg:
Gondelbahn
Infos:
www.wallbergbahn.de

Seitdem am Wallberg nicht mehr die Pisten, sondern ausschließlich die mit 6,5 Kilometern längste Naturrodelbahn Deutschlands präpariert wird, hat sich der einst legendäre Skiberg in Bayerns beliebtesten Rodelberg verwandelt. Doch vor dem Rodeln steht der Panoramablick: Die Fernsicht auf die Gipfel der Bayerischen Alpen bis hin zur Zugspitze ist immer wieder ein Genuss – was auch dem fotogenen Vordergrund mit dem Wallberg-Kircherl zu verdanken ist. Wer sich an der Kulisse satt gesehen hat, der setzt sich auf seinen Schlitten und lässt es laufen. Schon nach wenigen Metern wartet die erste scharfe Linkskurve, dann geht es in rasanter Fahrt auf der hier breit gewalzten Bahn zum Wallberghaus. Dort beginnt der anspruchsvollste Teil der Rodelbahn: Enge Passagen und Kurven verlangen vorausschauendes und rücksichtsvolles Fahren. Zum Finale rodelt man auf der breiten, nur sanft fallenden Wallbergstraße entspannt ins Ziel.


Stefan Herbke

5. Ammergauer Alpen: Bad Kohlgrub/Hörnle

Länge: 4,5 km
Höhenunterschied: 450 m
Anforderung:
mittel
Aufstieg:
Sesselbahn
Infos:
www.hoernlebahn.de

Wer Wintersport anno dazumal erleben möchte, der muss nur einmal zum Hörnle kommen. Das Familienskigebiet am Hausberg von Bad Kohlgrub hat alle technischen Innovationen im Liftbau unbeschadet überstanden und präsentiert heute eine Sesselbahn, die eine absolute Rarität ist. Die raffinierte Technik dieses Fossils wird einem erst beim Ausstieg richtig bewusst: Helfer klappen die Sessel elegant zur Seite, während man selbst einfach stehen bleibt. Das klappt nicht immer, zu gewohnt ist der Reflex möglichst schnell die Ausstiegsstelle zu verlassen… Nur wenige Schritte sind es zur kleinen Hörnlehütte, vor der die wenigen Plätze auf der Terrasse schnell gefüllt sind. Ein paar Schritte mehr sind es bis zum Start der Rodelbahn, die in weiten Serpentinen durch die bewaldeten Hänge des Hörnle talwärts führt. Nur ein längeres Flachstück unterbricht den Fahrspaß, danach läuft es wunderbar bis zur Talstation.


6. Allgäuer Alpen: Steibis/Imbergbahn

Länge: 2 km
Höhenunterschied: 300 m
Anforderung: leicht
Aufstieg: Gondelbahn
Infos: www.imbergbahn.de

Oberstaufen kennen viele nur als heilklimatischen Kurort –mit dem einzigen Schroth-Heilbad Deutschlands –, seine Qualitäten als Wintersportort werden dagegen leicht übersehen. Dabei gruppieren sich mehrere Skigebiete um den Ort, es gibt ein großzügiges Loipenangebot, viele geräumte Winterwanderwege und eine gemütliche Rodelbahn am Imberg. Dort schwebt man schnell und komfortabel mit Achtergondeln zum Imberghaus – und genießt oben den schönen Panoramablick auf die tief verschneite Nagelfluhkette. Die ist nicht zu übersehen, während sich der Start der Rodelbahn etwas versteckt. Am besten folgt man den Skifahrern und quert vorsichtig oberhalb des Imberghauses in Richtung der Schneilanzen.

Ab hier ist die Orientierung einfacher: Parallel zur Piste des Nordlifts verläuft die eher gemütliche Rodelbahn, wobei man zwischendurch auch einmal den Schwung mitnehmen muss, um ein Flachstück zu überbrücken. Eine kreuzende Piste quert man besser zu Fuß, danach geht es weiter auf der breit gewalzten Strecke, die teilweise auch von Skifahrern genutzt wird. Zum Abschluss kann man es noch einmal richtig laufen lassen, allerdings mit der nötigen Vorsicht: Auch der Schlusshang wird von Skifahrern genutzt – und das bedeutet neben viel Gedrängel auch entsprechend große Buckel.


HAHNENKLEE tourismus marketing GmbH

7. Harz: Hahnenklee/Bocksberg

Länge: 1,5 km
Höhenunterschied: 164 m
Anforderung: leicht
Aufstieg: Gondelbahn
Infos: www.erlebnisbocksberg.de

Der traditionsreiche Kurort Hahnenklee ist so etwas wie das Arosa des Harzes. Hotels mit teils alpinem Touch gruppieren sich um einen zugefrorenen See, auf dem Schlittschuhläufer ihre Runden drehen und vom Ortszentrum zielt eine Gondelbahn auf den höchsten Gipfel im weiten Rund der Höhen. Natürlich handelt es sich eher um eine Miniaturausgabe des berühmten Schweizer Ferienortes, denn der von einem riesigen Sendemast gekrönte Waldrücken des Bocksbergs misst nur 726 Meter Seehöhe – und die Gondeln, die auf seinen Gipfel schweben, fassen gerade mal zwei Personen. Dafür sind es von Hannover gerade mal 70 Minuten bis zur Talstation der Gondelbahn und der Bocksberg bietet mit der rund eineinhalb Kilometer langen Rodelstrecke die zweitlängste Naturrodelbahn des Harzes. Wobei Unentwegte auch abends schlitteln können, jeden Samstag wird die Bahn bis 21.30 Uhr beleuchtet.


