Der Bulli Erwin is back

Nach ihrem Roadtrip quer durch Europa haben Peter Gebhard und Bulli »Erwin« die Magie der Vulkaninsel Island erfahren – mit 44 PS.

Warum wieder Island? Seit meiner ersten Reise im Sommer 1984 hat es mich 34-Mal auf die Vulkaninsel gezogen. Meine Freunde hielten mich für reichlichexzentrisch, als ich das erste Mal nach Island flog: Regen, Sturm, Islandtief und teuer noch dazu. Und sie behielten mit ihrer Skepsis (teilweise) recht. Tatsächlich genoss ich während meiner ersten Islandreise etwa acht Stunden Sonnenschein – nicht pro Tag, sondern in drei Wochen! Doch trotz des ungemütlichen Wettersinfizierte ich mich damals für immer undewig mit dem Islandfieber, erlebte ichdoch unzählige Momente von betörender Schönheit und Intensität: mutterseelenallein an den Vogelklippen in den West-fjorden, eine dramatische Lichtstimmung nach einem Wolkenbruch in den farbigen Vulkanlandschaften von Landmannalaugar, in einer hellen Nacht in einem Naturpool direkt an der Nordmeerküste …
Seitdem reise ich fast jedes Jahr nach Island. Als Student besaß ich kein Geld, aber viel Zeit. Also trampte ich, entschleunigte auf diese Weise mein Reisenund lernte so immer mehr beeindruckendeBewohner dieser außergewöhnlichen Insel kennen, die mit einer Mischung aus Hartnäckigkeit und Improvisation seit über 1000 Jahren den harten Wetter- und Lebensbedingungen des hohen Nordens erfolgreich trotzen.

»Der Bulli verbindet – überall, wo wir auftauchen, ergeben sich ganz von selbst interessante Begegnungen mit den Isländern.«

Im Land des Huh

Mittlerweile ist der Geheimtipp »Island« Jahr für Jahr bekannter geworden und selbst für asiatische Touristen zum Trendziel avanciert. Vom unberechenbaren Wetter der Vulkaninsel lassen sich Besucher kaum mehr abschrecken. Und selbst im dunklen arktischen Winter reißt der Besucherstrom nicht ab, weil die Aussichtauf flackernde Polarlichter immer mehr Touristen anlockt. Die beste PR-Aktion für Island war jedoch zweifellos die Fußballeuropameisterschaft 2016, bei der die Wikinger-Elf als krasser Außenseiter für Furore sorgte und die Herzen der Zuschauer gewann.

Auch wenn an den touristischen Hotspots im Süden des Landes inzwischen ganzjährig Hochbetrieb herrscht, so lassen sich auf Island doch immer noch fantastische Plätze entdecken – vorausgesetzt, man lässt sich Zeit. Island langsam und intensiv entdecken wie damals als Tramper – mit meinem Bulli ließ sich dieser Traum erfüllen. Auf großer Fahrt mit dem T1 stellt sich die Entschleunigung von ganz alleine ein. Das hatte ich bereits auf meiner vier Monate langen Europa-Tour von Istanbul zum Nordkap auf beeindruckende Weise erlebt. Doch Island stellt an Mensch und Maschine weitaus größere Herausforderungen. Schotterpisten mit kopfgroßen Schlaglöchern, Regenwände, Sturmböen, Eiseskälte bedeuteten nicht nur für den Oldtimer eine extreme Belastung. Als Fahrer sitzt man ständig in gebückter Haltung hinter dem riesigen Lenkrad, während die schmalen Reifen selbst den kleinsten Spurrillen folgen. Auf Island mussten mein Assistent Daniel und ich uns häufig Meter für Meter vorwärtskämpfen und der Bulli musste leiden: Der Schaltknüppelbrach, der Gaszug riss mitten im Hochland, Reifen gingen kaputt.

Doch warum die ganzen Strapazen? Es klingt banal, aber unterwegs in einem T1-Bulli sieht man die Welt mit anderen Augen. Zudem bewährte sich der kultige Oldtimer immer wieder als Sympathieträger und Türöffner für spannende Begegnungen. Und nicht zuletzt spielten auch fotoästhetische Gründe eine Rolle: Gerade bei den Drohnenaufnahmen reizte es mich, ein bisschen wie bei einem Suchspiel in einem Kinderbuch vorzugehen und mit dem Bulli als winzigem Fixpunkt die Größe und Erhabenheit derLandschaft darzustellen.

Text: Peter Gebhard
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