Patagonien: Das Tor zu Feuerland

Einen Monat ist es jetzt schon her, dass wir in Argentinien angekommen sind. Mittlerweile zählt der Kilometerzähler von unserem kleinen Oliver knapp 4500 Kilometer mehr, unzählige ungeplante Übernachtungen in der patagonischen Prärie und viele Abenteuer haben wir erleben dürfen. Jetzt sind wir fast am Ende unserer Reise angekommen, doch ein großes Erlebnis steht uns noch bevor: Die Isla Magdalena. 

Eine kleine unbewohnte Insel inmitten der Magellanstraße, lebenswichtiges Brutgebiet und Tummelplatz für viele Vogelarten. Die kleinen, etwas tollpatschigen Magellan-Pinguine haben dort eines ihrer wichtigsten Wohnzimmer.  

Angekommen: Punta Arenas

Angekommen in Punta Arenas, heißt es erst einmal durchschnaufen, so viele Abenteuer und kaum zählbare Geschichten, die wir hier, an einem der abgelegensten Orte der Welt, erlebt haben. Wir buchen uns in ein ganz traditionelles Hotel mit atemberaubendem Blick auf das Meer ein. In der Lobby angekommen sehen wir, dass noch nicht wirklich was los ist. Punta Arenas ist ganz klar im Winterschlaf, man merkt, die Saison hat gerade erst begonnen. Überall sind noch Handwerker unterwegs, vieler Orts werden Kleinigkeiten repariert und ausgebessert, um dann, wenn es losgeht, Patagonien in seiner vollen Pracht zu zeigen.  

Eine nette Dame in traditioneller Kleidung nimmt uns direkt die schweren Rucksäcke ab und zeigt uns das von uns gebuchte Zimmer. Die ganze Plagerei aus den letzten Wochen und der Stress, den man sich gemacht hat, um den Zeitplan einhalten zu können, haben eindeutig ihre Spuren hinterlassen. Doch als ich so im Bett liege, fallen die ganzen Sorgen von mir ab. Endlich keine Eile mehr. Ich muss sagen, der Anfang einer Reise ist zwar schön, man ist noch voller Aufregung auf das Abenteuer und freut sich auf das, was passieren wird. Ich persönlich freue mich am Ende jedoch immer am Zielort anzukommen.  

»Ein langer Tag geht zu Ende, doch in mir brennt bereits die Vorfreude auf den Nächsten: Isla Magdalena wir kommen!«

Überfahrt mit Walunterricht

Wir schnappen uns unsere am Vorabend gepackten Rucksäcke, schlupfen in die wasserdichten Schuhe und machen uns auf den Weg zum Touristenbüro, wo wir am Vortag die Tour gebucht haben. 

In der Lobby warten schon einige Menschen, welche wie wir auf die Insel wollen. Aufgeteilt in zwei Gruppen steigen wir in den Autobus ein, welcher uns zum Pier bringen soll. Nach einer 30-minütigen Fahrt kommen wir dann auch endlich an. Eilig springen wir aus dem Bus und betrachten unser Boot für die Überfahrt. Das rote Speedboot aus Fiberglas ist mit Westen, Lichtern und allerlei anderen nützlichen Sachen für den Notfall gewappnet, sodass man sich auf jeden Fall sicher fühlt. Es gibt eine Plattform an der frischen Luft und einen Innenbereich mit Sitzplätzen und einer gläsernen Umrandung, dass man auch von dort die See betrachten kann. Wir steigen mit den anderen Fahrgästen an Board und suchen uns einen Platz aus.

Los gehts, raus auf die raue See. Geschwind verstaue ich meinen Rucksack, schnalle mir mein Tele-Objektiv an den Gürtel, nehme die Kamera in die Hand und schwanke auf das Bootsdeck. Draußen geht ein heftiger Wind, immer schmeckt man Salz von der Gischt, welche einen um die Ohren fliegt. Wir werden langsamer, alle paar Minuten kommen mehr Leute raus auf das Deck. Der Kapitän gibt uns das Signal, dass er etwas sieht. Alle Augen auf die See, sind es Wale oder Haie? Manche der anderen Fahrgäste stoßen schon überraschte und begeisterte Laute aus während ich noch wie wild die Wasseroberfläche absuche.  

