7 Tipps für die Vulkanfotografie

Aktive Vulkane gibt es nicht nur im Kongo und am Pazifischen Feuerring. Zwei lodern regelmäßig in Süditalien – und versetzen den Schweizer ­Fotografen Ruedi Thomi ins Staunen.

Aktive Vulkane gibt es nicht nur im Kongo und am Pazifischen Feuerring. Zwei lodern regelmäßig in Süditalien – und versetzen den Schweizer ­Fotografen Ruedi Thomi ins Staunen.

Seit Mitte der 90er Jahre begeistert sich Ruedi Thomi schon für die Vulkanfotografie und wenigstens einmal im Jahr rückt er ihnen auf die Pelle. Hier sind seine besten Bilder und sieben praktische Tipps für Nachwuchs-Vulkanspotter.

»Italien ist dank Stromboli und Ätna ein Eldorado für Vulkanspotter auf Standby – und schnell erreichbar.«

Ruedi Thomi, Fotograf und Sony-Ambassador

1. Vorbereitung zu Hause

Die wichtigste Frage für die Vulkanfotografie ist natürlich: Wann ist mit einem Ausbruch zu rechnen? Nur selten ereignet sich eine Eruption ohne Vorwarnung. Meist künden Vulkane einen Ausbruch durch erhöhte Aktivität (Tremor/Seismik) schon Tage, ja Wochen vorher an. Stehen die Zeichen auf Action, beginnt die weitere Online-Recherche. Mittels Internet lässt sich heute vieles perfekt planen: Zugang, Gefahrenzonen, Kameraposition, Biwakplätze, behördliche Genehmigungen. Wertvolle wie unterhaltsame Infoquelle ist auch www.vulkane.net.

2. Outdoorausrüstung

Vor Ort braucht es dann dem Klima und der Höhenlage angepasste Bekleidung und robuste Bergschuhe. Dazu eine Gasmaske mit dem entsprechenden Filter, Steinschlaghelm, Stirnlampe mit genügend Batterien, Lederhandschuhe, Sturmhaube und Schutzbrille. Ein GPS mit entsprechender Karte gehört immer in den Rucksack, da man im weglosen, offenen Gelände eines Vulkans bei Dunkelheit sonst schnell komplett hilflos ist.

3. Übernachtung 

Keiner baut ein Hotel in die Gefahrenzone eines Vulkans. Daher gehört für die Vulkanfotografie ein windstabiles Zelt, ein warmer Schlafsack und eine robuste Isomatte stets in den Rucksack, um am Ort des Geschehens lagern zu können. Denn die besten Vulkanbilder entstehen natürlich nachts.

4. Fotoausrüstung 

Kameras mit möglichst großem Sensor verhindern das sogenannte Bildrauschen bei wenig Licht und langen Belichtungszeiten. Dazu lichtstarke Objektive mit großer Anfangsöffnung von Weitwinkel bis Zoom. Und bitte nicht am Stativ sparen. Nur ein robustes und damit schweres Stativ trotzt den oft sehr windigen Bedingungen an den exponierten Vulkanhängen. Des Weiteren als Zubehör elementar: Staubschutz, Pinsel und Blasebalg für die etwaige Sensorreinigung, genügend Akkus und Speicherkarten.

Der Stromboli ist seit 1934 durchgehend auf geringem Niveau aktiv – das gibt es kein zweites Mal auf der Welt.

5. Anreise

Vulkanspotting ist leider nichts für Arbeitnehmer, die ihren Urlaub ein halbes Jahr im Voraus einreichen müssen. Als Vulkanspotter ist man vielmehr immer auf Standby. Bei längeren Anreisen stellt sich aber auch dem maximal Spontanen immer die Frage, ob ein Ereignis die Zeitspanne der Anreise überdauert. Es muss immer mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass der Vulkan seine aktive Phase schon wieder beendet hat.

6. Vorbereitung am Berg

Besonders wichtig: Wie steht es um die Windrichtung zwecks Vermeidung von Asche und gefährlichen Gasen? Fotografiert wird immer mit dem Wind im Rücken, ganz egal, ob die Perspektive auf der anderen Seite des Kraters eventuell besser ist. Auch die aktuelle Befindlichkeit des Vulkans sollte man im Blick haben, um zeitig Reißaus nehmen zu können.

7. Fotografieren am Berg

Gut, wenn man seine Kamera »blind« bedienen kann. So stellt man etwa bei Nacht nur mithilfe der Displaylupe manuell scharf. Belichtet wird oft mehrere Sekunden lang, was zu tollen Bewegungsunschärfen bei den Eruptionen führt. Will man auch Sterne und Milchstraße integrieren, ist darauf zu achten, dass durch eine zu lange Belichtung nicht die Sterne zu wandern anfangen und vom Punkt zum Strich werden. 30 Sekunden ist meist noch okay, besser jedoch, man setzt die ISO-Empfindlichkeit noch etwas hoch. 

Text: Ruedi Thomi
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