8. Erzgebirge: Oberwiesenthal/Fichtelberg

Länge: 1,7 km
Höhenunterschied: 225 m
Anforderung: mittel
Aufstieg: Seilbahn
Infos: www.fichtelberg-ski.de

Der direkt an der Grenze zu Tschechien gelegene Wintersportort ist umgeben von sanften Hügeln, die in den Wintermonaten regelrecht mit Schnee und Raureif zugekleistert sind. Sehenswert, genauso wie die Fichtelberg Schwebebahn, die seit dem Jahr 1924 Ausflügler und Skifahrer auf den 1214 Meter hohen Oberwiesenthaler Hausberg bringt. Da die Beförderungskapazität der nostalgischen Seilbahn allerdings beschränkt ist, führt seit einigen Jahren parallel dazu eine kuppelbare Vierersesselbahn auf den traumhaften Aussichtsberg, von dem man an klaren Tagen bis zur Schneekoppe im Riesengebirge sieht.

Oberwiesenthal bietet die komplette Palette des Wintersports an, wobei Rodeln hier auf eine lange Tradition zurückblickt. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Bau- und Brennmaterial, später auch Gäste, auf speziellen Hörnerschlitten zu Tale befördert. Und heute lockt die am Fichtelberg startende, bestens beschilderte und gut abgesicherte Rodelbahn, bei der Gefahrenstellen rechtzeitig angekündigt werden. Die Strecke ist auch für Familien geeignet, obwohl sie eine Steilstelle aufweist – auf 25 Meter Länge beträgt das Gefälle beachtliche 30 Prozent.


Stefan Herbke Märchenhaft: Mit Raureif an den Bäumen ist die Rodelpartie am Geißkopf gleich dopplet so schön.

9. Bayerischer Wald: Bischofsmais/Geißkopf

Länge: 2km
Höhenunterschied: 260 m
Anforderung: mittel
Aufstieg: Sesselbahn
Infos: www.geisskopf.de

Kleiner Berg, großes Angebot – der 1097 Meter hohe Geißkopf bei Bischofsmais ist sowohl im Sommer als auch im Winter das perfekte Ausflugsziel. Einer der Anziehungspunkte ist neben den Pisten, dem Snowpark und den Loipen die familienfreundliche Rodelbahn. Sie schlängelt sich bestens präpariert durch den verschneiten Bergwald. Bergauf geht es ganz komfortabel mit einer modernen Sechsersesselbahn – die vielen noch bekannte nostalgische Einersesselbahn wurde nach über 50 Betriebsjahren im Winter 2020 in den Ruhestand versetzt. Bei der Bergstation sind es nur wenige Meter bis zum Start der Rodelbahn, die breit gewalzt durch den Wald führt. Insgesamt eine eher leichte Strecke, wobei einige Kurven und kurze, aber problemlos zu fahrende Steilstücke für etwas Nervenkitzel sorgen.


10. Schwarzwald: Todtnauer Hütte/Feldberg

Länge: 3,2 km
Höhenunterschied: 225 m
Anforderung: leicht
Aufstieg: 45 Minuten
Infos: www.feldberg-loipen.de

Mit 1493 Metern Höhe ist der Feldberg der höchste Berg Deutschlands außerhalb der Alpen. An klaren Tagen reicht der Blick bis zu den Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau – und wer Glück hat, der erkennt sogar ganz weit weg den Mont Blanc. Die hochalpine Kulisse bietet den großartigen Kontrast zu den sanften Bergrücken des Schwarzwalds, die über einem dunklen Mantel aus dichten Wäldern einen leuchtend weißen Schneesaum tragen. Südwestlich der Kuppe des Feldbergs steht mit der Todtnauer Hütte (1316 m) der höchstgelegene Berggasthof im Schwarzwald, der im Winter nur zu Fuß oder mit Ski erreicht werden kann – und ein beliebtes Ziel für Rodelfreunde ist. Wem die gut drei Kilometer Strecke bis zum Parkplatz in der Haarnadelkurve »Rotenbacher Rank« nicht ausreicht, der startet am besten ganz oben auf dem Feldberg. Zusammen mit dem einen Kilometer langen Gipfelweg ergibt sich die längste Naturrodelmöglichkeit des Schwarzwaldes.


Die schönsten Rodelbahnen

Der »Rodelatlas – 75 Schlittenbahnen in Deutschland und den Alpen« (Bergbild-Verlag, 14,95 €), stellt besonders empfehlenswerte Rodelbahnen vor. Wichtige Informationen zu Anfahrt, Länge, Anforderungen und Einkehrmöglichkeiten sowie eine Übersichtskarte ergänzen jeden Rodelbahntipp.

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Text: Globetrotter/Stefan Herbke
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