40 Jahre Globetrotter: die Travellerin

Globetrotter Mitarbeitende kommen aus aller Welt. So wie Miriam Mora. Raus aus ihrer Heimat Argentinien – damals eine Diktatur –,  rein ins Travellerleben. Bis sie in Berlin landet.
Archiv Miriam Mora

Vielleicht lag es an Miriams Urgroßtante: Ende des 19. Jahrhunderts reiste diese alleine kreuz und quer durch Argentinien – unerhört für eine Frau in dieser Zeit. »Ihr Reise­tagebuch konnte ich fast auswendig«, sagt Miriam. Und der Biberpelzmantel der Tante hängt immer noch in Miriams Schrank. 

Miriam, in den 1970ern in Buenos Aires aufgewachsen, will ebenfalls die Welt sehen. In Argentinien herrscht damals eine Militärdiktatur. Das Frauenbild hat sich seit der Urgroßtante nicht wesentlich weiterentwickelt. »Heiraten, Kinder kriegen – das wurde erwartet.« Miriam tut das Unerwartete: Sie absolviert eine Ausbildung als Reiseleiterin und hört sich von ihren Kunden Geschichten über deren Heimatländer an. »So bekam ich Informationen aus erster Hand – Facebook oder Twitter kamen ja erst zig Jahre später.«

Heiraten, Kinder kriegen 
– das wurde erwartet. 
Miriam tut das Unerwartete. 

Miriam bricht auf: Sie kauft einen Rucksack und zieht los, per Bus und Anhalter. Südamerika, Mittelamerika, weiter bis Kanad­­a. Nach einem Jahr steht sie auf dem Flughafen von New York. Ziel: Europa. »Meine Generation hat immer auf Europa geschaut. Europa war das Vorbild, die bessere Welt.« 

Auf nach Europa

Von Spanien bis Dänemark, von Irland bis Österreich. Mit Fahrrad, Bus, Zug, per Anhalter. Miriam lebt und arbeitet eine Weile in Rom, dann geht sie im Auftrag einer Firma, die Ballett­schuhe vertreibt, nach Paris. Miriams Bild von Europa wird detaillierter und bunter. »Vieles ist strukturierter hier, aber Rom zum Beispiel war noch chaotischer als Buenos Aires«, lacht sie. Miriam zieht weiter – diesmal nach Berlin.

Für die Ballettschuh- Firma baut Miriam den Berliner Standort auf, erlebt den Mauerfall und lernt ihre fünfte Sprache: Deutsch. »Das war hart. Ich stand mal im Postamt und verkündete stolz, ich wolle einen Brief  ›per Anhalter‹ aufgeben. Als ich dann selbst merkte, dass das ja ›per Einschreiben‹ heißen muss, habe ich laut losgelacht. Und die Leute haben nur todernst geguckt …« 

Nicht alle Deutschen sind humorfrei

Miriam lernt nette Leute von »Alles für Tramper« (AFT) kennen, einem Trekkingladen mit Kultstatus. Sie lässt Ballettschuhe Ballettschuhe sein und wechselt in die Outdoor-Branche. »28 Jahre ist das her, kaum zu glauben.«

Ein paar Jahre später wird AFT zu Globetrotter Berlin, und aus Miriams »Familie« eine Großfamilie. Neue Kollegen, mehr Produkte – und immer mehr Kunden. Die Branche brummt. »Trotzdem sind wir zu einem tollen Team zusammengewachsen«, erzählt Miriam. »Man hat sich die Zeit genommen und auf das Neue eingelassen – auch so etwas lernt man auf Reisen.« 

In der Outdoor-Hauptstadt

2002 zieht die komplette Globetrotter Filiale an den Steglitzer Kreisel und ist mit 4600 Quadratmetern der größte Outdoorladen der Republik. »Wasserbecken, Kältekammer, alles neu und toll. Aber Outdoor-Hauptstadt waren wir nur kurze Zeit – dann machte die Kölner Globetrotter Filiale auf, die war nochmal 2000 Quadratmeter größer«, lacht Miriam.   

Miriam Mora, einst als Globetrotterin in Deutschland hängengeblieben, ist heute eine der erfahrensten Mitarbeitenden von Globetrotter. Sie leitet die Bekleidungs- und die Kinder­abteilung in Berlin. Dort trifft man sie.

Text: Stephan Glocker
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