40 Jahre Globetrotter: der erste Azubi

Jens Holst nahm vor 37 Jahren die Arbeit auf – als erster Azubi bei Globetrotter überhaupt. Heute ist er Chef der Münchner Filiale, empfängt in Lederhosen und erzählt seine Geschichte in staubtrockenem Norddeutsch.
Michael Neumann

Schuld ist die Mutter von Arved Fuchs, dem Polarforscher und Abenteurer. Frau Fuchs, Lehrerin in Bad Bramstedt, erfährt im Jahr 1982, dass ihr früherer Schüler Jens noch eine Lehrstelle sucht. Sie fragt herum, auch beim Sohnemann. Arved vermittelt Jens einen Aushilfsjob beim Szeneladen Globetrotter, der drei Jahre zuvor in Hamburg eröffnet hat.

Jens kommt von einem Bauernhof in Schleswig-Holstein, hat von Expeditionsausrüstung nie gehört und staunt Bauklötze: »Meine Welt aus Stall und Schule hatte zehn Kilometer Durchmesser, Urlaub gab es nicht. Und dann latschen da Kollegen zur Türe rein, die gerade aus Afrika kommen – mit dem Fahrrad!«

Eine neue Welt

Der Bauernjunge ist plötzlich mittendrin: Isomatten stapeln in der Garage von Rüdiger Nehberg (damals ein Globetrotter-Außenlager), Expeditionsnahrung zusammenrühren im fensterlosen Keller, auch mal ein toller Betriebsausflug mit dem Segelboot von Chef Peter Lechhart. Sandbleche bringt Jens auf die von der wüstenreisenden Kundschaft gewünschte Länge – mit der Flex. »Das wäre heute in Sachen Arbeitsschutz eher schwierig«, lacht er. Aus dem Aushilfsjob wird eine Ausbildungsstelle. Jens Holst ist Globetrotters erster Azubi.  

Kunden und Kollegen stecken Jens an mit ihrer Reiselust: »Jeden Tag hörst du, dass Leute Haus und Hof verkaufen, um eine Weltreise zu machen. Irgendwann wollte ich auch. Keine Weltreise, aber in den Sarek-Nationalpark in Lappland.« 

Jens erliegt dem Reisevirus und sammelt Erfahrungen: mit dem Kanu durch Kanada, per Anhalter mal nach Syrien, mal quer durch Asien bis China. In Sibirien überwintert er auf der »Dagmar Aaen«, dem Expeditionssegelschiff von Arved Fuchs. 

Auch im Job geht es voran. Die Firma wächst, Fachabteilungen und Spezialisten müssen her. Jens übernimmt neben den Kanus auch den Bereich Schuhe – und der entwickelt sich wie verrückt:  »Anfangs waren da nur ein paar Wanderschuhmodelle, da freuten sich die Hersteller richtig, dass mal jemand mit Ahnung zu ihnen kam. Mit dem Outdoor-Boom der Neunziger nahm das Marktsegment Fahrt auf. Die Kunden wollten immer bessere und speziellere Schuhe. Und wir konnten liefern.« Lange Jahre verantwortet Jens den kompletten Globetrotter Schuheinkauf. 

Von Frankfurt nach München

Dann ruft ein neues Abenteuer: Globetrotter eröffnet Filialen. Jens bewirbt sich für die Leitung der neuen Zweigstelle in Frankfurt – und wird 1999 Filialleiter. Mit anfangs fünf Mitarbeitern wuppt Jens den neuen Laden, der bald expandiert und mehrfach umzieht. Nach zehn Jahren Frankfurt die nächste Herausforderung: Der neue Shop in München braucht einen erfahrenen Chef. Jens zieht nach Bayern und führt seine Bewerbungs­gespräche auf der Filial-Baustelle – 168 Leute stellt er ein.  

Jens, der erste Globetrotter Azubi, führt heute selbst Filialen und Personal. »Ich habe nie Abi gemacht oder studiert, aber viel von meinen Kollegen abgeschaut – wie man es macht, und manchmal auch, wie man es nicht macht. Das meiste habe ich auf Reisen gelernt. Du musst Menschen mögen, dich interessieren und einsetzen. Und du brauchst Fingerspitzengefühl für den richtigen Moment, um die Leute zusammenzubringen.«  

Text: Stephan Glocker
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