100 Jahre Hanwag: Höhepunkte

Als Hanwag 1921 gegründet wurde, war die Welt eine andere. Auf dem Planeten lebten zwei Milliarden Menschen ganz ohne Internet und Big Mac, das Auto hatte eine gar sonderliche Form und auf den Achttausendern war noch kein Mensch gestanden. Aber schon damals brauchten die Menschen eines: gute Schuhe. Und so sehr sich diese in den vergangenen hundert Jahre auch verändert haben mögen, ist für Hanwag und seine Mitarbeiter eines bis heute doch gleich geblieben: Der Anspruch, die besten Schuhe zu produzieren. 


1921: Erste Schritte 

Im Haus Nr. 56 der damals 1100 Einwohner zählenden Gemeinde Vierkirchen eröffnet der Schuhmachersohn Hans Wagner seine eigene Schuhmacherei. Es ist auch jenes Jahr, in dem eine erste britische Erkundungsexpedition zu Vermessungszwecken ins Everest-Gebiet entsendet wird und Polarforscher Ernest Shackleton seine letzte Antarktis-Expedition startet. Albert Einstein erhält den Nobelpreis in Physik. 


1923: Es geht aufwärts 

Die zwiegenähten Schuhe sind derart gefragt, dass Wagner vier Gesellen beschäftigt. Er baut das Haus Nr. 57 in Vierkirchen und erweitert es drei Jahre später um eine größere Werkstatt. Großaufträge umfassen fünf oder zehn Paar Schuhe für einen Kunden. Auch sonst läuft einiges noch ganz gut: Horst Tappert, Richard Attenborough und das Nachrichtenmagazin Time werden geboren.


1936: Geschnürte Skischuhe

Hans Wagners Neffe, der spätere Geschäftsführer Sepp Wagner, heuert in der Fabrik des Onkels an und hilft unter anderem bei der Fertigung von Skischuhen. Die sind aus Leder, mit Schnürung, vorne eckig. Bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen werden erstmals alpine Skirennen ausgetragen; Toni Kurz und Andreas Hinterstoißer sterben in der weiterhin undurchstiegenen Eiger-Nordwand.


1940: In der Maschine

Das Zwienähen wird von Hand- auf Maschinenarbeit umgestellt, auch deshalb, weil die Vierkirchener Schuhfabrik wie viele Firmen Hitlers Rüstungsapparat für den Zweiten Weltkrieg dient. Die Produktion läuft auf Hochtouren, obwohl bald etliche Schuhmacher in den Krieg ziehen müssen. Schuhe werden auf der ganzen Welt jetzt eher zum Marschieren als zum Wandern verwendet.


1945: Hanwag wird zur Marke

Nachdem die geplünderte Schuhfabrik in den Nachkriegswirren kurzzeitig verwaist, steigt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung langsam die Nachfrage nach hochwertigen Ski- und Bergschuhen – und auch der Wert des Marketings. Hans Wagner nennt seinen Betrieb daher erst „Hawa“, 1952 aus markenrechtlichen Gründen schließlich Hanwag.


1956: Transatlantische Beziehungen

Hanwag präsentiert sich in Wiesbaden erstmals auf einer Sportartikelmesse – und findet dort mit dem in die USA migrierten Allgäuer Klaus Obermeyer einen langjährigen Handelspartner. Generell bleibt wieder mehr Zeit für Premieren und enge Bindungen: Der Lhotse (8516 m) wird erstbestiegen, Borussia Dortmund erstmals deutscher Fußballmeister. Marilyn Monroe heiratet Arthur Miller, Grace Kelly Fürst Rainier III. von Monaco.


1964: Der Neffe übernimmt

Josef Wagner übernimmt die Firmenleitung und liefert mit seinem Familienbetrieb rund 10.000, weiterhin handgefertigte Skischuhe mit dem Modellnamen „Garmisch“ in die USA. Und was liefert die USA? Mary Poppins ist abgedreht; Michelle Obama wird geboren und Cassius Clay alias Mohammad Ali erstmals Box-Weltmeister.


