40 Jahre Globetrotter: das Urgestein

Als Globetrotter 1979 die Tür öffnet, ragt aus der bunten Kundschaft ein Zwei-Meter-Mann heraus: Andreas Bartmann, Kletterer und Outdoorfreak. 40 Jahre später ist Andreas immer noch da – und hat als Geschäftsführer die Zukunft im Blick.
Andreas Krüger

»Die Globetrotter Personalpolitik war anfangs simpel: Wer von den Kunden was konnte, wurde shanghait«, lacht Andreas Bartmann. Shanghaien bezeichnet in der Seemannssprache das gewaltsame Rekrutieren von Matrosen – eine Praxis, für die wohl besonders der Hafen von Shanghai berüchtigt war. 

Im September 1979 öffnet »Norddeutschlands erstes Spezial­geschäft für Expeditionen, Safaris, Survival und Trekking« – auf 140 Quadratmetern. Im Angebot ist sonderbares Freizeitzubehör: Sandbleche, Kletterseile, Daunenjacken, Spirituskocher. Die Gründer sind hartgesottene Weltenbummler: Klaus Denart, Journalist und Afrikafahrer aus Hamburg, und Peter Lechhart, Bergführer und Hochseesegler aus dem Allgäu.

Am Eröffnungstag im Laden

»Mein Kletterkumpel Thomas Lipke und ich sind gleich am Eröffnungstag hin«, erzählt Andreas. »Erstmals bekam man brauchbare Ausrüstung aus einer Hand. Und die Gründer hatten Ahnun­­g: Klaus unternahm krasse Wüstenexpeditionen, Peter hatte schon Grönland auf Ski durchquert.« 

Weil das junge Unternehmen bald Mitarbeiter braucht, werden Andreas und Thomas shanghait. »Ich hatte mein Studium fertig und einige Leute fragten, warum ich nun als Verkäufer arbeite. Aber mir war klar: Das ist etwas Besonderes, Pionierhaftes.  Heut­e würde man das wohl ein Start-up nennen.«

Thomas Lipke

Globetrotter beginnt zu wachsen. Die Gründer realisieren, dass die Verantwortung für Mitarbeiter und Abläufe immer größer wird und holen Andreas und Thomas in die Geschäftsführung. Die Technik-Affinität der beiden trägt Früchte: Die Digitalisierung startet früh, der erste Computer kostet stolze 25 000 Mark. Globetrotter hat die erste Website der Branche und startet den Versand von Ausrüstung. Immer mehr Kunden schätzen die Beratungskompetenz und das durchdachte Sortiment. Das Geschäf­­t brummt. Globetrotter ist innovativer Marktführer, eröffnet Filialen in ganz Deutschland. Die Zahl der Mitarbeiter wird dreistellig, vor einigen Jahren sogar vierstellig. 

Zusammenführen von Neuem und Bewährtem

Während Klaus, Peter und Thomas sich zurückgezogen haben, ist Andreas noch an Bord – und leitet Globetrotter gemeinsam mit den Schweden Henrik Hoffman und Ulf Gustafsson. Sie kommen von der Fenix-Gruppe, zu der auch Fjällräven oder Hanwag gehören. »Unsere handgestrickten Strukturen haben lange funktioniert«, sagt Andreas, »aber in Zeiten der Globalisierung reicht das nicht mehr. Mit Fenix ist eine Outdoor-Company bei Globetrotter eingestiegen, die unsere Werte teilt.« 

Zu Andreas’ Aufgaben zählt das Zusammenführen von Neuem und Bewährtem: »Nachhaltigkeit ist ein gutes Beispiel: Wir sind an allen Fronten aktiv – Umweltverträglichkeit von Material, Arbeitsbedingungen, Recycling. Gleichzeitig können wir uns auf Dinge stützen, die wir schon immer machen: langlebige Qualitätsausrüstung statt Fast Fashion, Reparieren statt Wegwerfen, Aufklärung unserer Kunden. Das ist toll!«, erzählt Andreas begeistert. Für ein »Urgestein« wirkt er ganz schön beweglich. 

Text: Stephan Glocker
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