Kaufberatung: Schlafsäcke & mehr

Schlafsäcke & mehr

Einsatzbereiche

Der Schlafsack ist einer der wichtigsten Bestandteile der Ausrüstung. Unterwegs ist er für lange Zeit der einzige warme Ort, an dem man sich von psychischer und physischer Belastung erholen kann. Einen Schlafsack für alle Anwendungsbereiche gibt es nicht. Daher sollten genaue Vorstellungen über den Einsatzbereich existieren, um die Auswahl einzugrenzen.

Deckenschlafsäcke aus Kunstfaser oder Daune
Für sommerliche Temperaturen ist ein geräumiger Deckenschlafsack ausreichend. Deckenschlafsäcke bieten am meisten Platz und Komfort. Sie sind in der Regel rechteckig geschnitten und haben einen, über zwei Seiten (um-) laufenden, Reißverschluss. Dadurch können sie vollständig geöffnet und wie eine Decke verwendet werden.

Eiförmige Schlafsäcke aus Kunstfaser oder Daune
Ein guter Kompromiss aus Decken- und Mumienschlafsack: Als Vorbild für dieses Schlafsackdesign diente ein gewöhnliches Ei. Eiförmige Schlafsäcke sind besonders bewegungsfreundlich und bieten dort Platz, wo er benötigt wird: im Knie- und Schulterbereich. Grund dafür ist die natürliche Schlafgewohnheit mit angewinkelten Knien.

Mumienschlafsäcke aus Kunstfaser oder Daune
Mumienschlafsäcke bieten den besten Kompromiss von Isolierleistung, Packmaß und Gewicht. Unausgefüllter Raum im Bein-Bereich kann vom Körper kaum erwärmt werden. Darum ist der Schnitt den Konturen eines liegenden Menschen angepasst, so dass die Wärmeabgabe des Körpers optimal gespeichert werden kann. Die richtige Wahl für Einsätze auch bei kühleren Temperaturen.

Kriterien

Schlafsacknorm EN 13537
Diese seit 2005 geltende EU-Norm legt allgemeine Anforderungen zur Kennzeichnung und Beschreibung von Schlafsäcken fest. Sämtliche Angaben in den Tabellen sind von unabhängigen Prüfinstituten ermittelt worden. Es ist so möglich, die Angaben der unterschiedlichen Modelle und Hersteller miteinander vergleichen zu können, da alle Angaben nach den gleichen Normvorgaben ermittelt werden müssen. Dies betrifft vor allem die Angaben zu Temperaturen sowie Pack- und Innenmaßen eines Schlafsacks. Bei den Temperaturangaben gibt es drei unterschiedliche Angaben:
Komforttemperatur T comf: Dieser Wert wird für eine “Standard-Frau” (25 Jahre, 60 kg, 1,60 m) errechnet, die gerade noch nicht friert.
Grenztemperatur T lim: Dieser Wert wird für einen “Standard-Mann” (25 Jahre, 70 kg, 1,73 m) berechnet, der gerade noch nicht friert.
Extremtemperatur T ext: Dieser Wert wird für eine “Standard-Frau” (25 Jahre, 60 kg, 1,60 m) unter starker Kältebelastung berechnet. Hier besteht erhöhtes Risiko der Unterkühlung.

Als Orientierungswert beim Schlafsackkauf sollte der erste Wert (Komfortwert T comf) dienen. Einen 4. Maximalwert geben wir nicht an, da er den Temperaturbereich angibt, an dem ein Mensch anfangen würde, im Schlafsack zu schwitzen. Unter normalen Bedingungen würde man den Schlafsack dann ohnehin öffnen und als Decke nutzen. Die Norm-Temperaturwerte werden in Forschungslaboren mit einer Gliederpuppe ermittelt, die nur mit einem Trainingsanzug und Strümpfen bekleidet im Schlafsack liegt. Gemessen werden die Wärmeverluste in der jeweiligen Umgebungstemperatur. Alle Angaben unserer Schlafsäcke entsprechen der Norm, mit Ausnahme der Kinderschlafsäcke: Hier wurde bis heute keine einheitliche Lösung gefunden. Daher werden dort weiter unsere eigenen Werte angegeben, die eine Mischung aus Herstellerangabe und unserer eigenen Einschätzung eines Produktes darstellen.

