Deutschland, Wintermärchen

Kilian Schönberger hat sich auf die Suche nach dem Winter in deutschen Wäldern und Kulturlandschaften gemacht. Er kann berichten: Man findet ihn noch!

Ein richtiger Winter bringt Minustemperaturen, Schnee und Eis. Jedoch gab es zuletzt immer wieder Jahre, in denen der Winter selbst in den Mittelgebirgen zu wünschen übrig ließ. Der Klimawandel lässt die Durchschnittstemperaturen steigen. Gleichzeitig treten aber Extremereignisse auf, wie etwa die immensen Neuschneemengen in den Nordalpen zu Beginn des Jahres 2019.

Bayerischer Wald: Der Winter 2018/19 war in seiner Intensität außergewöhnlich und verwandelte die Hochlagen in einen Wintertraum wie in Lappland.

Der Winter ist eine Diva geworden. In den Mittelgebirgen unterhalb ca. 800 Metern bleibt er auch mal ganz aus. Wer die weiße Pracht außerhalb der Hochlagen erleben will, muss spontan reagieren, sobald sich der eisige Griff um eine Region schließt. Nur direkt nach einer Schneefront zeigt sich die Landschaft wirklich märchenhaft, dann locken schneebedeckte Wälder und tief verschneite, unberührte Felder. Mein Stammrevier ist der Bayerische Wald, unter dickem Raureif erstarren dort die Borkenkäferwälder zu bizarren Skulpturen. An der bayerisch-böhmischen Grenze habe ich Temperaturen bis fast – 40 °C und mehr als drei Meter Schnee erlebt. Aber auch im Schwarzwald, Erzgebirge und auf dem Brocken im Harz liegt fast in jedem Jahr meterhoher Schnee. Der Winter in den Mittelgebirgen bietet ganz andere Reize als in den Alpen. Gibt es etwas Schöneres als eine Schneeschuhtour durch den Winterwald  – weit weg von Lawinen und Steilhängen? 

In vielen anderen Regionen in Deutschland ist Schnee keine Selbstverständlichkeit mehr, nur wenn man die richtigen Bedingungen abwartet, lässt sich dort noch Winter erleben. Einige Tage im Jahr zeigt sich dann zum Beispiel das relativ niedrig gelegene Elbsandsteinge­birge märchenhaft verschneit. Auch den Rotweinwanderweg im Ahrtal bin ich mal als »Eisweinwanderweg« gelaufen. Zu Hause in Köln dagegen hält die weiße Pracht manchmal nur wenige Stunden. Aber je vergänglicher diese Momente sind, desto intensiver erleben wir sie auch.

Ostseeküste: Auch die Küste ist immer wieder für Wintereinbrüche gut. Die Kulturlandschaft erinnert dann fast an Tuschezeichnungen.
Siegerland: Schwarz-weiß zeigt sich das Fachwerk von Freudenberg das ganze Jahr. Doch leichter Schneefall verstärkt die grafische Anmutung.
Oberpfälzer Wald: Ein Geheimtipp unter den Mittelgebirgen. In Höhenlagen bis zu 900 Meter finden hier Winterwanderer und Langläufer häufig Schnee und Ruhe.
Voralpenland: Raureif verzaubert die Landschaft um den Kochelsee. Über dem Winterwunderland erhebt sich der Gipfel des Heimgartens.

Kilian Schönberger

Der Diplom-Geograf arbeitet seit 2012 als freier Landschaftsfotograf. Wald, Berge und Nebel sind seine großen fotografischen Themen. Kilian wurde 1985 in der ostbayerischen Oberpfalz geboren, lebt heute in Köln und arbeitet vor allem in Mitteleuropa und im Alpenraum. Arbeiten findet ihr unter­­ @kilianschoenberger auf Instagram.


Text: Julian Rohn
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