Das legendäre Radrennen Paris-Brest-Paris (1.223 km) ist eine der härtesten Prüfungen für Radmarathoninisti. Globetrotter-Kollege Martin Radwanski stellte sich zuletzt 2003 dieser (Tor)tour und schaffte die Strecke in sagenhaften 76 Stunden und 38 Minuten ... die er in diesem Jahr sogar noch unterbieten will: Martin wird ab dem 21. August 2007 wieder unterwegs sein und - mit Fotohandy bewaffnet - fast in Echtzeit hier Bericht erstatten.
Wir wünschen Martin schon an dieser Stelle viel Erfolg - und Ihnen viel Spaß beim Mitverfolgen.
Martins Insider-Infos zum letzten Rennen von 2003 finden Sie im 4-Seasons-Archiv.
Allgemeine Infos
Mehr als 4.000 Teilnehmer werden dieses Jahr von Saint-Quentin-en-Yvelines aus an dem Radrennen teilnehmen. Seit 1931 versuchen jährlich Tausende, die Herausforderung dieses berühmten Rennens zu meistern - das Tempo kann selbst bestimmt werden, doch die 1.200 Kilometer müssen spätestens nach 90 Stunden geschafft worden sein, das ist das maximale Zeitlimit.
Durch Antritt an dieser nahezu mythischen Fahrt werden die eigene Leistung und Ausdauer auf die Probe gestellt. Es kann entweder die persönliche Bestleistung festgestellt oder einfach eine einzigartige Erfahrung gesammelt werden. Auf jeden Fall erwartet die Teilnehmer ein Abenteuer, das mehr als eine einfache Radtour darstellt und bei dem neue Freundschaften gefunden werden können. Das Vergnügen hilft, diese Herausforderung zu meistern, bis hin zum magischen Moment der Ankunft. Dabei sind sie - abgesehen von Zusammenschlüssen untereinander - nicht allein: Viele Zuschauer feuern sie an, viele Unternehmen verfolgen das Spektakel, Hunderte Freiwillige helfen während der Reise von Paris nach Brest und zurück.
Martins Fotohandy: Impressionen von der Fahrt vom 21. bis 24. August 2007
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18.08.07 um 19:07 Uhr
Ankunft im schönen Paris - mit einer bekannten Kulisse im Hintergrund... ;-)
In 3 Tagen geht es endlich los! |
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21.08.07 um 11:02 Uhr
Die erste Station heute ist Mortagne-au-Perche nach 140 Kilometern. 2,5 Stunden Zeitpuffer habe ich bisher. Nun habe ich schwere Beine, und die Kälte und der Regen machen es auch nicht gerade besser, doch bisher gab es keine Unfälle und ich kämpfe mich durch. Ich melde mich wieder bei der nächsten Station. |
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21.08.07 um 15:23 Uhr
Villaines-la-Juhel habe ich gerade als zweite Station erreicht und somit weitere 80 km hinter mir. Nach jetzigem Stand habe ich 3 Stunden als Reserve rausfahren können. Die zweite Etappe ging viel besser zu bewältigen, was das Wetter betrifft. Zwischendurch habe ich allerdings mein Garmin-GPS-Gerät verloren - das ist mir bei 50 km/h vom Rad gefallen und auf den Beton gekracht... und hat es zum Glück überlebt! Für diese Tour hatte ich zu wenig Nahrungsmittel an Bord, wie ich feststellen musste, daher werde ich mich jetzt erstmal stärken, bevor es dann auch schon weitergeht. Gut 1.000 km liegen noch vor mir - ich halte euch weiter auf dem Laufenden! |
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21.08.07 um 19:45 Uhr
Als nächstes habe ich - planmäßig - in Fougères Halt gemacht - 90 Kilometer habe ich seit dem letzten Stopp also wieder geschafft. Inzwischen geht es mir besser. Die letzten beiden Stationen habe ich mich schnell durchgekämpft - der Zeitpuffer beträgt nun 4 Stunden. Ich habe gut gegessen und hell ist es ja auch noch... ich denke, ich werde bis Brest durchfahren. Nächste Station ist erstmal Tinténiac. Allen eine gute Nacht! |
