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Der heiße Bruder des PCT

Auf dem Desert Trail durch die Wüsten der USA

Wer durchs Internet surft und nach möglichen wie unmöglichen Weitwanderungen sucht, stößt früher oder später auf Gerald Klamer und seinen Blog »Trekking Wild«. Mit Ausnahme der Antarktis hat der ehemalige Förster schon zehntausende Kilometer auf allen Kontinenten zurückgelegt. Darunter auch der legendäre »Desert Trail« in den USA, bei dem auf 2500 oft weglosen Kilometern der Name Programm ist. 2023 hat er ihn zusammen mit seiner Freundin Anke als erster Nicht-Nordamerikaner erwandert.  

Wer ähnliches plant oder sich einfach mal wegträumen möchte, besucht Geralds Vorträge in den Globetrotter-Filialen, alle Termine findet ihr am Ende dieses Blogposts. 

 


TEXT: Michael Neumann

FOTOS: Gerald Klamer

Schlammige Schuhe im Death Valley
Schlammige Schuhe im Death Valley

»Wir tragen Proviant für 10 Tage. Hinzu kommen je 6 Liter Wasser. Eigentlich viel zu wenig für die Hitze des Death Valleys, aber mehr können wir nicht tragen.«

54 Kilometer, 221 Höhenmeter, 42 Grad

Um der Hitze des Death Valley zu entgehen, wollen wir diese Etappe überwiegend nachts laufen. Bevor es losgeht, besuchen wir noch die winzige Post in Furnace Creek. Dorthin haben wir uns eine Paket mit Essen geschickt, da wir in den folgenden Wochen keine Möglichkeit zum Aufstocken unseres Proviants haben werden. Da wir für die heutige Etappe noch genügend Essen haben und wir so leicht wie möglich durch den »Glutofen« Death Valley laufen wollen, bitten wir darum, unser Paket noch einen Tag lang aufzubewahren. Kein Problem. Pünktlich um 11 Uhr sind wir dann am Mittagsbuffet des Restaurants in Furnace Creek, wo wir uns für 23 Dollar so richtig satt essen. Zwar ist die Auswahl nicht extrem groß, aber Nudeln und Käse, Gemüse, Salat und dann sogar noch Kuchen, sind genau das, was unser Herz begehrt – und die Speicher brauchen. Außerdem sind Getränke im Preis enthalten, so dass wir nach Kamelart versuchen, so viel wie möglich zu trinken, um auf die vor uns liegende Hitze möglichst gut vorbereitet zu sein. 

Um 14 Uhr starten wir dann, mit 8,5 bzw. 9,5 Litern Wasser bepackt. Als wir das klimatisierte Restaurant verlassen, trifft uns die Hitze wie eine Faust ins Gesicht. Unglaublich, wie heiß es jetzt ist. So etwas haben wir bislang auf unserer Wanderung noch nicht erlebt. 

Um Strecke zu machen, folgen wir zunächst der Straße, auf der lediglich einige Touristen unterwegs sind. Schließlich biegen wir auf eine unbefestigte Piste ab, die das Tal quert. Wir sind sehr froh, auf einem Weg laufen zu können, da das Terrain querfeldein hier teilweise einem umgepflügten Acker mit großen Erdschollen ähnelt. Schließlich biegen wir auf eine Erdpiste ab, auf der wir dem Westrand des Death Valley Richtung Süden folgen. Erst als die Sonne langsam versinkt, werden die Termperaturen etwas erträglicher. Es ist schön in den blauen Abend hineinzulaufen, aus dem noch lange nach Sonnenuntergang die schneebedeckten Berge der Panamint Range leuchten, deren höchster Punkt, Telescope Peak eine Höhe von 3368 Metern erreicht.

Obwohl es mittlerweile dunkel ist, laufen wir auf dem gut erkennbaren Weg ohne Stirnlampen weiter. Allerdings verrät uns ein lautes Rasseln bald, dass das wohl keine gute Idee ist. Irgendwo liegt eine Klapperschlange, die wir aufgestört haben! In Windeseile schalten wir unsere Lampen an, sehen das Reptil allerdings nicht. Immerhin hat der kleine Schock gewirkt und wir laufen im Licht der Lampen weiter. Wir wollen Strecke machen, da wir wissen, dass es morgen früh bald wieder glühend heiß sein wird. Trotz des vielen Wassers, dass wir schleppen, rationieren wir die Flüssigkeit und sind ständig durstig.

