Das Haus im Schnee – Iglobauen

Fünf Monate Frost und jede Menge Niederschlag: Der Harz ist das ideale Revier für eine Nacht im Iglu. Wir zeigen dir, wie du es baust.
Fotolia Der Lohn der Mühen: Ein sturmfestes Refugium unter dem Wintersternenhimmel.

Wenn die Winterwanderung in die Verlängerung geht, schlagen nicht nur Kinderherzen höher. Die Nachspielzeit beginnt, wenn sich Fuchs und Hase schon gute Nacht gesagt haben und alle anderen Ausflügler längst auf dem Heimweg sind. Wobei das nicht die volle Wahrheit ist: Denn der eigentliche Iglubau beginnt nicht erst mit der Dämmerung – das Spielfeld, um im Fußballbild zu bleiben, muss schon weit vorher beackert werden, damit das Haus im Schnee rechtzeitig fertig wird.
Ein Iglu ist also nichts für eine spontane Nacht im Winterwald, der Bau ist zeitaufwendig und schweißtreibend, und wer nicht richtig plant, bekommt garantiert ein Platzproblem. Da stellt sich die Frage: Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt? Auf jeden Fall! Vor allem ist eine Nacht im Iglu ein großes Abenteuer. Sich selbst ein Refugium in der Natur zu schaffen, erfüllt nicht nur kleine Abenteu- rer mit Stolz. Obendrein überzeugt ein Iglu auch Performance-orientierte Häuslebauer: Selbst wenn draußen bei minus 20 Grad die Welt untergeht – drinnen bekommt man bei »kuscheligen« null Grad davon garantiert nichts mit, überragenden Schallschutz- und Dämmungseigenschaften sei Dank.
Aber trotzdem: All die Arbeit für nur eine Nacht? Wer das richtige Wetterfenster er- wischt (möglichst lange Dauerfrost), einen geschützten Standort wählt (wenig Wind und Sonneneinstrahlung) und zwischen- durch etwas nachbessert, der kann sein Iglu als Wochenendhaus auch länger nutzen.

Die Vorbereitung

Die wichtigste Zutat für ein Iglu ist natürlich Schnee. Im Harzer Winter stehen die Chancen auf genügend Baumaterial gar nicht schlecht, vor allem auf der Luvseite des Brockens gibt es regelmäßige und ergiebige Niederschläge (bis zu 1600 mm im Jahr). Wie es im Rest der Republik aussieht, zeigt die Karte auf der nächsten Seite.
Ist ein geeigneter Standort gefunden (Privat- grundstücke und Nationalparkgrenzen respektieren!), braucht es nur noch eine Schneesäge, viel Ausdauer und heiße Getränke. Die Schneedicke beträgt idealerweise mindestns einen halben Meter. Nördlich des Weißwurstäquators scheitern hieran wohl schon die meisten Iglubaumeister, doch es gibt Abhilfe. Mit einem großen quadratischen Gefäß lassen sich auch ohne ausreichende Schneedecke Quader formen und festigen. Der Standplatz sollte eben sein. Der Grundriss eines Iglus ist rund. Mittels eines Skistocks und eines Bandes lässt sich ein Kreis schlagen und im Schnee markieren. Probe liegen ist zu diesem Zeitpunkt angesagt, denn anbauen ist später nicht möglich. Ein Durchmesser von etwa zwei Metern hat sich für Hobby-Iglus bewährt. Der Schnee auf dem Standplatz wird platt getrampelt, damit später die Mauern nicht einsinken, sondern ein solides Fundament entsteht.

#1 DER BAUPLATZ
Im tiefen Schnee den Bauplatz abstecken: 2 m Durchmesser für ein 2er-Iglu, davor kommt der Eingangstunnel (2,5 m lang; 1,5 m breit). Die Fläche mit Schneeschuhen festtreten, 20 Min. warten, dann noch mal mit normalen Schuhen.

#3 DER ROHBAU
Da das Iglu als Spirale aufgebaut wird, müssen die ersten vier Blöcke dran glauben: Sie werden schräg abgesägt. Nun die erste Grundreihe errichten und die Blöcke nach innen lehnen. Einen besonders breiten Block über den Eingangstunnel legen.


#2 DAS BAUMATERIAL
Ein Loch vor dem Eingang graben, hineinstellen und Richtung Iglu-Mitte Blöcke schneiden (etwa 50 Stück; 60 cm breit, 45 cm tief, 20 cm dick). Dieser Graben wird später der Eingangstunnel. Im Graben zwei Blockebenen (90cm tief) ausschneiden, im Iglu selbst nur eine.

#4 DECKEL DRAUF
Bereits die unterste Reihe muss eine leichte Neigung nach innen haben, sonst wird es nichts mit der Kuppel. Je höher das Iglu wächst, desto gewagter muss die Neigung sein. Den letzten Block einfach über die Öffnung legen und von innen mit der Säge bearbeiten, bis er sich setzt.

Schritt für Schritt

Die Blöcke sollten etwa 60 mal 45 mal 20 Zentimeter breit sein. Achtung: Ein Quader wiegt jetzt um die 20 Kilo! Jetzt wird die erste Reihe Blöcke auf der Grundlinie aufgestellt.

fotolia Fitnessstudio? Iglubauer können darüber nur lachen!

Entscheidend ist, dass man schon die erste Reihe mit einer Innen- neigung (ca. 15 °) anlegt – nur so stützen sich die Blöcke gegenseitig und können später das Gewicht der Kuppel tragen. Viele Iglus scheitern daran, dass sie viel zu steil in die Höhe gebaut werden! Mit einem leichten Klaps werden die Blöcke verbunden und mit Schnee verkittet. Liegt nicht genug Schnee für einen vorher angelegten Eingangstunnel (siehe Grafik), wird der Erbauer im Iglu eingemauert. Das Iglu soll sich wie ein Schneckenhaus spiralförmig nach oben ziehen, dafür werden die ersten vier Blöcke der ersten Reihe schräg angeschnitten, sodass eine Rampe entsteht. Wenn nur noch ein kleiner Ausguck frei ist, wird der Dachstein gefertigt: Er wird einfach ein gutes Stück größer als das Loch gesägt und von außen aufgelegt. Der Eingeschlossene fräst den Block dann so lange ab, bis er passt und sich in das Loch senkt.

Nachdem alle Blöcke von innen und außen gut verputzt sind und nicht mehr verrutschen, kann man den »Gefangenen« befreien. Hierzu wird der Eingang möglichst weit unten in den »gewachsenen« Iglu-Schnee gegraben und mit einem Windgang geschützt.
Und jetzt? Aller Voraussicht nach sind die Kräfte dahin. Aber auch Fußballer steigen nach dem Spiel zur Regeneration in die Eistonne … also dann, gute Nacht!



Text: Philip Baues
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