Schlafsackgröße
Damit der Schlafsack der Temperaturangabe gerecht wird, muss die richtige Größe gewählt werden: ist der Schlafsack zu lang oder der Schläfer zu kurz, entsteht Freiraum, den der Körper aufwändig erwärmen muss. Die Folge sind z.B. kalte Füße.

Kapuze
Der menschliche Körper verliert über den Kopf ca. 30% seiner Körperwärme. Optimal für kühlere Einsätze sind Konturkapuzen. Diese sind befüllt und lassen sich mit einem Kordelzug zusammenziehen. So unterbinden sie den Wärmeverlust. Angeschnittene Kapuzen sind einfacher geschnitten und finden sich bei Schlafsäcken, die in wärmeren Temperaturbereichen eingesetzt werden. Kopfteile, zumeist an Deckenschlafsäcken, dienen ausschließlich der Bequemlichkeit im Kopfbereich. Eine aufgesetzte Mütze schützt zudem grundsätzlich vor Wärmeverlust.

Wärmekragen
In Schlafsäcken, die bei tieferen Temperaturen eingesetzt werden, verhindert ein befüllter Wärmekragen das Entweichen der aufgewärmten Luft nach außen. Er ist von innen im Schulter-/Halsbereich angebracht und lässt sich in der Regel mit einem Kordelzug zusammenziehen. Bei Schlafsäcken der mittleren und oberen Temperaturbereiche ist er eigentlich überflüssig, ein gut geschnittener Schulterbereich erfüllt dann die gleiche Funktion.

Reißverschluss (RV)
Abdeckleisten sind von innen über dem RV angebracht und verhindern einen Wärmeverlust an dieser sensiblen Stelle. Schutzleisten sind beidseitig von innen neben dem RV angebracht. Sie sollen das Verklemmen des Reißverschlusses mit dem Innenfutter verhindern.

Innenfutter
Baumwolle ist sehr komfortabel, verschmutzt und verschleißt jedoch schneller, zudem trocknet sie schlechter. Nylon/Polyester ist leichter, langlebiger und ist zudem durch den geringeren Reibungswiderstand im Schlafsack bewegungsfreundlicher.

Differentialschnitt
Gute Schlafsäcke sollten grundätzlich so geschnitten sein, dass die innere Hülle etwas kleiner als die äußere ist, damit ein Zusammendrücken der Füllung durch die Hülle verhindert wird.

Koppeln
Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, zwei Schlafsäcke per Reißverschluss zu koppeln. Voraussetzung: die RV müssen exakt passen! Grundsätzlich sind zwei Schlafsäcke des gleichen Modells miteinander kompatibel. Die Unterscheidung der Schlafsack-Modelle in RV-links und RV-rechts bezieht sich auf die Seite des Schlafsacks, an welcher der RV angebracht ist. Zum Koppeln werden jeweils ein RV-rechts und ein RV-links benötigt. Zudem ist für einen exakten Abschluss die gleiche RV-Länge wichtig. Den linken an den rechten RV gezippt, entsteht so ein gemütlicher Schlafsack für zwei.

Iso-Matten
Da die Füllung des Schlafsacks durch das Körpergewicht zusammengedrückt wird, geht ein großer Teil des Isoliervermögens verloren; der Schläfer liegt ungeschützt auf dem kalten Boden. Eine Isoliermatte ist daher unerlässlich.

Kunstfaser oder Daune?

Schlafsäcke können entweder mit Daunen oder Kunstfasern befüllt sein. Daunen-Schlafsäcke sind zu empfehlen, wenn minimales Packmaß und geringes Gewicht gefragt sind. Zudem bieten sie ein exzellentes Schlafklima, sind jedoch feuchtigkeitsempfindlicher.
Die Vorteile von Kunstfasern liegen in der geringen Feuchtigkeitsaufnahme der Fasern, wodurch ihr Einsatz auch in feuchten Regionen unproblematisch ist.