Gegen 21.30 Uhr sind wir dann aber doch so müde, dass wir beschließen, einige Stunden zu schlafen. Natürlich ohne Zelt unter dem Sternenhimmel. Als wir einen geeigneten Platz abseits des Weges entdeckt haben, sehen wir im Licht der Stirnlampen einen gelben Skorpion. Vielleicht doch ein Zelt? Wir gehen ein Stück weiter, allerdings wartet auch am nächsten potentiellen Schlafplatz ein Skorpion. Daher bauen wir kurzerhand das kleine 1-Personenzelt von Anke auf und kuscheln uns dort zusammen.

Nach kurzem Schlaf sind wir bereits um 3 Uhr im Licht der Stirnlampen wieder unterwegs. Zum Sonnenaufgang gibt es etwas Müsli, bevor wir gegen 8 Uhr den Weg verlassen, um zehn Kilometer weit eine flache Salzebene zu durchqueren. Am Rand wachsen noch Büsche und Gräser, aber schon bald befinden wir uns auf einer flachen, weiten Fläche, die so typisch für das Death Valley ist. An einigen Stellen hält die weiße Kruste nicht und wir sacken ein Stück weit in den Schlamm darunter ein, kommen aber insgesamt gut voran. Bereits um 11 Uhr erreichen wir dann wieder die Straße am Sheep Canyon. Daumen raus! Wir haben Glück, denn das erste Auto, das vorbeikommt, hält. Das Paar ist Ende 50 und bereits vor 20 Jahren aus Weißrussland hierher emigriert. Ihre große Leidenschaft sei es, so erfahren wir, mit riesigen Geländewagen durch die Wüste zu brettern. Natürlich halten wir gar nichts von so einem Vergnügen, lassen das unsere netten Fahrer aber nicht spüren.

Am Badwater, mit 85 Metern unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt Nordamerikas, legen wir einen kurzen Stop ein, dann sind wir zurück in Furnace Creek, wo wir erst einmal unser Paket mit Essen für die nächsten 11 Tage von der Post abholen. Wir befürchten, dass uns das hohe Gewicht der Vorräte ziemlich langsam machen wird, zumal wir ja auch noch eine Menge Wasser mitführen müssen. Ergo beschließen wir, einen Teil des Essens nicht mitzunehmen.

Den Rest des Tages chillen wir im Schatten, kühlen uns im Pool unseres Campingplatzes ab und versorgen die Blasen an den Füßen, die wir uns auf der langen Etappe durch die Nacht zugezogen haben.

Streckenlänge & Wegführung

Tatsächlich kann das niemand genau sagen. Es gibt keinen genauen GPX-Track zu der Route und rund 50 Prozent des Desert Trail sind weglos. Das heißt, die 2400 Kilometer von Jacumba an der mexikanischen Grenze bis zum Highway 78 in Oregon sind wohl eine ziemliche Untertreibung. Wahrscheinlich läuft man in der Realität zwischen 10 und 20 Prozent mehr. Der längste Abschnitt, auf dem wir unsere Verpflegung komplett mitführen mussten, war 300 Kilometer lang, wofür wir 12 Tage gebraucht haben. Der Desert Trail ist kein Wanderweg, sondern nur eine imaginäre Route. Neben den zahlreichen weglosen Abschnitten, die über Hügel, Salzebenen und in Canyons verlaufen, ist man auch relativ oft auf Fahrspuren unterwegs. Im Gegensatz zu den Querfeldein- Abschnitten muss man sich darauf weniger auf den Weg konzentrieren und kann daher seine Umgebung besser wahrnehmen. Echte Wanderwege gibt es fast gar nicht.

Es gibt einige sehr schwere Abschnitte durch dichten Bewuchs, Schluchten oder steil hinauf zu Berggipfeln. Wenn man die richtige Route vor allem beim Umgehen von Steilabstürzen in den Canyons findet, gibt es keine gefährlichen Klettereien. Technische Ausrüstung wie Seile und Klettergurte ist nicht notwendig.