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21.08.07 um 23:02 Uhr
Kurzer Zwischenbericht:
Habe soeben Tinténiac verlassen und bin auf den Weg nach Loudéac. Nächster Halt also nach 90 km. Eine wirklich schöne Nachttour! |
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22.08.07 um 09:26 Uhr
Soeben bin ich in Carhaix angekommen - das ist die letzte Station vor Brest. Man kann mittlerweile sagen, dass dieses Rennen schwerer ist als letztes Mal. Von anderen Teilnehmern weiß ich, dass sie auch Schwierigkeiten haben. U.a. haben wir mit stärkerem Gegenwind zu kämpfen. Ich hoffe, dass ich dann bei der Rückfahrt von Brest aus Rückenwind haben werde und das Zeitlimit nicht überschreite. Bis Brest sind es zwar nur noch 85 km, allerdings müssen wir über Berge radeln, und meine Gangschaltung funktioniert nicht mehr richtig, so dass ich etwas tricksen muss, um den Gang zu wechseln. Der Rückweg wird auch zeitlimitiert sein und ich bin froh, wenn ich es in der vorgegebenen Zeit schaffe. Aber alle 80 km (an jeder Station) gönne ich mir eine Stärkung - das muss einfach sein. Geschlafen habe ich bisher noch nicht. |
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22.08.07 um 15:05 Uhr
Nun bin ich in Brest angelangt ... und bin total erschöpft! Zwar liege ich noch gut in der Zeit, aber das viele Radeln, die Steigungen und der Schlafmangel lassen mich groggy fühlen... ich weiß nicht, wie lange ich noch durchhalte. Aber aufgeben werde ich jetzt auf halber Strecke auf keinen Fall. Für die nächste Etappe habe ich immerhin 9 Stunden Zeit... und hoffentlich Rückenwind. |
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23.08.07 um 1:43 Uhr
Kürzlich habe ich einen spektakulären Ritt durch die Berge von Brest hinter mich gebracht. Über Carhaix bin ich nun wieder in Loudéac angekommen und schlafe nach 750 km gleich erstmals für 4 Stunden. Um 6 Uhr muss ich nämlich schon bei der nächsten Station sein. Diesmal hat uns wieder der Regen begleitet. Ich bin dreieinhalb Stunden mit Freunden gefahren, mein Hintern tut weh, es wird echt Zeit für eine längere Pause. Immerhin habe ich keine tauben Finger bekommen - trotz der stundenlangen Strapazen. Und: Martin Bremmes Lenkerband ist super! :-) |
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23.08.07 um 8:40 Uhr
Eine weitere Nacht ist rum, und ich konnte etwas schlafen! Zwar habe ich dadurch nur noch eine Stunde Zeitpuffer, aber der Schlaf musste einfach sein - auch wenn mein Schlafplatz recht klein war. Jetzt geht es mir echt besser und ich bin zuversichtlich, dass ich das Ziel in Paris in der vorgegebenen Zeit erreiche. Wer am Anfang schnell fährt, bekommt bei der Rückfahrt eigentlich immer mehr Zeitpuffer. Gerade haben wir hier leichten Nieselregen und etwas Seitenwind, aber bei Tageslicht ist das auszuhalten. Im Moment befinde ich mich in einer Geheimkontrolle zwischen Loudéac und Tinténiac - hier bekommt jeder einen Stempel, um zu verhindern, dass ein leichterer Weg als der vorgeschriebene gefahren wird. |
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23.08.07 um 11:49 Uhr
Hier in Tinténiac habe ich gerade gut gegessen, doch leider kommt der Wind aus Nordost - also von vorne auf die Mütze, das ist bekanntlich alles andere als günstig für (Renn-)Radfahrer. Daher mache ich nun etwas langsamer und hoffe, dass das Wetter bald besser wird. Um mich herum sind alle Teilnehmer mehr und mehr geschafft. Müdigkeit macht sich in den Knochen breit. Noch 55 km bis Fougères. Gott sei Dank ist es hier nicht (mehr) so hügelig.