Kunstfaser-Schlafsäcke
Der Vorteil von Kunstfaserfüllungen besteht darin, dass sie kaum Feuchtigkeit aufnehmen. Sollte dies doch passieren, verlieren sie auch in nassem Zustand kaum an Loft und trocknen rasch. Zudem sind sie unkompliziert in der Pflege. Sie sind empfehlenswert für Gebiete mit permanent hoher Luftfeuchtigkeit, bei der Benutzung von wasserdichten Biwaksäcken (Kondenswasser) sowie Wintertouren. Ein weiterer Vorteil gegenüber den Daunenschlafsäcken ist der geringere Preis. Kunstfaserfüllungen werden aus Polyesterfasern verschiedenster Art hergestellt. Wichtig für die Bauschfähigkeit ist die Oberflächenbehandlung der Fasern. Unter dem Mikroskop hat die Polyesterfaser eine raue Oberfläche. Die einzelnen “Fäden” können sich so stark ineinander verhaken, dass sie sich nicht mehr aufbauschen. Deshalb werden die Fasern mit einer glatten Silikonschicht ummantelt. Je aufwändiger dieses Verfahren und der Aushärtungsgrad des Silikons ist, desto länger bleibt die Bauschfähigkeit der Faser erhalten.
Verarbeitung der Füllung: Die Konstruktionsweise der Füllung ist auf den Einsatzbereich ausgelegt. Je nach erwünschter Wärmeleistung, werden die Kunstfasern auf Vliesen fixiert und dann 1- oder mehrlagig verwendet. Dann werden sie direkt am Außen- und Innenmaterial vernäht. Bei der Verarbeitung mit loser Außenhülle wird gänzlich auf eine Verbindung mit dem Außenmaterial durch Nähte verzichtet, um ein Entweichen der Wärme durch die Nahtlöcher zu verhindern. Bei der Schindeltechnik wird im Prinzip wie bei Dachschindeln gearbeitet: Ein Schindel-Ende wird mit der Innen-, eins mit der Außenhülle vernäht.

Daunen-Schlafsäcke
... sind ungeschlagen, wenn es um minimales Packmaß und geringes Gewicht geht: Das Verhältnis zwischen Isolation, Gewicht und Packmaß ist unerreicht. Zudem bieten sie ein hervorragendes Schlafklima, das sich deutlich von Kunstfasern unterscheidet. Dies beruht auf der Eigenschaft, Feuchtigkeit aufzunehmen. Gleichzeitig ist dies ab einer bestimmtem Menge auch ein Nachteil: bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit, bei Regen, am Wasser können Daunen verklumpen und somit ihre Isolationswirkung einbüßen. Ist die Daune erst einmal feucht geworden, besteht das Problem darin, sie wieder zu trocknen: dies dauert erheblich länger als bei Kunstfasern. Dennoch überwiegen die Vorteile: Daunenschlafsäcke besitzen bei sachgerechter Pflege eine weitaus höhere Lebenserwartung als Kunstfaserschlafsäcke.