Person im Death Valley
Klapperschlange

»Keine Wüste ohne Klapperschlangen – dank ihrer Schwanzrassel kommen wir ihnen aber nie zu nah.«

Wasser & Verpflegung

Natürlich ist Wasser in der Wüste immer das Thema Nummer eins. Alle unsere Vorgänger haben zumindest in Kalifornien vor der Tour Wasservorräte deponiert. Das bedeutet, dass man vorab  lange Strecken im Auto zurücklegt um die Wassertonnen zu deponieren und hinterher muss man sie auch wieder einsammeln. Wir fanden das zu zeitaufwendig und teuer. Mit maximal 12 Liter Wasser pro Person als maximales Zusatzgewicht haben wir es auch so geschafft. Brian Tanzman, in der Szene bekannt unter seinem Trailnamen »Buck 30«, hat eine hervorragende Liste aller Wasserquellen auf dem Trail erstellt und diese um die Erfahrungen der anderen Desert-Trail-Wanderer ergänzt. Vielen Dank dafür. Meistens konnten wir das Wasser aus den Quellen unbehandelt trinken, wir hatten aber auch Tropfen zur Entkeimung auf Silberionenbasis dabei.

Wir hatten 16 Abschnitte auf dem Trail, an deren Ende wir uns jeweils in einem Ort neu mit Essen versorgen konnten. Zu einem kleinen Teil war das direkt an der Strecke möglich, meistens mussten wir jedoch trampen. Das hat in der Regel gut funktioniert und hat uns tolle Begegnungen beschert. Wir haben uns drei Pakete mit Essen vorab an Orte geschickt, von denen wir dachten, dass dort nur wenig zu kaufen sei. Im Fall der Orte Middlegate und Furnace Creek war das auch sinnvoll, in der Tankstelle in Dyer hätten wir genug kaufen können. Zwar sind die Preise in abgelegenen Orten natürlich höher, aber auch der Postversand ist nicht gerade billig, daher haben wir im Zweifelsfall lieber darauf verzichtet, uns etwas zuzuschicken.

Person von hinten
Schlucht

»Am Abend mancher Etappe kommen wir daher wie wandelnde Salzleck-Steine.«

Navigation & Ausrüstung

Zur Navigation haben wir unsere Handys mit den Apps »Gaia« und »Mapout« verwendet, außerdem hat uns der Kompass oft grob die Richtung gewiesen. Obwohl man in der Wüste unterwegs ist, ist es oft erstaunlich kühl und windig. Daher ist eine warme Jacke unerlässlich. Da es oft ziemlich windig war und in Nevada es auch häufig Gewitter mit Regen gegeben hat, fanden wir es gut leichte Zelte dabei zu haben. Zwar kann man den Desert Trail auch nur mit Tarp machen, aber wir waren oft froh über unsere Zelte. Wir sind in Trailrunningschuhen gelaufen, die sich aber unter den Bedingungen der Wüste recht schnell verschleißen. Daher haben wir jeder zwei Paar benötigt. Zum Wassertransport haben wir 2,5 Liter Platyphus Wasserflaschen verwendet. Ein breitkrempiger Hut ist sehr wichtig gegen die Sonne. Dagegen haben wir keine Sonnenbrillen getragen. Eine Zip-Hose gewährt die nötige Flexibilität wenn es stachlig wird. Wie immer sind wir mit Wanderstöcken gelaufen, deren Spitzen aber sehr schnell verschwunden waren, was uns aber nicht gestört hat. Eine leichte Bodenplane kann auch als Schattenspender in der Mittagspause dienen. Wir hatten feste Schaummatten dabei, da uns das Risiko platter Luftmatten in der rauen Umgebung zu groß war.  

Klapperschlange
Person im Death Valley

»Wem der PCT zu überlaufen ist, findet auf dem Desert Trail garantiert seinen Frieden – sofern er das Wassermanagement beherrscht.«

Beste Zeit

Für den Desert Trail kommt eigentlich nur das Frühjahr in Frage, da der Sommer zu heiß ist und der Winter wegen Schnee in den Bergen ebenfalls ausscheidet. Auch im frühen Herbst ist es im Death Valley noch viel zu heiß. Für den Zeitpunkt des Startes in Jacumba gilt eine wesentliche Tatsache: das Death Valley muss unbedingt vor dem 1. Mai erreicht werden, da sonst die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es dort zu heiß ist. Wir sind am 26.3 in Deutschland losgeflogen, was für uns ganz gut gepasst hat. Eine Woche eher wäre wahrscheinlich noch besser gewesen. Startet man allerdings zu früh, ist es wahrscheinlich, dass man in den höheren Bergen von Nevada und den Steens Mountains in Oregon noch relativ viel Schnee hat. 

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