Nachhaltige Outdoor Marken: 10 Nachhaltigkeits-Pioniere der Outdoor-Branche

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Outdoor-Industrie sind Unternehmen gefragt, die neue Maßstäbe setzen und vorangehen. Wir stellen zehn Pioniere der Branche vor, deren Nachhaltigkeitsbemühungen richtungsweisend sind.

Fjällräven – Emotionale Haltbarkeit

Das schwedische Unternehmen Fjällräven ist eine der wenigen Top-Marken, die es verstehen, zwei Dinge gut zu machen: Produkte herzustellen, die so robust sind, dass sie lange Zeit halten. Und diese verantwortungsbewusst mit bevorzugten Materialien und fairen Arbeitspraktiken herzustellen.

Aber es gibt noch ein drittes Element, das leicht übersehen wird, und das die nachhaltige outdoor Marke Fjällräven besonders auszeichnet: Die Beziehung zum Benutzer. Produkte müssen so vielseitig sein, dass sie sowohl von Pendlern unter der Woche als auch von Wochenendausflüglern genutzt werden können. Und sie müssen ein zeitloses Design haben, um resistent gegen wechselnde Trends zu bleiben. Wenn sie lange im Einsatz sind und viele Abenteuer zusammen mit ihren Besitzern erlebt haben, entwickeln diese eine besondere emotionale Bindung zu den Produkten. Diese Beziehung führt dazu, dass Fjällräven-Produkte eher repariert als weggeworfen werden und oft über Generationen weitergegeben werden.

Warum ist das wichtig? Weil die Nachhaltigkeits-Performance eines Produkts auch davon abhängt, wie oft es tatsächlich getragen wurde, und nicht davon, wie lange es im Schrank überleben kann.

Icebreaker – Bis auf die Haut

Die neuseeländische nachhaltige outdoor Marke Icebreaker hat in der Debatte “synthetische versus natürliche Produkte” eine klare Position. In ihrer aktuellen Kampagne wickelt sie Menschen in Plastikfolie ein und stellt die rhetorische Frage: “Plastic against your skin?” Ein starkes Statement für eine einfache Philosophie: Die Natur hat ihre eigenen Lösungen. Und wenn es um Funktionsbekleidung geht, heißt diese Lösung Wolle. 

Wolle hat nicht nur bessere Wärmeeigenschaften als synthetische Alternativen, sie ist als Naturmaterial auch biologisch abbaubar und muss weniger gewaschen werden. Icebreaker verwendet Wolle mit dem neuseeländischen ZQ-Label, das die Einhaltung höchster internationaler Standards in der gesamten Wertschöpfungskette in Bezug auf Tierschutz, Umweltschutz, sozialer Verantwortung und Nachhaltigkeit gewährleistet (mit den gleichen strengen Kriterien wie der Responsible Wool Standard, RWS). 

Man unterstützt außerdem Schafzüchter bei der Umsetzung “einer regenerativen Landwirtschaft”. Hier geht es darum, der Natur etwas zurückzugeben und mehr Artenvielfalt, bessere Wasserzyklen, Bodengesundheit sowie die Reduzierung von Kohlenstoffemissionen zu fördern. 

Wenn Icebreaker sich nicht gerade für Wolle einsetzt, bietet das Unternehmen in seinem jährlichen Transparenzbericht außergewöhnliche Einblicke und hat als nachhaltige Outdoor Marke der VF Corporation auch wissenschaftlich fundierte Ziele für die Klimaemissionen festgelegt.

Vaude – Systematisch klimaneutral

2009 übernahm Antje von Dewitz die Leitung des schwäbischen Familienunternehmens Vaude. Seitdem steht die Marke an vorderster Front in den meisten Nachhaltigkeitsbereichen. Vaude verwendet in hohem Maße auf umweltfreundlich produzierte Materialien aus  Bio-Baumwolle, biobasierten Kunststoffen und Recyclingmaterialien. Man ist Bluesign-Systempartner und hat den “Leader”-Status der Fair Wear Foundation. Mit dem “Green-Shape ”-Label wurde ein eigenes strenges Nachhaltigkeitszertifikat entwickelt, um die besten Produkte der Kollektionen zu kennzeichnen.