Doch dann sehe ich sie auch, eine kleine Walschule schwimmt rechts von uns langsam und gemächlich vor sich hin. Ein wahrhaft bezauberndes Naturschauspiel. Das Boot fährt gemächlich über die Wellen und wir haben die Möglichkeit, alles nach Herzenslust zu fotografieren. Als alle ihre Fotos im Kasten haben, fahren wir wieder schneller weiter in Richtung Isla Magdalena. Die Fahrt dauert nicht mehr lange und bald legen wir am etwas provisorisch aussehenden Steg an.  

Faszination: Isla Magdalena

Aus der Ferne kann man schon die Vielzahl an Tieren, Pinguine und unzählige Vogelarten erkennen. Schnell schlüpfen wir aus den Schwimmwesten, schnappen uns die zuvor gut verstauten Rucksäcke und gehen von Bord. Auf der Insel angekommen erhalten wir noch Instruktionen, wie man sich zu verhalten hat. Man soll allzeit einen Abstand von 2 Metern zu allen Tieren halten.

»Pinguine haben immer Vorfahrt und wenn sich mal ein kleines Wollknäuel direkt auf den Weg legt, muss man eben so lange warten, bis er von selbst weiter geht. Das Wichtigste ist, dass wir Menschen Gäste auf der Insel sind und das Ökosystem so gut wie möglichst unberührt lassen.«

So gehen wir also als kleine Menschentraube einen schmalen Pfad entlang. Überall um uns herum flitzen Pinguine hin und her. Immer wieder hält man an, schießt Bilder und genießt die faszinierende Aussicht. Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir einen Leuchtturm, welcher gleichzeitig auch als Forschungsstation fungiert. Von dort aus kann man fast die gesamte Insel überblicken. Man merkt schnell, dass das Ökosystem des kleinen Eilands sehr fragil ist und man hier als Gast stark aufpassen muss. Nach weiteren 30 Minuten sind wir zurück am Bootssteg. Dort wird kurz durchgezählt, dann geht es wieder auf das kleine Speedboot, wo wir erneut die Westen anziehen und die Rucksäcke fest verzurren. Mittlerweile ist das Meer etwas unruhig geworden. Auf dem Weg zur nächsten Insel, der Isla Marta werden wir kräftig durchgeschaukelt. Die Gischt spritzt meterhoch in die Luft und ich bin froh, dass wir sicher im inneren des Bootes sitzen. Auf Isla Marta angekommen erwartet uns ein bezaubernder Anblick.  

Weiter geht es zur Isla Marta

Über tausend patagonischen Seelöwen sowie zahlreiche Vogelarten, darunter Kormorane, große Raubmöwen, Dickschnabelmöwen und antarktische Möwen bereiten uns einen lautstarken Empfang. Alle huschen jetzt schnell auf das Bootsdeck, um einen besseren Blick auf dieses einzigartige Naturschauspiel zu haben.

Dort beobachten und fotografieren wir eine ganze Weile diese Schar an Tieren. Nach etwa 15 Minuten gibt es ein Signal des Kapitäns. Es geht heimwärts. Also wieder alle unter Deck. Das Prozedere kennen wir ja schon. Eine Bootshelferin schnappt sich das Mikrofon und warnt uns vor, dass es jetzt um einiges ungemütlicher wird. Denn den Rückweg treten wir mit Vollgas an. Also gut festhalten. Diese Boote haben nicht umsonst den Namen Speedboot. Das merke ich jetzt sehr deutlich. Ich werde grün wie eine Alge und verbringe die meiste Zeit damit, meinen Magen davon zu überzeugen, das Essen doch bitte unten zu behalten. Nach einer schier endlosen Fahrt sieht man endlich Land und das Wasserfahrzeug wird merklich langsamer. Geschafft und das ohne den anderen Passagieren mein Frühstück zu präsentieren. 

Erleichtert hüpfen wir aus dem Boot, blicken noch einmal stolz zurück und machen uns dann auf den Weg zum Bus. Im Hotel angekommen nimmt sich jeder etwas Zeit für sich. Ich lasse die letzten Tage und Wochen Revue passieren. Denke viel über die gigantischen Erlebnisse, die schier endlosen Weiten des Meeres und unerreichbare Gipfel nach. So geht unsere Patagonienreise dem Ende zu. Geprägt von Abenteuern und atemberaubender Natur. 

Text: Florian Hörath
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