82 x 4000

Ein Bergsteiger, ein Ziel: alle 4000er der Alpen besteigen. Ronny Trautmann ist kein Prof­­i, kletterte ohne Bergführer und brauchte zehn Jahre für alle 82 Gipfel. Die beste Zeit seines Lebens.

82 Gipfel überragen in den Alpen die 4000-Meter-Marke. Einmal auf all diesen Gipfeln zu stehen, ist keine neue Idee – aber die wenigste­­n Bergsteiger ziehen so ein Projekt auch durch.

Ronny Trautmann hatte bereits 15 Gipfel über 4000 Meter in den Alpen bestiegen, ehe er sich entschloss, alle 82 zu probieren. »Die 4000er-Sammlung wurde ein schöner Leitfaden zum Bergsteigen. Dass ich wirklich alle schaffen würde, hab ich damals nicht ernsthaft geglaubt«, sagt der heute 43-Jährige. Im Unterschied zu einigen Profis, die die 82 höchsten Alpengipfel auch mal in einer Saison angehen (2008 benötigten zwei Italiener nur 60 Tage), machte sich Ronny ohne Zeitlimit ans Werk – neben seinem Job als Techniker in einer Rehaklinik.

Bis auf den Piz Bernina liegen alle 4000er in den Westalpen, also nicht gerade vor Ronnys Haustür im Allgäu. Er wählte deshalb die Taktik: große Einzelberge an den Wochenenden probieren und im Urlaub möglichst mehrere Gipfel einer Region hintereinander besteigen – immer abhängig von Verhältnissen und Wetter. Die Saison für klassisch­­e Hochtouren reicht von Juni bis Oktober, ein paar Gipfel konnte er auch als Skitour schon im Frühjahr angehen.

Über die Jahre teilte Ronny das Seil mit nur fünf Bergpartnern. Weil alle versierte Bergsteiger waren, verzichteten sie auf die Hilfe durch Bergführer. Ein paar Mal wurde es trotzdem brenzlig, etwa als am Rotgra­­t am Alphubel ein Griff ausbricht und Ronny einen Absturz nur knapp vermeiden kann.

Im August 2016 steht Ronny schließlich auf dem Grand Pilier d’Angl­e. Der 4243 Meter hohe Pfeiler im Peutereygrat ist sein 82. Gipfel. Die Sammlung ist komplett, es hat zehn Jahre gedauert. Bevor es irgendwas zu feiern gibt, warten weitere 600 Höhenmeter Aufstieg, denn der Grat endet erst auf dem Montblanc. Zum dritten Mal steht Ronny auf dem höchsten Gipfel der Alpen und endlich geht es nur noch bergab. »Die große Herausforderung lag darin, so lange an dem Ziel festzuhalten. Das geht wohl nur mit echter Leidenschaft«, sagt er.

Anmerkung: Aus Platzgründen zeigen wir hier nur 8 der 82 Gipfel.

GRAN PARADISO, 4061 m 

Für viele Bergsteiger der Einstieg in die Welt der 4000er. Ronny besteigt den Paradiso als Gipfel Nummer 18 mit Tourenski.

DOM, 4545 m 

Der Dom im Wallis ist für Ronny im Juli 2012 der Gipfel Nummer 27, er erreicht ihn über den­ Nordwestgrat (Festigrat) und steigt anschließend über die Nordflanke ab.

OBERGABELHORN, 4063 m

Aufgrund seiner Pyramidenform wird das Obergabelhorn im Wallis als einer der schönsten 4000er der Alpen bezeichnet. Ronny erklimmt 2010 seinen 30. Gipfel über den Arbengrat. 

FINSTERAARHORN, 4274 m

Einer der längsten Zustiege der Alpen. Die Finsteraarhorn­hütte (1) erreicht man am besten vom Jungfraujoch (Zahnradbahn) über den Konkordiaplatz und die Grünhornlücke. Am nächsten Tag steigt man durch eine Lücke im Südwestgrat (2) bis zum Hugisattel (3) und über den Nordwestgrat zum Gipfel (4). Aufgrund des langen Zustiegs wählte Ronny für Gipfe­l Nummer 47 die Tourenski. In der Abfahrt stürzte er jedoch bei schlechter Sicht und rutschte direkt auf einen Gletscherbruch zu. Er konnte sich halten, verlor aber einen Ski und musste zu Fuß zur Hütte zurück. Der Hüttenwart hatte einen alten Ersatzski übrig, ansonsten hätte der Helikopter kommen müssen.

TÄSCHHORN, 4491 m

Sonnenaufgang im Anstieg zu Gipfel 51. ­Das Täschhorn liegt in der Mischabelgruppe und trennt die Täler von Zermatt und Saas-Fee. Im Hintergrund macht das Monte-Rosa-Massiv seinem Namen alle Ehre.

BARRE DES ÉCRINS, 4274 m

Ronny Trautmann ist 43 Jahre alt und arbeitet in einer Rehaklinik im Allgäu. Hier biwakiert er auf dem Weg zu den zwei südlich­sten 4000ern der Alpen, dem Dôme de Neige und der Barre des Écrins (Gipfel 59 und 60).


AIGUILLE VERTE, 4122 m

Erst im dritten Anlauf passen die Verhältnisse für den Gipfel im Montblanc-Gebiet – zweimal musste Ronny umdrehen, weil die Temperaturen schon um Mitternacht zu warm und der Schnee zu weich waren. Mit der Besteigung über das Whymper Couloir gelingt ihm 2012 sein Gipfel Nummer 62 und einer der schwierigsten 4000er der Alpen.

LAUTERAARHORN, 4042 m

Wegen der Lage am Rande des Berner Oberlands und des langen Zustiegs vom Grimselpass ein eher selten bestiegener 4000er der Alpen. Ronny ersteigt ihn als Gipfel 67 im August 2014.

Text: Julian Rohn
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