Besonders herausragend ist Vaude in Sachen Klimaengagement. Das Unternehmen hat zunächst wissenschaftlich fundierte Ziele definiert und darauf basierend den gesamten Klima-Fußabdruck erfasst. Darauf basierend werden nun systematisch Materialien, Transport- und Herstellungsmethoden mit geringerem Klimaeffekt ausgewählt. Die verbleibenden Emissionen werden durch anerkannte Gold-Standard-Projekte ausgeglichen, so dass die gesamte Produktpalette von Vaude als klimaneutral zertifiziert ist.

Patagonia – Gewinn für die Umwelt

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist Patagonia seit vielen Jahren richtungsweisend. Die in Kalifornien ansässige Marke ist B-Corp-zertifiziert, lässt die meisten ihrer Produkte in Fair-Trade-zertifizierten Betrieben nähen und arbeitet fleißig an der Entwicklung von Programmen für soziales Engagement, Umwelt- und Tierschutz. Viele dieser Initiativen sind revolutionär – und genau das zeichnet Patagonia aus: Die Fähigkeit, zu inspirieren und oft Wege durch neue Nachhaltigkeits-Terrain zu bahnen.

Das neueste und prominenteste Beispiel: 2022 kündigte Patagonia ein Organisationsmodell an, das sicherstellt, dass 100% der Gewinne, die nicht in das Unternehmen reinvestiert werden, über zwei Stiftungen dauerhaft für Umweltinitiativen verwendet werden. Dies war nicht nur in der Outdoor-Branche, sondern in jeder Branche schlichtweg revolutionär.

Ortovox – Schutz von Mensch und Umwelt

Das Bergsport-Unternehmen Ortovox verbindet auf besonders schlüssige Weise Marken-, Produkt- und Nachhaltigkeitsstrategie. In allen Bereichen bestimmt der “Schutz” – des Menschen, der Umwelt und der Tierwelt – als zentraler Wert das Handeln und Entscheiden. “Schützen was wir lieben” lautet das Motto.

Entsprechend hat man die Nachhaltigkeitsstrategie ProtAct2024 entwickelt, die alle wichtigen Schritte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit bei ORTOVOX zusammenfasst. Fokusbereiche sind dabei Tierwohl, soziale Verantwortung, Lieferkette, Klimaschutz, Umweltschutz und Langlebigkeit. 

Bereits ein Jahr vor dem anvisierten Zeitpunkt 2024 erreicht Ortovox sein Klimaschutzziel – mit der klimaneutralen Winterkollektion 2022/2023. Die Sommerkollektion 2023 ist zu 99,13% PFC-frei. 100% der Wolle ist Mulesing-free, bereits seit 2010 nutzt man Swisswool aus der nahen Schweiz für die Isolation der Outdoor-Kleidung. Mehr als die Hälfte der Ortovox-Produkte werden inzwischen in Europa hergestellt und das Unternehmen bestätigt Jahr für Jahr den Fair Wear Leader Status.

Cotopaxi – Das gute Versprechen

Die Marke aus Utah weist alle üblichen Merkmale eines Unternehmens auf, das es mit der Nachhaltigkeit ernst meint: Man ist als B Corp registriert (“benificial corporation”; Zertifikat der amerikanischen Non-Profit Organisation B Lab für Unternehmen, die freiwillig Standards für Nachhaltigkeit, Transparenz und Verantwortung einhalten) und Climate-Neutral-zertifiziert, wenn auch bislang nur für die Bereiche Apparel und Fashion. Fast die gesamte Kollektion (+90 %) besteht aus wiederverwendeten, recycelten oder nachhaltig gewonnenen Materialien. 

Besonders bemerkenswert ist jedoch Cotopaxi’s “Gear for Good”-Versprechen: Langlebige Ausrüstung so ethisch wie möglich herzustellen und sein Geschäftsmodell zu nutzen, um die Armut zu bekämpfen.

Als Mitglied von 1% for the Planet verwendet Cotopaxi diesen Prozentsatz seiner Einnahmen, um Gemeinden in Lateinamerika zu unterstützen. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Förderung der Gesundheitsversorgung, der Bildung und der lokalen Lebensgrundlagen.

Hanwag – Nachhaltiges Schuhhandwerk

Die bayerische Traditionsmarke Hanwag bringt über 100 Jahre Erfahrung im Schuhhandwerk mit. 