Daunen sind ein Naturprodukt. Die Qualität hängt vom einzelnen Tier, der Herkunft und der Sortierung ab. Tiere aus kalten Regionen sind mit wesentlich größeren, kräftigeren Daunen ausgestattet als Tiere warmer Klimazonen. Zudem ist die Daune ausgewachsener Gänse wesentlich dichter und größer als die Daune ausgewachsener Enten. Gänsedaune gilt daher allgemein als bessere Qualität: hohe Isolationswerte bei geringer Füllmenge/Gewicht. Nur so ist es möglich, superleichte Schlafsäcke auch für tiefere Temperaturen zu fertigen.
Daunenfüllungen sind grundsätzlich eine Mischung aus Daunen und Federn, deren Mischungsverhältnis in Gewichtsprozenten angegeben wird. Ganz ohne Federn kommt keine Mischung aus: Sie sind zur Stabilisierung der Mischung erforderlich. 90/10 bedeutet, dass sich die Füllung zu 90 % aus Daunen und 10 % aus Federn zusammensetzt. Höhere Federanteile (z.B. 70/30 oder 50/50) erhöhen das Gewicht, verringern die Bauschfähigkeit und infolgedessen das isolierende Luftpolster.
Fillpower: Eine Mischungsbezeichnung 90/10 klärt noch nicht darüber auf, ob es sich bei der Füllung um eine Enten- oder Gänsedaune minderer oder hochwertiger Qualität handelt. Erst die Fillpower-Bezeichnung (Bausch- oder Tragfähigkeit der Mischung) gibt Aufschluss über die Qualität: man misst das Volumen der Daunen im Verhältnis zum Gewicht, indem eine amerikanische Unze (28,35 g) der Daunenmischung im Messzylinder für 24 Stunden zusammengepresst wird. Anschließend wird das Volumen gemessen, auf das sich die Probe ausdehnt und in der Einheit cuin angegeben (cuin = inch3. 1 inch3 = 16,39 cm3). Bei einfachen Daunenschlafsäcken werden oft keine Angaben dazu gemacht. Einfache Schlafsäcke haben bis 450 cuin, gute 500 cuin und hochwertige Schlafsäcke über 650 cuin Fillpower. Kurz: Je mehr Volumen eine bestimmte Füllmenge erzeugt, desto besser ist ihr Isolationswert.
Verarbeitung der Füllung: Würde die Füllung einfach in den Schlafsack geschüttet, könnte sie verrutschen. Daher werden Daunen in Kammern gefüllt. Die Größe der Kammern muss allerdings genau auf das Bauschvolumen der Daune abgestimmt sein. H- und Schrägkammern sind die üblichen Systeme. Trapezkammern sind, wie der Name vermuten lässt, im Querschnitt trapezförmig. V-Kammern sind am aufwändigsten zu nähen und gewähren die beste Isolation. Durchgesteppte Kammern sind nur bei Sommerschlafsäcken zu finden.
Aufbewahrung und Pflege: Daunenschlafsäcke sollten nicht komprimiert gelagert werden, denn unter dauerhafter Kompression leidet die Füllung. Grundsätzlich ist Lüften schonender als Waschen, mancher Mief verschwindet buchstäblich im Wind. Aufbewahrungssäcke bieten genügend Raum, so dass sich die Füllung ausbreiten kann. Bei Verwendung eines Inletts wird der Schlafsack nicht so schnell schmutzig. Ist der Schlafsack dennoch stark verschmutzt oder die Daune klumpig, sollte er mit einer geringen Menge Spezialwaschmittel und unter der Beachtung aller Vorschriften gewaschen werden. Daune bekommt nach dem Waschen ihre ursprüngliche Bauschfähigkeit zurück (sofern sie nicht bereits verklumpt ist). Globetrotter Ausrüstung bietet zudem einen Waschservice an. Näheres in den Fillialen oder unter service@globetrotter.de.

 

 

Selbstaufblasende Matten

Thermo-Luftmatratzen revolutionierten den Outdoorbereich. Sie kombinieren den Liegekomfort einer Luftmatratze mit dem Isolationskomfort einer Isomatte.

 

 

Aufbau und Material
Der isolierende Kern ist aus offenzelligem Schaum. Zudem werden Varianten mit Kanälen oder gestanztem Schaum hergestellt. Alle haben das gleiche Ziel: Gewicht einsparen und trotzdem effektiv isolieren. Grundsätzlich gilt: je dicker die Matte, desto größer die isolierende Wirkung und der Schlafkomfort. Die Isolation hängt jedoch nicht nur mit der Dicke der Matte, sondern auch mit dem verwendeten Schaum zusammen: entscheidend sind Qualität, Dichte und die Art der eventuellen Stanzung des Schaums. Hülle und Schaum sind verklebt. Die Hülle besteht aus beschichtetem Gewebe und ist luftdicht verschweißt. Befüllt und entleert werden die Matten über Ventile. Dass sich die Matten selbst aufblasen, ist nicht ganz richtig. Dies scheint so, da beim Öffnen des Ventils Luft eindringt und sich der offenzellige Schaumkern ausdehnt. Einkurzes Nachpusten ist jedoch zur Straffung der Matte erforderlich.

Wintereinsatz
Obacht: Bei Wintertouren kann sich der Einsatz von Thermo-Luftmatratzen problematisch gestalten. Kondenswasser(z.B. durch feuchte Atemluft) kann in der Matte gefrieren und die Matte vereist innen. In solchen Fällen ist eine klassische Isoliermatte oder die Exped Daunenmatte zweifelsfrei unempfindlicher.