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23.08.07 um 14:53 Uhr
Jetzt bin ich also wieder in Fougères. Das war eine eher leichtere Etappe. Für eine gewisse Zeit konnte ich mit einer riesen Gruppe zusammen fahren. Jetzt regnet es wieder, und da es auch in Paris regnen soll, werde ich in Mortagne-au-Perche übernachten, wenn ich dort heute Nacht ankomme. Eine Nachtfahrt auf rutschiger Straße wäre zu gefährlich ... und muss Dank des verbliebenen Zeitpuffers nicht riskiert werden. Die nächste Station muss ich erst morgen um 12 Uhr erreicht haben, wenn es nach dem maximalen Zeitlimit geht. Also gönne ich mir heute Nacht wieder ein paar Stunden Schlaf. |
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23.08.07 um 04:16 Uhr
Ich bin endlich kurz vor Mortagne-au-Perche. An der vorigen Station habe ich gut gegessen, dennoch hat mich eben wieder der Hunger geplagt, so dass ich gerade nochmal gegessen habe und Kaffee zu mir nehmen konnte - manche Cafés haben auch um die Uhrzeit noch auf. Das hat wirklich sehr geholfen. Man verbraucht bei so einer Tour ja doch etwas mehr Kalorien als im Alltag. ;-) Ich bin trotzdem total fertig. Bis hierher musste ich mich richtig anstrengen. Um 6 Uhr muss ich auch wieder weiter, wegen Zeitlimit. Das wid echt knapp. Unterwegs spielten sich einige Dramen ab, viele waren am Kämpfen oder haben sich einfach nur noch in ihre Rettungsdecken eingewickelt - sogar Tränen sind geflossen. Meine Gesäßbeschwerden kommen auch noch dazu. Ich habe ständig die Hose wechseln müssen. Aber ich tu mein Bestes. Zwischendurch habe ich mich an 2 andere Teilnehmer rangehängt und bin denen im Affentempo gefolgt. Dadurch konnte ich wieder etwas Zeit gewinnen. Gleich schlafe ich ein wenig bis 6 Uhr, um den Kopf frei zu bekommen. |
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24.08.07 um 11:35 Uhr
Jetzt bin ich in Dreux, der vorletzten Station. Letzte Nacht bin ich nach der 2. Essenspause mit Regenbekleidung und Weste einfach ins mir zugeteilte Bett geplumpst und sofort eingeschlafen. Meine Klamotten haben schon etwas gestunken, aber was soll man machen... das gehört auch dazu. Bisher konnte ich mich nur einmal duschen. Für 75 Minuten konnte ich schlafen, dann wurde ich um 5:45 auch schon wieder geweckt, weil ich weiterfahren musste. Um die Zeit war es noch neblig. Den Weg hatte ich steiler in Erinnerung als er dann tatsächlich war. Nun habe ich noch 5,5 Stunden für 70 km Zeit, jedoch ist die letzte Etappe sehr hügelig. Ich bin zuversichtlich, dass ich das Ziel rechtzeitig erreiche - muss mich eben ranhalten. Ach ja, eine gebrochene Speiche hatte mir das Rennen auch noch schwerer gemacht. Die rasanten Abfahrten von den Bergen haben meine Felge zu sehr belastet. Mittlerweile hat ein Monteur die Speiche aber austauschen können. Für die Gesäßbeschwerden habe ich eine Schmerztablette bekommen. Das Wetter ist okay - kein Regen, nicht zu heiß. |
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24.08.07 um 15:40 Uhr
Fix und fertig im Ziel! Nach 1.200 km und insgesamt 82 Stunden und 40 Minuten ... Teilnehmer 6.663 ist am Ende seiner Reise - und Kräfte ;-). Alles in Allem ein sagenhaftes Rennen gegen die Zeit und den inneren Schweinehund. Gegenüber dem letzten Rennen verlor ich zwar ein paar Stunden, die Bedingungen waren aber auch ein enormes Stück schwieriger. Ich bin sehr glücklich, es geschafft zu haben und grüße alle, die an dieser Stelle mitfieberten: Herzlichen Dank !!
Anmerkung der Redaktion:
Lieber Martin, auch im Namen der eRedaktion und dem gesamten Globetrotter-Team unsere herzlichsten Glückwünsche. Du hast es einmal wieder geschafft, Martin RadwaHnski ;-). |
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