Hanwag produziert in eigenen Fabriken oder bei ausgewählten Schustereien in Deutschland, Kroatien und Ungarn, wo Qualität und Produktionsbedingungen streng kontrolliert werden. Rohwaren werden nach Langlebigkeit, Qualität und umweltschonender Herstellung gewählt. Die Hälfte des Leders stammt aus einer LWG-zertifizierten Gerberei in Kroatien, die Häute zum Großteil von lokalen Bio-Landwirten bezieht. Weitere innovativ-nachhaltige Materialien sind das CO2-neutrale Leder Terracare Zero®, chromfrei gegerbtes Bio-Leder oder die PFAS-freie Membran EcoShell.

Ein besonders wichtiges Nachhaltigkeit-Argument ist die Machart der Hanwag Wander- und Bergschuhe, die entweder “gezwickt” oder “zwiegenäht” sind. Dadurch können sie leicht neu besohlt werden, was die Lebensdauer verlängert, Ressourcen spart und die Umwelt schont.

Edelrid – Von Seil zu Seil

Im Vergleich zur Bekleidung gelten Hartwaren bisweilen als Nachzügler in Sachen Nachhaltigkeit. Edelrid ist jedoch eine bemerkenswerte Ausnahme in diesem schwierigen Segment und beweist, dass hohe Nachhaltigkeits- und Sicherheitsstandards durchaus vereinbar sind. Sein Nachhaltigkeitsdebüt gab Edelrid mit einem dynamischen Kletterseil, das zu 50% aus alten, recycelten Kletterseilen und Produktionsabfällen hergestellt wurde. Das ist ein Grad an Kreislauffähigkeit, den selbst die Bekleidungsindustrie nur schwer erreichen kann.

Seitdem ist Edelrid ein bluesign Systempartner und sorgt weiterhin für ein branchenführendes Chemikalien-, Energie-, Wasser- und Abfallmanagement in seiner gesamten Lieferkette. Als Mitglied der Fair Wear Foundation setzt sich Edelrid auch für soziale Verantwortung ein und produziert den Großteil seiner Produkte in einem deutschen EMAS- und ISO 14001-zertifizierten Betrieb.

Osprey – Garant für Langlebigkeit

Bereits seit ihrer Gründung im Jahr 1974 gibt es bei der Rucksack-Marke aus Colorado die All Mighty Guarantee: Alle Schäden oder Defekte an Osprey Rucksäcken – egal wie alt und gebraucht – werden kostenlos repariert. Und falls das nicht möglich ist, wird der Rucksack ersetzt.Als vor ein paar Jahren noch viele zögerten, ob recycelte Fasern für mehr als nur ein T-Shirt verwendet werden könnten, bewies Osprey als eines der ersten Unternehmen, dass man auch wiederverwerteten Materialien ein hohes Maß an starker Beanspruchung zutrauen kann. Gerade mit Blick auf die All Mighty Guarantee war dies ein großer Vertrauensbeweis, der andere Hardwear-Hersteller ermutigte, dem Beispiel zu folgen. Heute gibt es eine große Auswahl an Osprey Rucksäcken, die nach dem Global Recycled Standard und mit bluesign-zertifizierten Stoffen hergestellt wurden.

Frilufts – Globetrotters grünes Eigengewächs

“Frilufts” bedeutet im Schwedischen so viel wie „an der frischen Luft sein“.

Bei FRILUFTS geht es uns um das bewusste Erleben wertvoller Momente – im urbanen Umfeld genauso wie in der Natur und auf Reisen. Eine intakte Umwelt ist dafür die Grundlage. Und darum möchte FRILUFTS sie erhalten. Bei der Entwicklung der Produkte ist der Marke der bewusste Umgang mit Ressourcen besonders wichtig. FRILUFTS Artikel sollen überzeugen und ihre Aufgabe erfüllen.

Der nachhaltigen outdoor Marke ist es besonders wichtig, dass die Funktionalität des Materials perfekt auf die Anforderungen des Produkts abgestimmt ist. Das Design soll zeitlos sein und die Verarbeitung langlebig und beanspruchbar. Um eine maximale Nutzungsdauer gewährleisten zu können, wird während der Entwicklung darauf geachtet, dass Reparaturen an den Produkten problemlos möglich sind. Das ermöglicht Langlebigkeit, welche ein wesentlicher Faktor für die Nachhaltigkeit eines Produktes ist. Der Anteil an nachhaltigeren Materialien in der Kollektion wird kontinuierlich erhöht. Es wurde eine Preferred Materials List entwickelt, um Materialien auf Basis ihrer ökologischen Auswirkungen beurteilen zu können und durch nachhaltigere Alternativen ersetzen zu können.

Text: Philipp Olsmeyer