1970: Auf Hochtouren

Hanwag produziert den ersten tourentaugliche Skischuh – mit Innenschuh und Schnallenverschlüssen. Der sogenannten „Haute Route“ bleibt fast zehn Jahre lang das Maß der Dinge am Markt für Skitourenschuhe. Manches hat sogar noch länger Bestand: Im Bayerischen Wald wird der erste Nationalpark Deutschlands gegründet, Tonga erlangt die Unabhängigkeit von Großbritannien, die Tagesschau bekommt Farbe.


1980: Neues Terrain

Mit Hilfe des Sportklettererpioniers Sepp Gschwendtner bringt Hanwag leichte Sportkletterschuhe auf den Markt. Das Produkt kommt zur rechten Zeit: Ein Jahr später werden in Deutschland die ersten Routen im neunten Grad geklettert, unter anderem von Gschwendtner. Jenseits der Felsen herrscht eindeutig weniger Anarchie: „Star Wars – Das Imperium schlägt zurück“ kommt in die Kinos.


1987: Schuhe zum Abheben

Hanwag entwickelt mit dem FLY 2000 Gore den ersten Spezialschuh fürs Paragliden, wieder auf Anregung des mittlerweile zum Gleitschirmfliegen gewechselten Sepp Geschwendtner. Was sonst noch abhebt? Michael Jacksons Album „Bad“ geht durch die Decke. Deutschlands Vogel des Jahres ist das Braunkelchen.


1996: Der Klassiker

Der noch heute im Handel erhältliche Bergschuh Alaska GTX markiert den Beginn der Partnerschaft mit Gore. Zum Klassiker avancieren außerdem der Film „Der englische Patient“, Oliver Bierhoffs Golden Goal, das Deutschland den dritten EM-Titel im Fußball beschert, und ein mit 408 km/h gemessener Tornado auf Barrow Island.


2004: Neue Zeitrechnung

Nach dem frühen Tod seiner zuvor bereits als Geschäftsführerin agierenden Tochter verkauft Sepp Wagner den Familienbetrieb an das schwedische Unternehmen Fenix Outdoor AB. Überhaupt bricht eine neue Zeitrechnung an: Auf dem Mars landen mehrere Raumsonden und der Harvard-Student Mark Zuckerberg gründet ein Dings namens Facebook.


2011: Eine Schachtel zum Jubiläum

Zur Feier des 90-jährigen Bestehens stiftet Hanwag der Sektion München Oberland eine neue Biwakschachtel auf dem Zug- und Alpspitze verbindenden Jubiläumsgrat. Einen runden Geburtstag feiern außerdem Paris Hilton (30), die erste deutsche McDonald’s-Filiale (40) und Lothar Matthäus (50). Dani Arnold durchsteigt die Eiger-Nordwand ganz ohne Biwak, in 2:28 Stunden.


2013: Platz für die Zehen

Mit dem bislang einmaligen Bunion Leisten fertigt Hanwag erstmals Schuhe, die bei einem weit verbreiteten Schiefstand der Großzehen (Hallux Valgus) mehr Platz für das Großzehengrundgelenk bieten. Viel Raum wird zudem Nachrichten um den freiwilligen Rücktritt von Papst Benedikt XVI., Edward Snowdens Whistleblowing und der Eurokrise gegeben.


2021: Runder Geburtstag

Im hundertstens Jahr des Firmenbestehens von Hanwag werden voraussichtlich 400.000 Paar Schuhen gefertigt, in Kroatien, Ungarn und auch weiterhin in der Firmenzentrale in Vierkirchen. Allerdings hat das neue Gebäude im Gewerbegebiet mit dem Haus Nr. 57 aus der Anfangszeit ungefähr so viel gemeinsam hat wie die genagelten Bergstiefeln aus den Zwanzigern mit dem neuen Ferrata Low GTX.

Mehr von Hanwag: Die Hanwag Stories

Zum 100. Geburtstag darf man sich auch selbst beschenken: Hanwag tut dies mit der toll gemachten Website »Hanwag Stories«. Hier geht’s weniger um Schuhe, sondern mehr um die Menschen, die Hanwag-Schuhe benutzen. So wie die Hamburger Illustratorin Sanna Wandke (Zeichnung rechts), die den lengendären Pacific Crest Trail bewältigt hat: 4300 Kilometer, 120.0000 Höhenmeter. Das Ganze in fünf Monaten und mit nur einem Satz Schuhe – einem Paar Hanwag Tatra. Sarahs Geschichte und noch viele andere erzählen die Hanwag Stories. 

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